Moin zusammen,
jetzt wo die Heizperiode seit Monaten vorbei ist, läuft meine LWW-Wärmepumpe praktisch nur noch für die Warmwasserbereitung. Ich tracke ja seit Einzug 2022 monatlich den Stromverbrauch und berechne mir die JAZ fortlaufend – aber im Sommer stellt mich das ehrlich gesagt vor ein Auswertungsproblem, das ich bisher noch nicht wirklich sauber gelöst habe.
Konkret: Im Juli speist sich meine Jahresarbeitszahl fast ausschließlich aus der WW-Bereitung, da Heizung quasi null läuft. Zähle ich den Sommer-COP für Warmwasser trotzdem in meine Gesamt-JAZ mit rein, oder führe ich eine separate WW-COP-Auswertung? Bei mir liegt der Warmwasser-COP im Sommer deutlich höher (gefühlt 3,5–4,2 je nach Außentemperatur), was natürlich die Jahresbilanz schönrechnet, wenn man nicht aufpasst.
Außerdem: Nutzt ihr irgendeinen fixen Korrekturfaktor oder eine Normierungsmethode, um Sommer- und Wintermonate vergleichbar zu machen? Ich hab mal kurz mit Gradtagzahlen experimentiert, aber das fühlt sich für den reinen WW-Betrieb komisch an.
Wäre super wenn ihr eure Methode kurz beschreibt – wie trennt ihr Heizenergie und WW in der Auswertung, und welches Tool oder welche Tabelle nutzt ihr dafür? Excel, eigenes Skript, App?
Danke schon mal!
Thomas
Thomas, das ist ein Punkt der in der Praxis leider oft schlampig gehandhabt wird. Aus Auslegungssicht muss man klar unterscheiden: Die JAZ nach DIN EN 14825 bzw. die saisonale Raumheizungs-Energieeffizienz (ηs) bezieht sich ausdrücklich nur auf die Raumheizfunktion – Warmwasser ist eine separate Systemgröße und darf nicht einfach eingerechnet werden wenn man normkonform arbeiten will.
Im Sommer mit Außentemperaturen von 25–35°C hast du bei der Wärmequelle Luft natürlich hervorragende Bedingungen für die WW-Bereitung, COP-Werte von 4 und mehr sind da völlig plausibel und kein Fehler in deiner Messung.
Mein Rat: Führe drei Kennwerte – Heizungs-JAZ (Okt–Apr), WW-Jahres-COP (ganzjährig), und eine kombinierte Systemeffizienz als Information, aber nicht als Optimierungsgrundlage. Gradtagzahlen passen wirklich nur für Heizung, für WW ist die Korrelation zur Außentemperatur eine andere Kurve. Das sollte man sauber trennen.
Gute Frage, beschäftigt mich als Planer auch schon im Vorfeld. Ich hab bei meiner Recherche gesehen, dass viele Hersteller gar keine saubere Trennung zwischen Heiz-COP und WW-COP in der Geräteanzeige anbieten – das ist eigentlich ein Unding wenn man die Anlage wirklich optimieren will.
Ich hatte das Thema auch mal kurz in meinem Solarthermie-Thread angerissen – da geht es ja genau darum, ob WW-Anteil separat bewertet werden sollte wenn man eine Kombilösung plant.
Wenn ich dich richtig verstehe willst du eigentlich zwei KPIs: einmal den reinen Heizungs-JAZ für die Heizperiode, und einmal einen WW-JAZ ganzjährig. Das würde ich auch so führen, klingt am saubersten. Hast du am WW-Kreis einen separaten Wärmemengenzähler verbaut?
Ich trenne da klar: Die "offizielle" JAZ nach VDI 4650 oder ähnlichem schließt Warmwasser eigentlich ein, aber dann vergleichst du Äpfel mit Birnen wenn du Jahr für Jahr schaust. Mein Tipp – und das sagen viele Hersteller nicht so deutlich – ist, grundsätzlich zwei separate Zähler zu haben, einen am WW-Wärmetauscher und einen am Heizkreis. Ohne das bleibt jede Auswertung Schätzarbeit.
Was ich außerdem kritisch sehe: Gerade im Sommer, wenn die Außentemperatur 30°C hat, sieht der WW-COP natürlich super aus. Das verleitet dazu die Anlage insgesamt rosiger zu rechnen als sie im Winter wirklich war. Ich hab schon Threads gesehen wo Leute stolz auf JAZ 4,0+ waren und beim Nachfragen kam raus dass der Sommer-WW-Anteil 40% der Jahresenergie ausgemacht hat. Das ist dann kein Heizungseffizienz-Wert mehr.
Kurz: Trenn die Werte, führ beide separat, und miss im Winter nochmal nach. Dann hast du belastbare Zahlen.
Ich steh da noch ganz am Anfang (Anlage kommt erst), aber das interessiert mich trotzdem sehr weil ich das direkt von Anfang an richtig aufsetzen will. Hab mir fürs Monitoring schon einen Shelly Pro 3EM für den WP-Stromzähler vorgesehen und überlege ob ich das per Home Assistant automatisch getrennt loggen kann – also Heizpumpe vs. WW-Programm per Zeitstempel auseinanderhalten.
Ist das realistisch oder braucht man wirklich zwingend einen zweiten Wärmemengenzähler am WW-Kreis? Wäre dankbar für euren Input, ihr habt ja schon echte Messdaten.