Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade etwas intensiver damit, wie ich meine Wärmepumpe intelligent vorausschauend regeln kann. Bin über verschiedene Artikel gestolpert, die behaupten, dass moderne Systeme mit Wetterprognose-Daten und KI-gestützter Steuerung deutlich effizienter laufen als klassische Außentemperatur-geführte Regelungen.
Konkret geht es mir darum: Es gibt ja mittlerweile Lösungen, die z.B. 48h-Vorhersagedaten von Wetterdiensten nutzen und daraus berechnen, wann die WP am günstigsten vorheizt oder in welchen Zeitfenstern der Betrieb am effizientesten ist. Manche kombinieren das auch noch mit dynamischen Stromtarifen.
Meine Frage ist: Hat das jemand von euch im echten Betrieb laufen? Und lohnt sich der Aufwand wirklich, oder ist das hauptsächlich Marketing? Gerade jetzt im Sommer, wo ich eh wenig Heizbedarf habe, überlege ich, ob ich die Zeit nutze um das einzurichten – bevor der Herbst kommt und es wieder ernst wird.
Meine Anlage ist eine Luft-Wasser-WP von 2023, Baujahr Haus 2019, gut gedämmt. Die Standard-Heizkurve läuft bisher problemlos, aber ich hab das Gefühl, dass da noch Potenzial liegt. Würde mich über konkrete Erfahrungsberichte freuen, nicht über Hochglanzprospekte 😄
Danke schon mal
Thorsten
Ich seh das etwas anders als Klaus oben. Bei meinem KfW40-Neubau hab ich genau das laufen – Prognose-Regelung über einen Drittanbieter-Dienst der sich per API mit der WP verbindet. Einrichtung war ehrlich gesagt nicht trivial, ich hab dabei auch nochmal meinen Heizungsbauer hinzugezogen.
Das Ergebnis: Im letzten Winter etwa 8-11% weniger Stromverbrauch gegenüber dem Vorjahr mit klassischer Regelung. Wobei ich zugeben muss, der Vergleich ist nicht perfekt weil der Winter 2025/26 auch milder war.
Was mich aber wirklich überzeugt hat: Das System hat mehrfach 'vorgewärmt' bevor Kaltlufteinbrüche kamen, und die Innentemperatur blieb deutlich stabiler als vorher. Das merkt man im Wohnkomfort schon.
Für den Sommer: Wenn du sowieso Urlaub planst, lohnt es sich die Abwesenheits-Logik ordentlich einzustellen. Manche Prognose-Systeme können das auch berücksichtigen – Haus auf Mindesttemperatur halten, aber sparsam.
Die Frage kenne ich gut – hab mich damit auch schon beschäftigt, gerade im Zusammenhang mit PV-Überschusssteuerung (dazu hab ich hier mal was geschrieben). Das Thema Wetterprognose-Regelung ist nochmal eine Stufe komplexer.
Kurz meine Einschätzung nach einem guten halben Jahr Erfahrung: Es bringt tatsächlich etwas, aber der Effekt ist kleiner als die Hersteller versprechen. Bei einem gut gedämmten Haus wie deinem (Neubau 2019) ist die Wärmeträgheit ohnehin schon hoch – da ist der Vorteil einer 48h-Vorausschau eher moderat. Das Gebäude reagiert sowieso träge.
Wo es wirklich Sinn macht, ist die Kombination mit dynamischen Stromtarifen. Wenn die Regelung weiß, dass morgen früh Strom günstig ist und gleichzeitig kälter wird, kann sie gezielt vorladen. Das ist echter Mehrwert. Reine Wetterprognose ohne Tarifanbindung – da würde ich den Aufwand eher gering halten.
Technisch: Viele der Lösungen laufen über externe Gateways oder Home-Assistant-Setups. Fertige Plug-and-Play-Lösungen direkt vom WP-Hersteller sind in meiner Erfahrung noch nicht wirklich ausgereift.
Ich bin da ehrlich gesagt skeptisch. 8-11% Einsparung klingt nett, aber das lässt sich bei einem Einfamilienhaus kaum sauber messen ohne einen gleichwertigen Referenzwinter. Wetter, Nutzerverhalten, alles spielt rein. Ich würde solche Zahlen mit Vorsicht genießen.