Hallo zusammen,
ich plane gerade für den nächsten Winter und beschäftige mich mit einer Luft-Luft-Wärmepumpe als Hauptheizung. Jetzt im Sommer ist die Kühlung natürlich super, aber mich beschäftigt die Frage: Wie schaut's denn bei richtig kalten Temperaturen aus?
Hier bei uns in Brandenburg kann es schon mal -20°C werden. Ich hab gelesen, dass Luft-Luft-Systeme bei solchen Temperaturen nicht mehr effizient arbeiten oder sogar ganz aufgeben. Stimmt das wirklich? Ab welcher Außentemperatur wird's kritisch?
Mein Kollege meinte, ab -15°C würde nur noch der Heizstab laufen und dann könnte ich gleich mit Strom heizen. Das kann doch nicht sein, oder? Schließlich werden die Dinger ja als vollwertiger Heizungsersatz beworben.
Wer hat Erfahrungen mit richtig kalten Wintern? Brauche ich zwingend eine Zusatzheizung oder reicht eine gute Luft-Luft-WP auch bei Extremkälte? Will nicht im Januar frieren...
Danke für eure Hilfe!
Stefan
Hi Stefan,
dein Kollege übertreibt etwas, aber ganz falsch liegt er nicht. Die Effizienz sinkt bei Luft-Luft-Systemen tatsächlich drastisch ab -10°C. Bei -20°C arbeiten die meisten Geräte nur noch mit COP-Werten um 1,5-2, das ist schon ziemlich schlecht.
Ich hatte mal ähnliche Überlegungen bei meinem Neubau und bin dann doch bei einer Luft-Wasser-WP gelandet. Die moderne Inverter-Technik hilft zwar, aber Physik ist Physik - aus -20°C Luft lässt sich nur begrenzt Wärme ziehen.
Für Brandenburg würde ich ehrlich gesagt eine hybride Lösung empfehlen. Luft-Luft für die Übergangszeit und moderate Winter, plus einen Kaminofen oder ähnliches als Backup für die richtig kalten Tage. Sonst wird's teuer.
Na ja, ich seh das kritischer als die anderen hier. Luft-Luft ist meiner Meinung nach eh nur bedingt als Hauptheizung tauglich, erst recht bei euren Wintern.
Die beworbenen Leistungen bei Minusgraden sind oft Laborwerte unter idealen Bedingungen. In der Praxis sieht's anders aus - Vereisung, Wind, hohe Luftfeuchtigkeit verschlechtern die Performance zusätzlich.
Wenn du wirklich auf WP setzen willst, dann richtig mit Sole-Wasser oder zumindest Luft-Wasser mit Pufferspeicher. Luft-Luft ist ein teurer Spaß, wenn du damit heizen willst.
Hallo Stefan,
die Kollegen haben recht - unter -15°C wird's problematisch. Das liegt am sogenannten Verdampfungsverhalten des Kältemittels. Je kälter die Außenluft, desto schwerer tut sich die WP beim Wärmeentzug.
Wichtiger Punkt: Auch die Heizlast deines Hauses steigt bei Extremkälte überproportional. Wenn die WP gleichzeitig schwächer wird und der Bedarf steigt, ist der Kollaps vorprogrammiert.
Mein Tipp: Schau dir die Herstellerdaten genau an - nicht nur die Nennleistung, sondern die Leistungskurve über den gesamten Temperaturbereich. Und plane definitiv eine Zusatzheizung ein, selbst wenn's nur ein paar Heizlüfter sind.
Also ich hab seit 3 Jahren ne Daikin Multi-Split und muss sagen - bei -15°C war's schon grenzwertig. Das Ding hat zwar noch geheizt, aber der Stromverbrauch war echt heftig.
Hatte letzten Winter das Problem mit dem ständigen Abtauen - das kostet zusätzlich Energie. Bei -20°C würde ich nicht mehr drauf setzen wollen.
Die Hersteller geben oft bis -25°C an, aber da läuft praktisch nur noch der Heizstab. Ist dann wie ne teure Nachtspeicherheizung. Für Brandenburg brauchst du definitiv was anderes als Backup!