Hallo zusammen,
wir stehen gerade vor einer Entscheidung und ich hoffe hier auf etwas Erfahrung aus der Praxis. Unser Haus ist aktuell ans Fernwärmenetz angeschlossen, aber der Versorger hat die Preise jetzt wieder nach oben angepasst – das dritte Mal in zwei Jahren. Deshalb denken wir ernsthaft über einen Umstieg auf eine Luft-Wasser-Wärmepumpe nach.
Mich interessiert aber weniger der reine Kostenvergleich (den hab ich anderswo schon durchgekaut), sondern wirklich die Frage nach dem Energiemanagement im Vergleich. Also: Wie flexibel ist Fernwärme eigentlich, wenn es ums aktive Steuern geht? Unsere Übergabestation hat eine Regelung, aber die macht eigentlich nur, was der Versorger vorgibt. Ich kann da nicht viel selbst eingreifen – kein smartes Last-Management, kein Anpassen an PV-Überschuss, nichts.
Mit einer eigenen WP hätte ich theoretisch deutlich mehr Kontrolle, oder? Im Sommer nutzen wir die Anlage ja fast nur noch für Warmwasser, und da frage ich mich, ob man das gezielt mit PV-Strom steuern kann – wir haben 9,8 kWp auf dem Dach.
Gibt es hier Leute, die genau diesen Wechsel gemacht haben und berichten können, wie das Energiemanagement danach ausgesehen hat? Was habt ihr konkret gewonnen (oder verloren) an Flexibilität?
Danke schon mal!
Ich seh das ein bisschen anders als R.Hoffmann80 – nicht falsch, aber ich würde den Vorteil der WP nicht zu stark überhöhen. Gerade im Sommer mit reiner WW-Bereitung ist der Mehrwert vom aktiven Energiemanagement real, aber der Aufwand, das wirklich sauber hinzubekommen, ist auch nicht zu unterschätzen.
Ich hab mich intensiv mit Prognose-Regelung beschäftigt (wer mag, kann im Thread zur Prognose-Regelung nachlesen) – da zeigt sich immer wieder: Die Theorie ist schön, die Praxis hängt stark an der konkreten Umsetzung und an der Software.
Zur eigentlichen Frage: Fernwärme ist für Energiemanagement tatsächlich eine Blackbox, da hast du recht. Mit WP gewinnst du Autonomie, aber du trägst dann auch die Verantwortung für Optimierung selbst. Wenn du bereit bist, da etwas Zeit reinzustecken, lohnt sich der Wechsel für dein Profil (viel PV, wenig Heizbedarf Sommer) wahrscheinlich. Wenn du einfach warmes Wasser haben willst ohne Nachdenken – Fernwärme ist halt stressfrei.
Der Punkt mit der fehlenden Steuerbarkeit bei Fernwärme ist absolut berechtigt. Ich hab mich damit auch mal beschäftigt, als ich verschiedene Systeme verglichen hab – bei Fernwärme bist du letztlich Konsument, kein aktiver Teilnehmer. Die Übergabestation nimmt, was reinkommt, und das war's.
Mit einer eigenen WP, gerade Luft-Wasser, hast du da grundlegend mehr Möglichkeiten. Ich hab bei mir (Luft-Luft-Thema war anders gelagert, hab das im Multisplit-Thread schon erwähnt) gemerkt, dass alleine die SG-Ready-Schnittstelle viel ausmacht. Damit kannst du der WP gezielt sagen: jetzt läufst du, weil PV-Überschuss da ist.
Für deinen Fall mit 9,8 kWp würde ich aber konkret schauen, ob deine WP-Kandidaten ein ordentliches SG-Ready oder sogar Modbus haben. Nur SG-Ready ist oft etwas grob – zwei Schaltzustände mehr oder weniger. Modbus gibt dir feingranulare Steuerung, die du für sauberes PV-Überschussladen im Sommer wirklich brauchst. Vor allem wenn du im Sommer eh fast nur WW machst, reicht oft schon ein kurzes Tageslauf-Fenster um die Mittagszeit.