Hallo zusammen,
ich plane gerade meine Heizungsmodernisierung für den Herbst und nutze den Sommer um alles in Ruhe vorzubereiten. Habe mich jetzt intensiv mit dem Thema WP beschäftigt und weiß, dass meine künftige Luft-WP am effizientesten bei möglichst niedriger Vorlauftemperatur läuft – die meisten empfehlen ja 45°C oder sogar noch weniger.
Mein Problem: Ich habe ein Haus aus den 80ern mit den original Heizkörpern. Die sind damals auf 70°C Vorlauf ausgelegt worden. Wenn ich jetzt auf 45°C runter gehe, liefern die ja viel weniger Wärmeleistung. Das ist mir theoretisch klar – aber wie berechne ich das konkret?
Ich finde überall Formeln mit Übertemperatur, logarithmischem Mittel und solchen Sachen, aber das übersteigt ehrlich gesagt meinen Horizont ein bisschen. Gibt es eine vereinfachte Faustformel, mit der ich abschätzen kann wie viel Prozent Leistung mein Heizkörper bei 45/35 statt 70/50 noch hat? Und daraus ableiten, ob ich nur größere HK brauche oder komplett neue?
Oder muss ich zwingend einen Fachmann ran lassen? Ich bin durchaus handwerklich begabt und würde das gerne selbst durchrechnen bevor ich Angebote einhole. Danke schon mal!
Die 50-55% Faustregel ist okay für ne grobe Schätzung aber ich würde da vorsichtig sein. Ich hab das bei meinem Neubau komplett anders angegangen – da war von Anfang an FBH geplant, aber mein Bruder hat in seinem Altbau genau das gemacht was du beschreibst.
Was mich immer wieder wundert: Viele unterschätzen wie viel Einfluss die Rücklauftemperatur hat. 45/35 ist deutlich günstiger als 45/40, auch wenn der Vorlauf gleich ist. Die Spreizung macht bei der WP-Effizienz einen erheblichen Unterschied. Also nicht nur auf den Vorlauf fixieren.
Zur eigentlichen Frage: Es gibt online ein paar Rechner wo du Heizkörpertyp, Nennleistung und Ziel-Vorlauf/Rücklauf eingibst und der dir die Restleistung ausrechnet. Such mal nach 'Heizkörper Umrechnungsrechner WP' – das erspart die Handrechnung und ist für deine Zwecke ausreichend genau.
Was Werner oben schreibt stimmt so weit, aber ich würde noch ergänzen: Den Exponenten n findest du oft im Datenblatt deines Heizkörpers, falls du den noch hast oder die Typennummer kennst. Viele Hersteller haben das online.
Ich hab mich mit genau diesem Thema intensiv beschäftigt, weil ich meinen hydraulischen Abgleich selbst machen wollte (sieh mal hier: Heizkörper-Hydraulik optimieren). Die Grundrechnung ist wirklich nicht hexerei, aber du brauchst zwingend erstmal die Heizlast pro Raum – sonst weißt du ja nicht ob der verkleinerte Leistungswert überhaupt reicht.
Mein Tipp: GEG-konforme Heizlastberechnung nach EN 12831 machen (oder machen lassen), das gibt dir die Grundlage. Dann kannst du für jeden Raum ausrechnen ob der vorhandene HK bei 45/35 noch ausreicht oder ob du einen größeren brauchst. Für Räume wo es knapp ist erstmal schauen ob man durch bessere Heizkörperpositionierung oder Entlüftung noch was rausholen kann, bevor man gleich alles tauscht.
Ich will hier mal kurz Wasser in den Wein kippen: Die ganzen Faustformeln und Online-Rechner sind nett, aber ohne korrekte Heizlastberechnung nach Norm ist das alles Stochern im Nebel. Wer auf Basis grober Schätzungen Heizkörper kauft und dann im Januar friert – den Fehler macht man einmal.
Mein Rat als jemand der sich JAZ-Zahlen und reale Systemeffizienz genauer anschaut: Lass die Heizlast professionell berechnen. Das kostet ein paar hundert Euro aber die Entscheidung über vielleicht 5.000-10.000 Euro an Heizkörpern sollte auf solider Grundlage stehen. Alles andere ist Glück.
Ich bin da ehr Laie aber ich hab das bei mir letztes Jahr so gemacht: Einfach mal im winter bei gedrosselter Vorlauftemp geschaut wie warm die Räume werden. Die Heizkörper die bei 50° VL noch gut warm wurden haben wir behalten, die anderen sind raus. Bisschen pragmatisch vielleicht aber hat funktioniert 😅
Theoretisch rechnen ist schön, aber manchmal sagt der Praxistest mehr als jede Formel.