Hallo Forum,
ich plane für ein 5-Parteien MFH (Bj. 1995, teilsaniert) eine WP-Anlage und bin bei der Heizlastberechnung unsicher. Der Energieberater hat 42 kW für zentrale Versorgung errechnet, aber ein anderer Anbieter meint, bei dezentralen Kleinwärmepumpen pro Wohnung käme man mit insgesamt nur 28 kW aus.
Wie kann das sein? Ist bei MFH die Gleichzeitigkeit der Faktor, oder gibt es andere Besonderheiten bei der Berechnung? Die Wohnungen sind unterschiedlich groß (45-85 m²) und haben verschiedene Nutzertypen (Rentner, Familie, Studenten).
Besonders für die Sommermonate interessiert mich auch: Kann ich die WP-Anlage später für Kühlung nutzen? Das würde die Wirtschaftlichkeit verbessern, aber beeinflusst das die jetzige Dimensionierung?
Wer hat Erfahrung mit MFH-Heizlastberechnungen? Worauf muss ich besonders achten?
Bei MFH ist die Gleichzeitigkeit tatsächlich ein entscheidender Punkt! Nicht alle Wohnungen heizen gleichzeitig auf Volllast. Der Gleichzeitigkeitsfaktor liegt meist zwischen 0,6-0,8, je nach Nutzerprofil.
Zentral vs. dezentral macht einen großen Unterschied: Zentral hast du Verteilungsverluste, aber auch Ausgleichseffekte zwischen den Wohnungen. Dezentral entfallen die Verluste, aber jede WP muss ihre Spitzenlast allein abdecken.
Bei deinem Mix aus Rentnern und Studenten würde ich eher Richtung 0,7 rechnen. Rentner heizen tagsüber, Studenten eher abends. Das kann sich gut ergänzen.
Hmm, 42 vs 28 kW klingt nach typischer Berater-Unsicherheit. Hab bei meinem Projekt auch solche Sprünge gesehen.
Das Problem: Viele rechnen bei MFH einfach die Einzelwerte zusammen, ohne Diversity-Faktor. Das ist natürlich Quatsch. Aber 14 kW Unterschied ist schon heftig...
Übrigens: Kühlbetrieb im Sommer beeinflusst die Heizlast-Dimensionierung nicht direkt, aber die Hydraulik wird komplexer. Reversible WP brauchen andere Regelung.
Wie TobiasK87 schon schreibt, ist die Gleichzeitigkeit der Schlüssel. Ich würde aber noch einen Schritt weitergehen: Bei MFH solltest du unbedingt die thermische Trägheit des Gebäudes berücksichtigen.
Ein großer Gebäudekomplex kann Lastspitzen besser puffern als Einzelwohnungen. Das spricht für die zentrale Lösung mit weniger Gesamtleistung.
Zur Kühlung: Wenn du das schon mitplanst, solltest du auch den Kühlbedarf in die Dimensionierung einbeziehen. Bei mir schwankt der COP je nach Betriebsart erheblich.
Also bei unserem MFH-Neubau haben wir zentral dimensioniert und sind gut gefahren. Wichtig ist meiner Meinung nach auch die Warmwasserbereitung - das kann bei 5 Parteien schon ordentlich zu Buche schlagen.
Decentral hat den Vorteil der einzelnen Abrechnung, aber zentral ist meist effizienter. Bei der Planung würde ich auf jeden Fall einen hydraulischen Abgleich mit einkalkulieren.