Hallo zusammen,
ich bin gerade dabei, mich intensiver mit unserem Heizsystem zu beschäftigen, bevor im Herbst die neue Wärmepumpe eingebaut wird. Der Installateur hat erwähnt, dass ein hydraulischer Abgleich gemacht werden sollte, aber das kostet extra und ich frage mich, ob ich das nicht selbst hinkriegen könnte.
Unser Haus hat zwei Etagen, insgesamt 9 Heizkörper, alles Plattenheizkörper unterschiedlicher Größe. Manche Räume wurden früher immer schlechter warm als andere – ob das am fehlenden Abgleich liegt, weiß ich nicht genau.
Ich hab mir schon ein paar Youtube-Videos angeschaut, aber da wird meistens entweder sehr viel Fachwissen vorausgesetzt oder es geht um Fußbodenheizung. Konkret frage ich mich:
- Welche Werkzeuge oder Messgeräte brauche ich überhaupt?
- Gibt es eine einfache Schritt-für-Schritt-Vorgehensweise für Laien?
- Reicht es, einfach die voreinstellbaren Thermostatventile zu verstellen, oder ist das zu simpel gedacht?
- Kann ich dabei etwas kaputt machen?
Ich bin handwerklich nicht ungeschickt, hab aber keine Ausbildung im HLS-Bereich. Würde das gerne in den nächsten Wochen angehen, solange die Heizung eh nicht läuft – scheint mir der ideale Zeitpunkt im Sommer zu sein.
Bin für jeden Hinweis dankbar!
Viele Grüße
Bernd-Hoffmann
Hallo Bernd-Hoffmann,
gute Frage – ich hab mich da vor einer Weile auch reingefuchst, als ich überlegt hab ob sich ne Wärmepumpe für mich lohnt (hatte dazu auch schon andere Themen hier im Forum).
Zum Thema selbst: Der hydraulische Abgleich ist grundsätzlich machbar, aber du brauchst dafür die sogenannten Heizkörperauslegungsdaten. Also: Welcher Heizkörper hat welche Nennleistung, und was ist der berechnete Volumenstrom für jeden einzelnen Kreis. Die Formel dahinter ist nicht super kompliziert, aber du musst die Heizlast pro Raum kennen oder zumindest schätzen können.
Die voreinstellbaren Thermostatventile (Typ TA oder ähnliche) haben meistens eine Skala von 1 bis 7 oder ähnliches – damit stellst du den maximalen Durchfluss ein. Das ist tatsächlich der Kernpunkt des vereinfachten Abgleichs.
Kaputt machen kannst du im Prinzip wenig, solange du die Ventile nicht gewaltsam aufdrehst. Schlimmstenfalls heizen einzelne Räume schlechter, aber das merkst du dann im Winter.
Für ein grobes Vorgehen: Raumgröße schätzen, Heizlast überschlagen, Volumenstrom berechnen (Q = P / (1,163 × ΔT)), Ventil entsprechend einstellen. Im Sommer ist das wirklich der beste Zeitpunkt dafür – gute Idee!
Kurz zur Ergänzung was SmartPump_28 sagt: Verfahren A reicht für die meisten Einfamilienhäuser völlig aus. Ich hab das bei mir gemacht bevor ich die Vorlauftemperatur abgesenkt hab – dazu gibts hier übrigens auch was. Ohne Abgleich bringt die Absenkung nicht viel, weil dann einfach der am nächsten liegende Heizkörper alles Wasser abbekommt.
Ein Tipp noch: Schreib dir vorher auf, wie die Ventile aktuell eingestellt sind (Fotos machen). Dann kannst du im Zweifelsfall zurückdrehen.
Das größte Problem beim Selbermachen ist nicht das Handwerk, sondern die Datengrundlage. Wenn du keine Ahnung hast welcher Heizkörper welche Heizleistung hat (steht manchmal auf einem Aufkleber am HK selbst), dann wird's schwierig mit einer sauberen Berechnung. Fabrikat und Typbezeichnung raussuchen, dann findest du die Daten meistens online.
Ich würd das ehrlich gesagt nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ich hab bei der Planung meiner WP-Installation gemerkt, dass viele Installateure den Abgleich deutlich unterschiedlich angehen – in dem Thread hier zu den Installateur-Angeboten wurde das auch diskutiert.
Der vereinfachte hydraulische Abgleich nach Verfahren A (so heißt das offiziell) ist tatsächlich selbst durchführbar. Du brauchst im Grunde nur die Heizkörperdaten und ein bisschen Rechnen. Aber: Wenn du das für eine Förderung nach BEG brauchst, muss das ein Fachbetrieb dokumentieren und bestätigen – das geht dann nicht auf eigene Faust.
Wenn es dir nur darum geht, dass alle Räume gleichmäßig warm werden und keine Förderung im Spiel ist, dann mach es ruhig selbst. Es gibt kostenlose Rechner online (z.B. vom Haustechnik-Forum oder ähnliche), die dir die Voreinstellung pro Heizkörper ausrechnen wenn du Raumgröße und Heizkörpertyp eingibst.
Werkzeug brauchst du kaum: Einen Inbusschlüssel für die Ventilkappe und vielleicht ein Thermometer für die Rücklauftemperatur. Mehr nicht.
Ich mach das jetzt etwas sachlicher, weil ich glaube hier wird es ein bisschen zu optimistisch dargestellt.
Ein hydraulischer Abgleich 'mal eben selbst machen' klingt einfacher als es ist. Ich hab ein Gründerzeithaus mit alten Heizkörpern und hab das Thema intensiv durchgearbeitet – ohne vernünftige Heizlastberechnung pro Raum stochert man im Dunkeln. Und die Heizlast ist eben nicht einfach Raumgröße mal Faktor, da spielen Außenwände, Dämmung, Fenster, Lage (Nord/Süd) alles rein.
Für ein neueres, gut gedämmtes Haus mit gleichen Heizkörpertypen mag Verfahren A mit vereinfachten Annahmen funktionieren. Aber wenn du sagst manche Räume wurden immer schlechter warm – das kann auch an unterdimensionierten Heizkörpern liegen, nicht nur am Abgleich. Dann hilft der Abgleich alleine nichts.
Mein Rat: Vor dem WP-Einbau sollte dein Installateur sowieso eine Heizlastberechnung machen. Die Werte daraus kannst du dann für den Abgleich verwenden. Im Sommer ist jetzt eh Zeit zum Planen, aber ich würd das nicht losgelöst vom restlichen WP-Projekt angehen.