Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit ein paar Wochen intensiver damit, meine Wärmepumpe mit unserem Smart-Home-System zu verbinden. Wir haben seit letztem Herbst eine Luft-WP (Einfamilienhaus, Baujahr 2019, Fußbodenheizung) und ich frage mich ehrlich gesagt, ob der ganze Aufwand mit der Smart-Home-Integration wirklich einen messbaren Effizienzgewinn bringt – oder ob das eher ein Spielzeug für Technikbegeisterte ist.
Konkret geht es mir um folgendes: Ich lese immer von "prädiktiver Steuerung" – also die WP läuft vor, bevor ich von der Arbeit komme, oder drosselt wenn alle im Urlaub sind (was gerade relevant ist, wir fahren nächste Woche zwei Wochen weg). Im Sommer scheint mir das aber weniger relevant zu sein weil kaum Heizbedarf besteht. Trotzdem will ich die Anlage nicht einfach komplett abschalten.
Hat jemand konkrete Erfahrungen mit so einer Integration – am besten mit Vorher-Nachher-Zahlen? Ich will keine blinden Investitionen machen. Die Steuerungsgeräte kosten ja auch was, und wenn am Ende nur 2-3% Ersparnis rausspringen, lohnt sich das nicht wirklich.
Welche Systeme nutzt ihr? Und gibt es dabei Fallstricke, die man kennen sollte?
Danke schon mal!
Also ich hab das bei mir letzten Sommer eingerichtet und kann sagen: es kommt sehr drauf an was du genau steuerst. Ich hab ne einfache Zeitplanung über Home Assistant gemacht, Brauchwasser läuft jetzt nur noch mittags wenn die PV was liefert. Das allein hat bei mir spürbar was gebracht, zumindest gefühlt.
Aber "prädiktive Steuerung" mit Wettervorhersage und so – da hab ich gemischte Erfahrungen. Im Sommer wie jetzt ist das eh wurscht weil die WP kaum läuft. Für deinen Urlaub würde ich einfach einen Urlaubsmodus einstellen sofern deine WP den hat, das braucht kein Smart Home System.
Die Kosten für gute Smart-Home-Integration können sich schon summieren. Ich würd erstmal klein anfangen.
Kurz gesagt: Ja, es bringt was, aber nur wenn die Anlage selbst vernünftig dimensioniert und eingestellt ist. Eine schlecht ausgelegte WP wird durch kein Smart-Home-System gerettet.
Ich bin da ehrlich gesagt skeptisch – nicht gegenüber Smart Home generell, sondern gegenüber den oft übertriebenen Versprechen. Ich hab mich ja schon intensiver mit JAZ-Werten beschäftigt (z.B. im Thread Luft-, Sole- oder Wasser-WP: Was sagen echte JAZ-Werte für Neubau?) und was mich dabei immer wieder beschäftigt: Die größten Effizienzgewinne kommen nicht von der Steuerung, sondern von der richtigen Hydraulik, guten Vorlauftemperaturen und einer ordentlich abgeglichenen Anlage.
Ein Smart-Home-System kann da obendrauf vielleicht noch 5-8% rausholen, wenn es gut gemacht ist. Aber wenn die Basisanlage schon suboptimal läuft, pflastert man die Probleme nur zu. Was konkret hilft: Abwesenheitsprofile die wirklich konsequent genutzt werden, und Warmwasserbereitung in günstige Zeitfenster zu schieben. Alles andere ist oft Marketing. Vorher-Nachher-Zahlen hab ich leider keine aus eigener Messung, aber ich wäre sehr vorsichtig mit den Herstellerversprechen.
Ich sehe das etwas differenzierter als die Vorredner. Smart Home kann schon messbar was bringen, aber man muss wissen wo man ansetzt. Ich hab mich viel mit SG-Ready beschäftigt – wer das noch nicht kennt, empfehle ich mal den Thread SG-Ready Modi 1-4 zu lesen.
Das entscheidende ist: Smart Home alleine steuert nur den Betriebszeitpunkt, nicht den Wirkungsgrad. Den Wirkungsgrad bestimmt die Hydraulik, die Vorlauftemperatur und die Außentemperatur. Was Smart Home wirklich kann: Betriebszeiten so legen dass entweder PV-Strom verfügbar ist, oder dass günstige Netzstrom-Tarife genutzt werden (dynamische Tarife werden ja gerade immer verbreiteter).
Für ein Neubauhaus wie deins mit vernünftiger FBH und moderater Vorlauftemperatur würde ich schätzen: 6-12% Ersparnis sind realistisch wenn du es gut machst. Aber der Aufwand für die Einrichtung ist nicht zu unterschätzen. Für den Urlaub nächste Woche: einfach Urlaubsmodus aktivieren, fertig. Das ist kein Smart-Home-Thema.