Hallo zusammen,
ich plane gerade die Finanzierung meiner neuen Luft-Wasser-Wärmepumpe und hab mittlerweile vier Angebote von verschiedenen Banken auf dem Tisch. Auf den ersten Blick sehen die alle irgendwie ähnlich aus, aber sobald ich genauer hinschaue, frage ich mich ob ich da wirklich alles richtig vergleiche.
Mein konkretes Problem: Zwei Angebote haben denselben Nominalzins von 4,2%, aber der Effektivzins unterscheidet sich um fast 0,4 Prozentpunkte. Wie kann das sein? Eine Bank wirbt damit, keine Bearbeitungsgebühr zu nehmen, die andere hat günstigere Ratenschutzversicherung im Paket – ich blicke da ehrlich gesagt nicht mehr ganz durch.
Auch bei der Laufzeit bin ich unsicher: Macht es Sinn, die Laufzeit zu verlängern um die monatliche Rate zu drücken, auch wenn ich dann insgesamt mehr zahle? Oder gibt es da eine Faustregel?
Und noch eine Frage die mich beschäftigt: Wie gehe ich damit um, wenn im Angebot steht 'Zinsen ab X%' – also bonitätsabhängig? Kann ich da überhaupt seriös vergleichen bevor ich einen Antrag stelle?
Ich bin kein Finanzprofi und finde das Ganze ziemlich undurchsichtig. Über konkrete Tipps was ich wirklich vergleichen muss würde ich mich sehr freuen. Der Einbau soll im Herbst sein, also habe ich noch ein paar Wochen Zeit um das sorgfältig zu prüfen.
Danke schon mal!
Tobias
Ich seh das etwas anders als die Vorredner – nicht falsch, aber ich würde noch einen Schritt weitergehen: Schau dir unbedingt auch die Sondertilgungsmöglichkeiten an. Gerade wenn du vielleicht im Herbst oder nächstes Jahr eine BAFA-Förderung ausgezahlt kriegst, willst du die direkt in den Kredit stecken können ohne Vorfälligkeitsentschädigung zu zahlen. Das steht oft im Kleingedruckten und taucht im Effektivzins überhaupt nicht auf – kann aber je nach Laufzeit mehrere hundert Euro ausmachen.
Ich hab mich da selbst schon reingelegt, deswegen sensibel für das Thema 😄
Kurze Ergänzung zu dem was Holger schreibt: Die Restschuldversicherung ist tatsächlich der Klassiker. Wenn die als 'freiwillig' deklariert ist, muss sie laut EU-Richtlinie nicht in den Effektivzins eingerechnet werden – obwohl sie in der Praxis oft mehr oder weniger vorausgesetzt wird. Also immer explizit nachfragen ob das Angebot ohne diese Versicherung gilt.
Ich hab das beim WP-Tausch nach Gasheizungsdefekt selbst gelernt, da waren am Ende 1.200 Euro mehr drin als ich dachte weil ich das Kleingedruckte nicht gelesen hatte.
Ansonsten: Beim Vergleich immer dieselbe Laufzeit und denselben Kreditbetrag ansetzen. Klingt banal, aber viele Angebote kommen mit leicht unterschiedlichen Konditionen und dann vergleichst du eigentlich Äpfel mit Birnen.
Hallo Tobias,
die Verwirrung kenne ich gut, ich hab das beim Thema Altbausanierung selbst durchgemacht. Der entscheidende Punkt ist: Der Effektivzins ist die einzige Zahl, die du wirklich vergleichen musst – darin sind Bearbeitungsgebühren, Auszahlungsagio und der Zinseszinseffekt durch die Tilgungsverrechnung schon eingerechnet. Der Nominalzins allein sagt dir praktisch nichts Verlässliches.
Dass zwei Angebote mit gleichem Nominalzins unterschiedliche Effektivzinsen haben, liegt meistens an der Tilgungsverrechnung (monatlich oder jährlich) oder an versteckten Gebühren die im Nominalzins nicht drinstecken. Eine Restschuldversicherung die 'optional' angeboten wird, taucht manchmal auch nicht im Effektivzins auf – das ist eine häufige Falle.
Zur Laufzeitfrage: Ja, längere Laufzeit bedeutet mehr Gesamtkosten. Ob das sinnvoll ist hängt davon ab, ob du das gesparte Geld monatlich sinnvoll woanders einsetzen kannst – oder ob du einfach Luft brauchst. Eine Faustregel gibt es da nicht wirklich.
Bei 'ab X% bonitätsabhängig': Das stimmt, du kannst das nicht sauber vergleichen ohne Antrag. Aber viele Banken bieten eine unverbindliche Vorabprüfung ohne Schufa-Eintrag an – das würde ich nutzen bevor du richtige Anträge stellst. Mehrere Anfragen in kurzer Zeit können sonst deinen Schufa-Score belasten.