Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit ein paar Wochen intensiv mit dem Thema Wärmepumpe und überlege ob das bei uns überhaupt Sinn macht. Wir haben ein Haus aus den 70ern, komplett mit alten Heizkörpern, keine Fußbodenheizung. Die Heizkörper laufen aktuell noch mit einer alten Gasheizung auf relativ hohen Vorlauftemperaturen – ich schätze so 65–70°C wenn's richtig kalt ist.
Jetzt lese ich überall dass Wärmepumpen am effizientesten mit niedrigen Vorlauftemperaturen laufen, also idealerweise Fußbodenheizung. Aber das komplette Haus aufzureißen für Fußbodenheizung? Das ist finanziell und vom Aufwand her eigentlich undenkbar.
Fragen die mich beschäftigen:
- Kann eine Wärmepumpe überhaupt mit unseren alten Heizkörpern funktionieren?
- Müsste man zwingend alle Heizkörper tauschen oder reicht es vllt manche zu ergänzen/vergrößern?
- Macht das wirtschaftlich überhaupt Sinn wenn der COP dann deutlich schlechter wird?
Sommerzeit ist ja eigentlich die beste Zeit für solche Planungen bevor der nächste Winter kommt. Unser Heizungsbauer meinte nur knapp "geht schon irgendwie" ohne weitere Erklärung, das hat mir nicht wirklich geholfen.
Falls jemand das selbst gemacht hat oder konkrete Erfahrungen hat würde ich mich über ehrliche Einschätzungen freuen. Auch kritische!
Grüße, L.Weber
Kurz und direkt: Geht, hab ich selbst gemacht. Altbau 1968, Plattenheizkörper, keine FBH. Läuft seit zwei Wintern problemlos mit 52°C Vorlauf. Aber: Zwei Heizkörper mussten raus und größere rein, das hat nochmal extra gekostet und Zeit gebraucht. Die Inbetriebnahme war auch nicht trivial – da gibt's einiges zu prüfen damit das System ordentlich einreguliert ist. Also machbar, aber nicht mal eben schnell erledigt.
Ich seh das etwas differenzierter als die Vorredner. Klar geht es technisch – aber die Frage ist was es dich am Ende wirklich kostet und ob sich das rechnet.
Ich hab mir das für unser Haus durchgerechnet (ebenfalls 70er-Jahre-Bau) und dabei Luft-Wasser gegen Sole-WP verglichen. Bei hohen Vorlauftemperaturen leidet der JAZ stark, gerade im Winter wenn's draußen kalt ist und du gleichzeitig hohe Vorlauftemp brauchst. Das kann dazu führen dass der Effizienzgewinn gegenüber einer modernen Gasheizung kleiner ist als gedacht.
Mein Fazit nach langer Rechnerei: Es lohnt sich wirtschaftlich deutlich mehr wenn man vorher wenigstens die schlimmsten Wärmebrücken und die Dämmung der obersten Geschossdecke angegangen ist. Das kostet oft wenig und senkt die notwendige Vorlauftemperatur spürbar.
Ohne zumindest eine grobe Heizlastberechnung und einen Heizkörper-Hydraulikabgleich würde ich die Entscheidung nicht treffen. Dein Heizungsbauer klingt nicht wie jemand der das sauber durchplant.
Was HelmutK zu Vorlauftemperaturen und Effizienz schreiben würde... ich kenn das Thema aus einem anderen Thread gut: Heizkörper mit 70°C Vorlauf - welche WP schafft diese Temperaturen? – da hab ich auch mitgeschrieben.
Kurz meine Einschätzung nach Jahren mit dem Thema: 70°C Vorlauf und Wärmepumpe ist eine sehr schlechte Kombination. Da frißt der Kompressor Strom ohne Ende und der COP sackt auf 1,5 oder schlechter. Das ist dann nur noch teurer Direktstrom mit Umweg.
Aber die entscheidende Frage ist: Brauchst du wirklich 70°C? Oder läuft die Anlage gerade auf 70°C weil die Gasheizung nie richtig eingestellt wurde? In vielen Altbauten stellt sich bei einer ehrlichen Heizlastberechnung heraus dass 55–58°C an den kältesten Tagen reichen würden – mit ggf. einzelnen Heizkörpertauschen. Das macht den Unterschied. Also erst messen und rechnen, dann entscheiden.
Das Thema kenne ich gut – ich hab mich da auch lange durchgekämpft bevor ich Angebote verglichen hab. Kurz zur Kernfrage: Ja, es geht, aber mit Einschränkungen die man kennen muss.
Das entscheidende Stichwort ist Heizlastberechnung. Wenn du weißt wie viel Wärme jeder Raum wirklich braucht, kannst du berechnen ob deine Heizkörper bei 50–55°C Vorlauf noch ausreichend Leistung bringen. Oft sind Altbau-Heizkörper nämlich deutlich überdimensioniert worden – die Installateure haben früher gerne Puffer eingebaut. Das kann dir jetzt zugutekommen.
Nicht alle Heizkörper müssen zwingend getauscht werden. Oft reicht es die kritischen Räume (Wohnzimmer, Schlafzimmer) mit größeren Heizkörpern nachzurüsten. Ich hab das in einem anderen Thread schon mal angesprochen: Angebote unterscheiden sich da enorm was an Zusatzkosten dranhängt – Welche Kostenpositionen fehlen in Angeboten häufig komplett? – da wird Heizkörpertausch gerne weggelassen im ersten Angebot.
Dein Heizungsbauer mit dem "geht schon irgendwie" ist ein Warnsignal. Ohne Heizlastberechnung nach DIN 12831 würde ich nichts unterschreiben.