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Laufende Kosten Wärmepumpe – womit rechne ich realistisch?

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S.Richter
Beiträge: 57
Themenstarter
(@s-richter)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 1 Monat
[#147]

Hallo zusammen,

wir überlegen gerade ernsthaft auf eine Wärmepumpe umzusteigen und ich versuche mir ein realistisches Bild von den Betriebskosten zu machen. Kaufpreis und Förderung hab ich so ungefähr auf dem Schirm, aber was mich wirklich interessiert ist: Was zahlt man am Ende wirklich jeden Monat bzw. jedes Jahr laufend drauf?

Ich meine damit nicht nur den Strom – sondern alles: Wartungsvertrag, eventuelle Reparaturen, Versicherung, vielleicht extra Stromtarif für Wärmepumpen. Unser Haus ist ein Einfamilienhaus, Baujahr 1994, knapp 160qm Wohnfläche, noch mit alten Heizkörpern (keine Fußbodenheizung). Wir heizen aktuell mit Gas.

Online findet man ja überall Hochglanzrechnungen wo die WP immer super günstig wegkommt, aber ich kenne auch Leute die sagen ihre Stromrechnung ist explodiert. Ich weiß nicht wen ich da glauben soll. Gibt es so eine Art Faustformel was man pro qm oder pro kWh Heizwärme rechnen kann?

Außerdem: Ändert sich das im Sommer überhaupt? Ich stelle mir vor dass wenn die Heizung aus ist die Pumpe kaum läuft – oder braucht die auch im Sommer Strom für Warmwasser oder so?

Wäre super wenn jemand mal echte Zahlen aus dem Alltag teilen könnte, nicht irgendwelche Modellrechnungen vom Hersteller.

Danke schon mal!
S.Richter


5 Antworten
Leon B.
Beiträge: 9
(@leon-brauer)
Active Member
Beigetreten: Vor 4 Wochen

Gute Frage, und ich versteh die Verwirrung – da kursieren wirklich sehr unterschiedliche Zahlen. Ich hab mich mit dem Thema Stromkosten im Zusammenhang mit Warmwasserbereitung schon etwas intensiver beschäftigt, z.B. in diesem Thread hier über WWP vs. Durchlauferhitzer.

Kurz zur Frage Sommer: Ja, auch im Sommer läuft die WP, hauptsächlich für Warmwasser. Das sind je nach Anlage und Personenanzahl grob 500–900 kWh im Jahr nur dafür. Bei einem Wärmepumpenstromtarif von aktuell ca. 22–26 Cent sind das überschaubare Beträge.

Für dein Haus mit alten Heizkörpern würde ich allerdings aufpassen: Die meisten Luft-Wasser-WPs brauchen niedrige Vorlauftemperaturen um wirklich effizient zu sein, also um einen guten JAZ-Wert zu erreichen. Mit alten Heizkörpern und 70°C Vorlauf wird das nichts. Das ist vermutlich der Grund warum deine Bekannten hohe Stromrechnungen haben – nicht die WP an sich, sondern die schlechte Kombination mit dem Bestand.

Faustformel grob: Bei JAZ 3,0 und 15.000 kWh Jahresheizwärme macht das rund 5.000 kWh Strom, also ca. 1.100–1.300 Euro im Jahr (je nach Tarif). Plus Wartung nochmal 150–300 Euro. Das wäre realistischer Rahmen.


Antwort
Tim_1991
Beiträge: 39
(@tim_1991)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 1 Monat

Kurz noch zum Sommer-Aspekt weil du das direkt gefragt hast: Ja, im Sommer läuft die WP eigentlich fast nur für Warmwasser, da ist der Verbrauch wirklich überschaubar. Manche Anlagen können im Sommer auch passiv kühlen (bei Erdwärme), das kostet kaum extra Strom. Hab mich damit mal intensiver beschäftigt, gerade was die Effizienzwerte angeht – Grundlagen dazu gibts übrigens gut erklärt in dem COP/SCOP Thread hier. Der SCOP-Wert berücksichtigt übrigens genau das – also auch die Sommermonate mit niedrigem Verbrauch, weshalb er oft besser aussieht als der Winter-COP allein.


Antwort
Marcus K.
Beiträge: 23
(@marcus92)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 1 Monat

Also ich hab bei mir letztes Jahr Erdwärme nachrüsten lassen (das war echt ein Projekt, hab dazu auch hier im Forum berichtet), und kann mal meine echten Zahlen nennen:

Haus ca. 145qm, Bj. 1988, wir haben gleichzeitig Heizkörper gegen etwas größere getauscht. Erster Heizwinter mit Sole-WP: Stromverbrauch für Heizung + WW zusammen ca. 4.200 kWh. Bei uns kostet der WP-Tarif 21,5 Cent, macht also knapp 900 Euro. Vorher Gas: ca. 1.400 Euro im Jahr.

Wartung hab ich bisher noch keine gehabt (läuft erst seit Oktober), aber Sole-WPs gelten als wartungsärmer als Luft-Wasser.

Der Unterschied zu deiner Sitaution ist halt dass ich Erdwärme hab, die deutlich effizienter ist als Luft. Bei Luft-Wasser wärst du mit JAZ 3,5 statt meinen ~4,2 eher unterwegs. Trotzdem immer noch deutlich besser als Gas wenn das ordentlich geplant ist.


Antwort
WaermepumpeMax
Beiträge: 5
(@waermepumpemax)
Active Member
Beigetreten: Vor 4 Wochen

Leon hat das gut zusammengefasst mit dem Vorlauftemperatur-Problem, das ist wirklich der entscheidende Punkt den viele unterschätzen.

Ich möchte noch ergänzen: Ein Wärmepumpen-Sondertarif lohnt sich in den meisten Fällen, aber man muss ihn aktiv beantragen und nicht jeder Versorger bietet das noch so einfach an wie früher. Je nach Region und Anbieter zahlt man dort 18–24 Cent statt des normalen Haushaltstarifs. Das macht über das Jahr einen spürbaren Unterschied.

Zur Wartung: Die meisten Hersteller empfehlen alle 1–2 Jahre einen Fachbetrieb. Je nach Anlage und Vertrag sind das 150 bis 350 Euro. Manche Hersteller bieten Wartungsverträge an, die aber oft teurer sind als Einzelbesuche – lohnt sich selten außer man ist ganz unsicher.

Für euer Haus Baujahr 1994 mit Heizkörpern würde ich vor der WP-Entscheidung unbedingt eine Heizlastberechnung machen lassen und schauen ob die Heizkörper überhaupt mit 50–55°C Vorlauf ausreichen. Das ist eigentlich die wichtigste Vorarbeit und kostet bei einem guten Heizungsbauer oft gar nicht extra wenn man ernsthaft ein Angebot einholt.


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