Hallo zusammen,
ich bin seit letztem Herbst stolzer Besitzer einer Luft-Wasser-Wärmepumpe (10 kW, Daikin Altherma) und habe seit April dieses Jahres auch eine PV-Anlage mit 12 kWp auf dem Dach. Beides läuft soweit gut, aber ich habe das Gefühl, dass ich das Potenzial der Kombination noch nicht wirklich ausschöpfe.
Aktuell speise ich im Sommer einen Großteil des PV-Stroms ins Netz ein, weil die Wärmepumpe ja kaum läuft – kein Heizbedarf. Warmwasser läuft noch, aber das ist ja auch nur ein Bruchteil des Verbrauchs. Meine Frage: Macht es Sinn, die WP im Sommer gezielt zum Kühlen zu nutzen, um mehr Eigenverbrauch rauszuholen? Ich hab eine aktive Kühlfunktion, die ich bisher noch nie aktiviert habe. Außerdem überlege ich, ob ein Pufferspeicher Sinn ergibt, um den Warmwasserbedarf noch stärker auf die Mittagsstunden zu verschieben.
Wir fahren im Juli drei Wochen in den Urlaub – da wird die Anlage komplett allein laufen müssen. Macht ihr da irgendwas Besonderes, Ferienmodus oder so?
Hat jemand Erfahrung damit, wie man das System wirklich gut aufeinander abstimmt? Am liebsten ohne teure Energiemanagementsystem-Lösung, wenn das geht. Ich bastle gern selbst, aber bin kein Elektriker.
Danke schon mal!
Kurz und knapp: SG-Ready ist dein Freund. Wenn deine Daikin den SG-Ready-Eingang hat (sollte sie bei Baujahr ab ca. 2022), kannst du darüber sehr einfach signalisieren wann PV-Überschuss vorhanden ist, und die WP läuft dann bevorzugt. Das ist genau für euren Anwendungsfall gebaut worden.
Ich hab mich mit dem Thema Jahresstromverbrauch bei WP schon länger beschäftigt (siehe auch meine Beiträge hier zum Thema Erwartungswerte) und kann sagen: Die Kombination PV+WP rechnet sich im Sommer vor allem übers Warmwasser.
Wenn du deinen Warmwasserspeicher von sagen wir 55°C auf 65-70°C hochheizt zur Mittagszeit, hast du quasi thermischen Stromspeicher. Das ist oft sinnvoller als ein teurer Batteriespeicher. Der Wärmeverlust über den Tag ist gering wenn der Speicher gut gedämmt ist.
Beim Thema Kühlung bin ich ehrlich gesagt etwas skeptischer als KlausHermann25 oben. Hängt stark von eurem Haus ab – bei gut gedämmtem Neubau kann aktive Kühlung die Feuchtigkeit im Haus hochbringen wenn man nicht aufpasst (Taupunkt!). Lieber erst mal mit der passiven Kühlung (falls eure Anlage das hat) anfangen.
Für den Urlaub: Ferienmodus aktivieren, Warmwasser auf Minimum, aber wie gesagt Legionellenschutz läuft lassen. Hatte letztes Jahr drei Wochen weg, lief problemlos durch.
Das Thema kenne ich gut, hab mich da auch schon intensiv reingefuchst – unter anderem wegen meiner eigenen Anlage, wo ich auch immer versuche, möglichst viel selbst zu machen (und dabei manchmal auf interessante rechtliche Fragen stoße, wie zuletzt hier beim Thema Eigenwartung).
Zur Kühlung: Ja, das macht absolut Sinn, gerade wenn ihr sowieso PV-Überschuss habt. Die aktive Kühlung verbraucht bei modernen Inverter-WPs recht wenig Strom, weil die Temperaturdifferenz zwischen Sole/Luft und Raumtemperatur im Sommer gering ist. Ihr kühlt quasi günstig.
Beim Ferienmodus würde ich die WP nicht komplett abschalten, sondern einfach die Warmwasser-Solltemperatur etwas runtersetzen und die Kühlung auf Minimum. Die meisten Regler haben da Voreinstellungen. Wichtig: Legionellenschutzprogramm aktiv lassen, das läuft bei vielen Geräten wöchentlich automatisch.
Ein günstiger Einstieg ohne teures EMS: Es gibt einfache Überschuss-Steuerungen (z.B. über SG-Ready-Eingang der WP), die man mit einem einfachen Shelly-Gerät und etwas Bastelarbeit realisieren kann. Kostet vielleicht 50-80 Euro und ist bei grundlegenden Elektrik-Kenntnissen machbar. Aber Vorsicht: Alles was in den Sicherungskasten geht, dem Elektriker überlassen.
Ich schreib hier mal aus ner etwas anderen Perspektive, weil ich mich viel mit verschiedenen WP-Typen und deren Steuerung beschäftige.
Die Grundidee mit PV + WP ist super, aber ich würd nicht zu viel Aufwand in selbstgebaute Lösungen stecken wenn man kein Elektriker ist. Die Shelly-Lösung die KlausHermann25 beschreibt funk tioniert, aber du musst wissen was du tust. Fehler da können im schlimmsten Fall teuer werden oder die WP-Garantie kosten.
Was ich empfehlen würde: Schau ob Daikin eine eigene App-Anbindung hat (myUpway oder ähnliches) und ob die sich mit deinem Wechselrichter verknüpfen lässt. Viele Hersteller bieten da inzwischen direkte Integrationen an, die ohne Bastelei funktionieren. Kostet manchmal ein Abo, aber das ist überschaubar.
Zur aktiven Kühlung im Sommer: Ich würde das auf jeden Fall ausprobieren! Bei 12 kWp PV hast du mittags genug Überschuss, und die Kühlung mit ner Luft-Wasser-WP ist im Sommer extrem effizient. COP von 4-6 für Kühlung ist da normal. Nur die Hinweise zum Taupunkt von KlausHartmann69 beachten – das ist wirklich wichtig, besonders in schlecht belüfteten Räumen.