Hallo zusammen,
ich nutze die ruhige Sommerzeit um ein bisschen an meiner Anlage zu "forschen" bevor es wieder kalt wird. Letzten Winter ist mir aufgefallen, dass meine Luft-Wasser-Wärmepumpe (Baujahr 2022, 10kW) bei Temperaturen zwischen -3 und +3 Grad extrem häufig in den Abtaubetrieb gegangen ist. Manchmal gefühlt alle 30-40 Minuten. Das hat sich deutlich auf den Verbrauch niedergeschlagen, und ich hab Wochen gehabt wo ich bei sowas wie COP 1,8 lag – das kann ja nicht der Sinn der Sache sein.
Ich hab gelesen, dass man über die Steuerung der WP Einfluss auf die Abtaulogik nehmen kann – Intervalle, Temperaturgrenzwerte am Verdampfer usw. Aber ich bin da noch nicht so tief drin und weiß ehrlich gesagt nicht wo ich anfangen soll ohne was kaputtzumachen.
Meine Fragen:
– Welche Parameter habt ihr verändert, um die Abtauzyklen zu reduzieren oder effizienter zu gestalten?
– Gibt es Faustregeln für bestimmte Außentemperaturbereiche?
– Hat jemand Erfahrung mit Nachrüstlösungen (z.B. Verdampfersensoren nachrüsten oder ähnliches)?
Welches Fabrikat ich habe möchte ich erst mal offenlassen weil ich schauen will ob die Ratschläge allgemeiner Natur sein können. Danke schon mal!
Da muss ich TechTom_89 kurz ergänzen: nicht an den Abtauparametern rumbasteln ohne vorher das Installationsprotokoll oder zumindest die Techniker-Doku zu haben. Ich hab bei einem Bekannten erlebt wie jemand den Abtauschwellwert zu hoch gesetzt hat und der Verdampfer dann bei Dauerfrost richtig zugefroren ist – Anlage stand tagelang. Das kostet mehr als der eingesparte Strom.
Moin, das ist ein spannendes Thema für die Sommervorbereitung.
Ich hab mich da ziemlich intensiv damit beschäftigt, auch weil ich bei meiner Inverter-WP gemerkt hab wie stark die Modulationstiefe die Abtaufrequenz beeinflusst (hab das im Kontext Inverter vs. On-Off auch schon mal angerissen). Eine invertergeregelte Anlage, die konstant auf niedrigem Niveau läuft, vereist den Verdampfer tendenziell gleichmäßiger und löst Abtauzyklen vorhersehbarer aus – das ist schon mal ein Vorteil gegenüber On-Off.
Zu deinen konkreten Fragen: Die wichtigsten Parameter sind bei den meisten Anlagen (1) die Verdampfereintrittstemperatur als Schwellwert fürs Abtauen, (2) die Mindestbetriebszeit vor Abtauen und (3) die maximale Abtaudauer. Gerade Punkt 3 wird oft ignoriert – wenn das Abtauen unnötig lang läuft, heizt die WP quasi ins Nichts.
Ohne Fabrikat wird's aber konkret schwierig. Nenn wenigstens den Hersteller, dann kann man direkt sagen wo die Parameter im Menü liegen.
Das kenne ich aus eigener Erfahrung – bei meiner Anlage im Altbau war das ähnlich problematisch. Ich hab das Thema damals auch im Zusammenhang mit der Dimensionierung diskutiert (da ging es zwar um Installationsdauer, aber der Installateur hat mir dabei auch erklärt wie die Abtaulogik zusammenhängt mit Überdimensionierung).
Kurz gesagt: Wenn die WP für die tatsächliche Heizlast zu groß ist, taktet sie öfter und damit steigt auch die Abtaufrequenz, weil der Verdampfer gar nicht richtig in einen gleichmäßigen Betriebszustand kommt. Hast du geprüft ob das bei dir auch ein Faktor sein könnte?
Ansonsten würde ich erstmal in die Serviceparameter schauen, sofern du den Zugang hast. Viele Hersteller haben da eine "Abtau-Mindestlaufzeit" hinterlegt, also die WP muss mindestens X Minuten gelaufen sein bevor ein Abtauzyklus gestartet werden kann. Den Wert hochzusetzen ist oft der erste Schritt. Ob das bei deiner Anlage möglich ist hängt vom Hersteller ab – deshalb wäre die Info zum Fabrikat eigentlich schon hilfreich.