Guten Tag zusammen,
ich bin 79 Jahre alt und möchte in diesem Sommer noch meine alte Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetzen lassen. Mein Sohn hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass man das jetzt besser früher als später angehen sollte, bevor im Herbst wieder die Auftragsbücher voll sind.
Nun hat mir ein Installateur aus der Gegend ein Angebot gemacht – Luft-Wasser-Wärmepumpe, Einbau alles zusammen ca. 22.000 Euro nach BAFA-Abzug. Soweit so gut. Aber dann hat er mir auch gleich eine eigene Ratenzahlung angeboten: 36 Monate, angeblich 0% Zinsen, direkt über seinen Betrieb, kein Bankkredit.
Mein erstes Gefühl war: das klingt zu schön um wahr zu sein. In meiner Generation hat man gelernt, dass es so etwas nicht umsonst gibt. Ich frage mich, ob der Gesamtpreis dann vielleicht höher ist als bei Barzahlung, oder ob da irgendwo Gebühren versteckt sind, die man erst im Kleingedruckten findet.
Hat jemand von Ihnen Erfahrungen damit gemacht, wenn der Handwerker selbst eine Ratenzahlung anbietet? Ist das grundsätzlich unseriös, oder kann das auch legitim sein? Worauf müsste ich besonders achten? Ich bin leider kein Finanzfachmann und möchte in diesem Alter keine bösen Überraschungen mehr erleben.
Für jeden Hinweis bin ich sehr dankbar.
Da muss ich Markus oben in einem Punkt ergänzen: Das Verbraucherkreditgesetz gilt auch dann, wenn der Handwerksbetrieb selbst als Kreditgeber auftritt – sofern es sich um einen entgeltlichen Kredit handelt. Bei 0% ist die Rechtslage aber etwas komplizierter, da fällt nicht automatisch alles darunter.
Mein praktischer Tipp für WolfgangB.1947: Lassen Sie den Vertragsentwurf vor Unterschrift von jemandem gegenlesen – ein Bekannter, Ihr Sohn, oder auch eine Verbraucherzentrale. Die machen oft schnelle Erstberatungen für überschaubare Kosten. Bei 22.000 Euro ist das gut investiert.
Und noch eins: Prüfen Sie ob der Installateur die BAFA-Förderung korrekt eingerechnet hat. Falls der Zuschuss noch aussteht und der Betrieb die Vorfinanzierung macht – auch das muss transparent im Vertrag stehen. Ich habe schon Fälle gehört wo das nachträglich zu Konflikten geführt hat.
Hallo WolfgangB.1947,
die Skepsis ist berechtigt, aber das Modell ist nicht grundsätzlich unseriös. Viele Handwerksbetriebe kooperieren im Hintergrund mit Finanzierungspartnern – häufig Banken wie die Santander oder ähnliche Konsumentenkreditgeber. Der Installateur tritt dabei nur als Vermittler auf, die eigentliche Finanzierung läuft trotzdem über ein Institut.
Das 0%-Versprechen wird vom Betrieb oft durch eine Art Händlervergütung quersubventioniert. Die Frage ist: Hat er Ihnen einen Barpreis und einen Finanzierungspreis genannt, oder nur einen einzigen Preis? Wenn nur ein Preis steht, sollten Sie explizit fragen, ob Sie bei Barzahlung einen Nachlass bekämen. Wenn ja, und der Nachlass entspricht ungefähr einem üblichen Kreditzins – dann ist der '0%-Zins' de facto im Preis eingerechnet.
Ich würde Ihnen empfehlen, sich den Kreditvertrag (auch wenn er über den Installateur kommt) komplett zeigen zu lassen, bevor Sie unterschreiben. Wichtig: Wer ist der tatsächliche Vertragspartner bei der Finanzierung? Was passiert, wenn der Betrieb insolvent wird? Haben Sie ein Widerrufsrecht?
Bei seriösen Betrieben ist das alles klar geregelt. Intransparenz wäre ein Warnsignal.
Also ich will mal kurz die andere Seite beleuchten: Ich hab mir beim WP-Projekt die Elektrikkosten aus eigener Tasche zusammengekratzt (ich hab damals im Forum gefragt wegen Zählerschrank-Themen), und hätte ich damals eine vernünftige 0%-Finanzierung gehabt, hätte ich das glatt genutzt.
Das Instrument an sich ist nicht das Problem. Das Problem ist die Transparenz. Konkret würde ich in Ihrem Fall auf folgende Punkte achten:
1. Schriftlich den Gesamtbetrag der Finanzierung bestätigen lassen – 22.000 Euro, nicht mehr.
2. Effektivzins im Vertrag prüfen. Bei echten 0% steht da 0,00%. Sonst ist es kein 0%-Kredit.
3. Sondertilgungsrecht: Können Sie früher zurückzahlen ohne Aufschlag?
4. Was passiert bei Zahlungsverzug – welche Folgekosten entstehen dann?
Wenn das alles klar und nachvollziehbar im Vertrag steht, würde ich persönlich kein grundsätzliches Problem darin sehen. Aber ich würde den Vertrag wirklich lesen, nicht nur unterschreiben.
Ich kenn das Thema ein bisschen, hab mir da schon Angebote angeschaut – bei dem Thread Warum kostet Anlage A 6k mehr als B – bei gleicher kW-Zahl? ging es ähnlich drum, was in Angeboten wirklich drinnen steckt.
Das Ratenkauf-Modell über den Installateur selbst – also ohne Bankpartner im Hintergrund, wirklich der Betrieb als Gläubiger – ist tatsächlich etwas, das ich skeptisch sehe. Denn: Was passiert wenn der Betrieb Probleme bekommt? Dann werden Forderungen verkauft, möglicherweise an Inkassogesellschaften, und Ihre Ratenzahlungen gehen plötzlich an jemanden, dem Sie nie zugestimmt haben. Das ist legal, aber unangenehm.
Bei einem seriösen Bankpartner im Hintergrund ist das anders – da haben Sie als Verbraucher klare Rechte nach dem Verbraucherkreditgesetz. Das würde ich als Minimalanforderung sehen.