Hallo zusammen,
wir haben seit letztem Herbst eine Luft-Wasser-Wärmepumpe und ich bin grade dabei, die Einstellungen besser zu verstehen. Mein Mann und ich sind viel zuhause (ich arbeite teilweise im Homeoffice), da fällt uns auf, dass die Warmwasserbereitung manchmal den Heizkreis komplett blockiert – also der Warmwasservorrang greift und die Heizung macht kurzzeitig Pause.
Im Winter war das kaum ein Problem, aber jetzt im Juli frage ich mich generell, ob diese Einstellung überhaupt Sinn macht. Aktuell läuft ja keine aktive Heizung, ich nutze die WP nur für Warmwasser. Aber im Herbst wenn's wieder losgeht: lohnt es sich, den Vorrang zu deaktivieren oder wenigstens zu begrenzen?
Ich hab irgendwo gelesen, dass es ohne Warmwasservorrang passieren kann, dass das WW nie wirklich warm genug wird weil die Heizung immer dazwischenfunkt. Andererseits hab ich auch gelesen dass moderne Regler das ganz gut hinkriegen ohne strikte Vorrangregelung.
Was sind eure Erfahrungen? Habt ihr den Vorrang begrenzt (z.B. auf max. 30 Minuten) oder komplett deaktiviert? Und hat das wirklich spürbare Auswirkungen auf den Komfort oder die Effizienz? Ich will eigentlich beides: zuverlässig warmes Wasser UND dass die Heizkörper nicht kalt bleiben wenn morgens alle gleichzeitig duschen.
Danke schon mal!
Lisa
Wie ThermoDirk oben schreibt, ist ein zeitliches Limit der pragmatische Mittelweg. Ich möchte aber noch einen anderen Aspekt einwerfen: Die Frage ob Vorrang oder nicht hängt auch stark von der Speichergröße ab. Wenn der Pufferspeicher für die Heizung und der WW-Speicher hydraulisch ordentlich getrennt sind, spielt der Vorrang eine viel kleinere Rolle als bei einer Anlage wo alles über einen gemeinsamen Puffer läuft.
Ich hab das bei meiner eigenen Planung ausführlich diskutiert – das Thema Hydraulik ist oft entscheidender als die reine Reglereinstellung. Wer einen gut dimensionierten WW-Speicher hat (mind. 200 Liter für eine Familie), der einmal täglich aufgeladen wird, hat mit Vorrang-Aussetzern tagsüber quasi keine Probleme mehr.
Für den Herbst würde ich folgendes empfehlen: Vorrang aktiviert lassen, aber auf 30-60 Minuten deckeln, und die Ladezeit morgens früh legen bevor der Heizbedarf hochläuft. Das klappt in der Praxis sehr zuverlässig.
Kurz gesagt: Der Warmwasservorrang ist bei den meisten Anlagen sinnvoll, aber ein zeitliches Limit ist in der Regel eine gute Idee. Komplett deaktivieren würde ich nicht empfehlen, denn dann kann es tatsächlich passieren, dass die WP im parallelen Betrieb weder WW noch Heizung richtig bedient – beide Kreise laufen dann auf einem suboptimalen Niveau.
Bei mir läuft der Vorrang auf maximal 45 Minuten begrenzt, danach schaltet die Anlage zurück auf Heizung falls nötig. Im Ergebnis ist das WW morgens immer auf Temperatur, und die Heizkörper kühlen in dieser Zeit kaum merklich ab – zumindest bei normaler Gebäudedämmung.
Ein Zeitfenster für die WW-Bereitung hilft zusätzlich: Ich lade nachts zwischen 2 und 5 Uhr auf, da ist die Außentemperatur kühler (also bessere Effizienz) und tagsüber greift die Ladung kaum noch. Im Sommer wie jetzt macht das natürlich noch mehr Sinn, weil man den Heizkreis komplett raus lassen kann.
Welche Wärmepumpe hast du genau und was für ein Regler? Die Einstellmöglichkeiten unterscheiden sich da teils erheblich.
Komplett deaktivieren halte ich für keine gute Idee, da stimme ich den anderen zu. Aber ich seh das mit dem Zeitlimit etwas differenzierter: Bei schlecht gedämmten Häusern kann auch eine kurze Unterbrechung von 30-40 Minuten im Winter spürbar sein, wenn z.B. Fußbodenheizung mit träger Masse verbaut ist. Da kühlt sich der Estrich natürlich kaum ab, aber bei Radiatoren merkts man schneller.