Hallo zusammen,
jetzt wo wir gerade mitten im Sommer sind und die WP kaum läuft, nutze ich die Zeit um meine Verbrauchsauswertung für das Heizjahr 2025/26 sauber zu dokumentieren. Dabei bin ich auf das Thema Gradtagzahlen gestoßen und ich muss zugeben: ich blick da noch nicht ganz durch.
Mein konkretes Problem: Ich will meinen Stromverbrauch von diesem Winter mit dem Vorjahr vergleichen, aber beide Winter waren gefühlt sehr unterschiedlich warm. 2024/25 war bei uns relativ mild, diesen Winter gab es doch einige richtig kalte Wochen. Wenn ich jetzt einfach die kWh-Zahlen gegenüberstelle, ist das ja kein fairer Vergleich.
Meine Fragen:
1. Wo bekomme ich zuverlässige Gradtagzahlen für meinen Standort (Raum Kassel)? Gibt es da eine offizielle deutsche Quelle?
2. Wie rechne ich das konkret um? Also wenn Heizjahr A eine GTZ von 3200 hatte und Heizjahr B eine von 2800, wie normiere ich dann meinen Verbrauch?
3. Macht es Sinn das auch für Warmwasser rauszurechnen oder ist das Aufwand ohne Nutzen?
Ich habe eine Luft-Wasser-WP seit knapp 3 Jahren laufen und will einfach sehen ob die Anlage effizienter wird oder nicht. Bin kein Techniker aber lerne gern dazu. Danke schon mal!
Ich nutz dafür seit ein paar Jahren die Tabelle vom BDEW, die veröffentlichen jährlich Klimakorrekturfaktoren für verschiedene Wetterstationen in Deutschland. Ist vielleicht einfacher als selbst die DWD-Rohdaten aufzubereiten wenn man kein Excel-Profi ist.
Einfach nach 'BDEW Klimakorrekturfaktor' suchen, da findet man PDFs mit fertigen Korrekturfaktoren. Dann multiplizierst du deinen Jahresverbrauch mit dem Faktor und bekommst einen auf ein Normjahr bereinigten Wert. Funktioniert gut für Heizöl und Gas, sollte aber für WP-Strom genauso funktionieren – der Heizbedarf ist ja derselbe.
Einfachste Lösung: heiztage.de – da kannst du Standort eingeben und bekommst Heizgradtage pro Heizjahr direkt angezeigt. Fertig, ohne DWD-CSV-Gefummel. Für den Eigenbedarf völlig ausreichend.
Dem Stefan kann ich nur zustimmen, das ist ein wichtiger Punkt. Ich beschäftige mich schon länger mit Heizlastberechnungen (hatte dazu auch was im Thread Heizlastberechnung 2026: Welche Software ist aktuell empfehlenswert?) und die Gradtagzahl ist letztlich nur eine stark vereinfachte Näherung.
Für Kassel konkret: Die nächste DWD-Station wäre Kassel-Calden oder direkt Kassel. Die Klimadaten kann man als CSV runterladen. Ich würde die Tagesmitteltemperaturen selbst aufsummieren statt fertige GTZ-Tabellen zu nehmen – dann hast du genau die Werte für dein Heizjahr und nicht für das Kalenderjahr, was oft auseinanderläuft.
Deine dritte Frage zum Warmwasser: Wenn du keinen separaten WMZ für Warmwasser hast, würde ich es erstmal weglassen. Einen Schätzwert einzubauen bringt mehr Unschärfe als es beseitigt.
Kleiner Tipp noch dazu: Gerade jetzt im Sommer kannst du ja schön in Ruhe die Daten aufbereiten ohne dass irgendwas drängt. Ich mach das immer so gegen Juli wenn ich weiß das Heizjahr ist abgeschlossen und ich hab Muße dafür.
Zur Methode selbst – ich seh das etwas anders als L.Fischer oben was die BDEW-Faktoren angeht. Die sind für leitungsgebundene Energieträger entwickelt worden und beziehen sich auf bundesweite Durchschnittswerte je Region. Wenn dein konkreter Standort in einer Tallage oder auf einer Höhe liegt die vom regionalen Durchschnitt abweicht, passt das nicht optimal. Mit den lokalen DWD-Daten bist du da genauer.