Hallo zusammen,
wir sitzen hier gerade mitten in der Urlaubsplanung und eigentlich wollte ich das Thema erst im Herbst angehen – aber jetzt hat uns der Energieberater quasi einen Strich durch die Rechnung gemacht und ich komme nicht mehr zur Ruhe.
Kurze Vorgeschichte: Wir haben ein Einfamilienhaus Baujahr 1978, Heizkörper überall, aktuell noch Öl. Der Installateur hat uns eine Luft-Wasser-Wärmepumpe empfohlen und auch direkt beim BAFA einen Förderantrag gestellt. Jetzt kam die Ablehnung mit der Begründung, dass unsere notwendige Vorlauftemperatur von 65-70°C nicht mit den Fördervoraussetzungen vereinbar sei. Der Energieberater hat das in seinen Unterlagen offenbar so eingetragen – ob das so stimmt oder ob der das nur pauschal gemacht hat, weiß ich nicht.
Meine Fragen:
1. Ist eine Ablehnung wegen zu hoher Vorlauftemperatur wirklich endgültig oder kann man da etwas korrigieren?
2. Muss man tatsächlich alle Heizkörper tauschen, bevor man förderungsfähig wird?
3. Gibt es die Möglichkeit, die Heizlastberechnung nochmal neu machen zu lassen und dann einen neuen Antrag zu stellen?
Wir reden hier von knapp 12.000€ Förderung, das ist kein Pappenstiel. Ich wäre für jeden Hinweis dankbar. Wie habt ihr das gelöst oder kennt jemand ähnliche Fälle?
Das Thema kenn ich leider gut – ich hab mich da selbst lange durchgekämpft. Die kurze Antwort: Nein, das ist nicht automatisch endgültig, aber es ist auch kein Selbstläufer.
Das Problem liegt meistens nicht an der Wärmepumpe selbst, sondern daran, was der Energieberater in die Unterlagen einträgt. Wenn er 65-70°C als Auslegungstemperatur eingetragen hat, dann ist das für die BAFA ein klares K.O.-Kriterium, weil förderungsfähige WPs eben nur bis 55°C (mit Ausnahmen) anerkannt werden.
Was du tun kannst: Lass eine neue, ordentliche Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 machen – von einem anderen Energieberater. Oft stellt sich dabei raus, dass die alten Heizkörper bei korrekter Berechnung auch mit niedrigeren Vorlauftemperaturen auskommen, zumindest wenn man ein paar tauscht oder die Pumpenleistung anpasst. Ich hab dazu auch mal was im Thread über schrittweise Temperaturabsenkung geschrieben – da gibts ne Menge Praxiserfahrung.
Für einen komplett neuen Antrag brauchst du auf jeden Fall einen neuen iSFP oder zumindest ne aktualisierte Bestätigung. Kosten für den zweiten Berater nicht vergessen einzuplanen.
12.000€ Förderung sind definitiv kämpfenswert. Aber ohne geprüfte Heizlastberechnung würd ich keinen neuen Antrag stellen – das kann nach hinten losgehen wenn die BAFA nachprüft.
Ich sehe das ein bisschen anders als Marc oben. Natürlich kann man einen neuen Antrag stellen, aber ich würde erstmal nicht einfach einen anderen Energieberater suchen der dir das "schönrechnet". Das klingt hart, aber genau das ist ein häufiges Problem in dieser Branche.
Die Frage ist doch: Stimmt die 65-70°C als tatsächliche Auslegungstemperatur oder nicht? Wenn dein Haus das wirklich braucht – also wenn die Heizkörper zu klein für niedrigere Temperaturen sind – dann nützt eine neue Berechnung gar nichts, weil das System in der Praxis trotzdem nicht funktioniert oder die WP dauerhaft mit dem Heizstab läuft. Das wäre dann auch ein Betrugsrisiko bei der Förderung.
Mein Rat: Lass erstmal eine ehrliche hydraulische Analyse machen. Wenn sich dabei zeigt, dass du mit Pufferspeicher, Heizkörpertausch in 2-3 Räumen und optimierter Auslegung auf 55°C runterkommst, prima. Dann neuer Antrag. Aber wenn das Haus wirklich 70°C braucht, solltest du dir das vorher sehr genau überlegen – technisch und rechtlich.
Ich hab Ähnliches beim Thema Erdwärme erlebt, da ist die Ausgangslage oft sogar noch komplizierter.