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PV-Anlage im Neubau: Wärmepumpe tagsüber priorisieren – wie geht ihr das an?

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Tobias-Wenzel
Beiträge: 9
Themenstarter
(@tobias-wenzel)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten
[#120]

Hallo zusammen,

wir bauen gerade unser erstes Haus und ich versuche gerade zu verstehen, wie man PV und Wärmepumpe im Alltag sinnvoll zusammenbringt – speziell was die Steuerung im laufenden Betrieb angeht.

Meine Situation: Wir planen eine Luft-Wasser-Wärmepumpe (noch kein Hersteller fix) und dazu eine PV-Anlage mit wahrscheinlich 10-12 kWp. Jetzt ist ja gerade Sommer und ich lese überall, dass man die Wärmepumpe tagsüber bevorzugt laufen lassen soll, wenn die PV produziert. Klingt logisch, aber wie funktioniert das konkret?

Mein Verständnisproblem: Die WP heizt ja im Sommer kaum – wozu soll sie dann tagsüber laufen? Warmwasser wäre eine Antwort, aber reicht das als Argument, die WP gezielt in den PV-Produktionszeitraum zu schieben? Und was passiert, wenn der Pufferspeicher voll ist – läuft die WP dann einfach nicht, obwohl PV-Strom da wäre?

Ich frage mich außerdem, ob man das ohne irgendein Energiemanagementsystem (EMS) überhaupt vernünftig hinbekommt oder ob das Pflichtprogramm ist beim Neubau. Unser Elektriker hat bisher noch nichts davon erwähnt, was mich ein bisschen beunruhigt.

Bin für jeden Erfahrungsbericht dankbar – gerade weil wir noch in der Planungsphase sind und solche Dinge noch beeinflussen können. Was hättet ihr im Nachhinein anders gemacht?


4 Antworten
SkeptikJAZ42
Beiträge: 51
(@skeptikjaz42)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten

Ich sag's mal direkt: was Hersteller und Planungstools dir an PV-Eigenverbrauchsquoten versprechen, kannst du erstmal vergessen bis du echte Messwerte hast.

Konkret zu deiner Frage: der Ansatz mit dem Warmwasserspeicher als thermischen Puffer funktioniert in der Praxis, aber der Effekt wird oft überschätzt. Ein typischer 200-300L Speicher schluckt bei einer Aufheizung von 45 auf 60 Grad vielleicht 2-3 kWh. Das ist an einem sonnigen Julitag ein Bruchteil dessen, was deine PV produziert. Den Rest speist du ein oder verschwendest ihn, wenn kein Speicher da ist.

Ohne Wärmemengenzähler wirst du das alles eh nur schätzen. Ich messe seit Jahren selbst und kann nur sagen: die Lücke zwischen Prospekt und Realität ist meistens zweistellig in Prozent. Nicht dramatisch, aber relevant wenns ums Geld geht. EMS kann helfen, aber auch ein EMS optimiert nur das, was physikalisch möglich ist – wunder erwarte nicht.


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TechNik_96
Beiträge: 38
(@technik_96)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten

Ich bin auch noch relativ neu in dem Thema aber genau die Frage mit dem EMS beschäftigt mich gerade auch total. Hast du schon geschaut ob deine WP eine eigene App mitbringt die sowas kann? Manche Hersteller haben das inzwischen eingebaut, hab mir das mal im Thread zu App-Steuerung und Kühlung angeschaut. Da geht einiges, aber die Integration mit dem Wechselrichter ist oft noch hakelig je nach Kombi.


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Marcus-Weinberg
Beiträge: 0
(@marcus-weinberg)
New Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Ich arbeite zwar hauptsächlich mit Bestandsgebäuden, aber die Grundfrage stellt sich dort genauso.

Was du beschreibst ist im Grunde das Kernproblem: PV-Anlage produziert mittags, WP hat aber im Sommer schlicht keinen Heizbedarf. Da bleibt als thermische Senke wirklich nur das Warmwasser – und die hat eben eine natürliche Kapazitätsgrenze.

Ein EMS ist meiner Meinung nach beim Neubau kein Luxus sondern Pflicht, wenn man PV und WP zusammen betreibt. Ohne das tappst du im Dunkeln was den tatsächlichen Eigenverbrauch angeht. Im Altbau ist die Nachrüstung eine Fummelei, bei euch ist das noch sauber planbar. Ich würde mindestens einen Energiezähler pro Verbraucher einplanen, damit man später überhaupt nachvollziehen kann, was wirklich passiert. Bauchgefühl oder Herstellerversprechen reichen da nicht – hab ich in meinen Vergleichen LW vs. Sole oft genug gesehen.


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S.Richter
Beiträge: 68
(@s-richter)
Estimable Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten

Die Frage ist absolut berechtigt und du fragst genau zum richtigen Zeitpunkt, nämlich bevor alles verbaut ist.

Kurze Antwort: Im Sommer ist die WP für Warmwasser tatsächlich der einzige sinnvolle PV-Verbraucher – Heizung brauchst du ja kaum. Und ja, wenn der Pufferspeicher (Warmwasser) seine Zieltemperatur erreicht hat, schaltet die WP ab, egal ob noch PV-Strom da ist. Das ist das klassische Problem.

Ohne irgendeine Form von SG-Ready-Anbindung oder EMS wirst du da wenig ausrichten können. Bei meiner Anlage läuft das über SG-Ready, womit ich der WP im PV-Überschuss signalisiere, den Warmwasserspeicher höher aufzuladen als normal – quasi als thermischen Puffer für den Abend. Das funktioniert im Sommer ganz ordentlich. Zu den Details hab ich übrigens auch mal was im Thread zu Sommer-Kühlbetrieb per WP geschrieben, falls dich der Aspekt auch interessiert.

Mein Tipp: Achte beim WP-Kauf darauf, dass SG-Ready mit den zwei Kontakten sauber implementiert ist – nicht alle Hersteller machen das gleich gut. Und mit deinem Elektriker würde ich das Thema wirklich nochmal ansprechen, bevor die Leitungen verlegt sind.


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