Hallo zusammen,
ich stecke gerade mitten im Vergleich verschiedener Luft-Wasser-Wärmepumpen und stoße immer wieder auf dasselbe Problem: Die Schallleistungsangaben der Hersteller sind schlicht nicht vergleichbar. Vaillant gibt für seine aroTHERM plus 8 kW etwas unter 60 dB(A) an, Viessmann bewirbt die Vitocal 150-A ähnlich, aber unter welchen Bedingungen wurden diese Werte eigentlich ermittelt?
Ich habe festgestellt, dass manche Hersteller nach EN 12102 messen, andere nach anderen Normen oder unter günstigen Laborbedingungen bei bestimmten Außentemperaturen – und im echten Betrieb bei Volllast im Winter sieht das dann oft ganz anders aus. Das ist für mich klassisches Marketing: Ein einzelner Wert, der möglichst gut aussieht, ohne den realen Betriebspunkt zu benennen.
Mich interessiert daher: Hat jemand von euch echte Vergleichsmessungen gemacht oder kennt unabhängige Quellen (z.B. Stiftung Warentest, Fraunhofer, oder ähnliches), wo Schallpegel unter standardisierten Bedingungen gemessen wurden? Gerade im Sommer beim Kühlbetrieb oder bei niedrigen Außentemperaturen soll die Last ja deutlich ansteigen – und damit auch der Lärm.
Mir geht es nicht darum, welche WP am leisesten klingt auf dem Papier, sondern was im Alltag tatsächlich rauskommt. Reale Erfahrungen und Messpunkte zählen für mich mehr als Hochglanzprospekte.
Danke schon mal!
Ehrlich gesagt wundert mich das null. Die Branche hat schlicht kein Interesse daran, echte Volllast-Schallwerte unter schlechten Bedingungen zu veröffentlichen. Solange keine unabhängige Stelle systematisch prüft und vergleichend veröffentlicht, bleibt das Marketing-Bingo.
Ich würde jedem raten: Vor dem Kauf im Bekanntenkreis oder im Forum nach Besitzern der konkreten Gerätetypen fragen und sich das Ding im Winter live anhören. Kein Datenblatt ersetzt das.
Ich bin da ähnlich ratlos wie ihr. Bei meiner Reihenhaus-Planung war Schall ein wichtiges Kriterium weil die Nachbarn halt nah dran sind. Hab dann beim Installateur nachgefragt und der hat nur auf das Datenblatt gezeigt – mehr Infos gabs nicht.
Was mir aufgefallen ist: Manche Hersteller veröffentlichen Schalldruckpegel (dB(A) in 1m Abstand) und andere Schallleistungspegel – das sind komplett verschiedene Größen und man kann sie nicht direkt vergleichen. Ich glaube einige Anbieter nutzen das gezielt aus um besser dazustehen.
Für mein Reihenhaus hab ich das Thema im Thread PV + Wärmepumpe fürs Reihenhaus: Welches System passt zusammen? schon kurz angesprochen. Wäre froh um mehr Transparenz von den Herstellern.
Das deckt sich mit meinen Beobachtungen aus jetzt zwei Jahren Betrieb. Ich hab mir damals sehr viel Mühe gegeben bei der Herstellerauswahl und die Datenblätter verglichen – im Nachhinein war das ehrlich gesagt nur bedingt hilfreich.
Die Messbedingungen sind der entscheidende Punkt den Thomas K. da richtig anspricht. A7/W35 ist ein Laborszenario das im deutschen Winter selten der Realität entspricht. Was mich interessiert hätte: Wie verhält sich die Anlage bei A-5 oder A-10 unter Teillast vs. Volllast? Das steht so gut wie nirgends.
Ich hab meine eigenen Stromverbräuche und indirekt auch Lärmerfahrungen im Thread PV + Wärmepumpe: Lohnt sich die Kombination wirklich? Meine Zweijahresbilanz dokumentiert. Schall hab ich nicht systematisch gemessen, aber gefühlt ist es im Vollastbetrieb deutlich wahrnehmbarer.
Für unabhängige Quellen: Der TÜV Süd und einzelne Verbraucherzentralen haben gelegentlich Praxistests veröffentlicht, aber wirklich systematisch und aktuell ist da leider wenig.
Sehr berechtigte Frage, die mich bei meiner eigenen Planung auch beschäftigt hat. Die EN 12102 ist tatsächlich die relevante Norm, aber selbst da gibt es Spielraum – der Schallleistungspegel wird bei Nennbetrieb und A7/W35 gemessen, also 7°C Außentemperatur. Was bei -5°C passiert, wenn die Pumpe auf Volllast läuft, steht meistens gar nicht im Datenblatt.
Ich hab nach meiner Installation ein einfaches Schallpegelmessgerät (kalibriertes Gerät, kein Smartphone-App-Murks) genutzt und verschiedene Betriebspunkte protokolliert. Bei meiner Anlage lagen die Herstellerwerte grob in der richtigen Größenordnung – aber eben nur bei moderaten Außentemperaturen. Im Winter bei Volllast war es deutlich lauter als angegeben.
Zum Thema Kühlbetrieb hab ich übrigens hier schon was geschrieben: Sommer-Kühlbetrieb per WP: Lohnt sich aktive Kühlung wirklich? – da war Schall im Sommerbetrieb auch kurz Thema.
Unabhängige Messreihen kenne ich leider kaum. Die Technologieberichte des Fraunhofer ISE gehen auf Schallemissionen eher am Rande ein. Für einen echten Vergleich wäre eine systematische Messkampagne nötig, die meines Wissens so öffentlich nicht existiert.