Hallo zusammen,
stehe vor einer Entscheidung und bin etwas ratlos. Unsere Gastherme ist Baujahr 2011 (Vaillant ecoTEC plus) und läuft eigentlich noch einwandfrei. Jetzt überlege ich, ob es sinnvoller ist, eine Hybrid-Wärmepumpe nachzurüsten oder gleich komplett auf reine Wärmepumpe zu wechseln.
Das Haus ist von 1995, 140qm, relativ gut gedämmt aber noch mit normalen Heizkörpern (keine Fußbodenheizung). Vorlauftemperatur läuft bei ca. 55-60°C in der kalten Jahreszeit.
Meine Überlegung: Die Gastherme funktioniert ja noch, warum nicht nutzen? Andererseits habe ich gelesen, dass man bei Hybrid-Systemen zwei Geräte warten muss und die Steuerung manchmal kompliziert wird.
Was sind eure Erfahrungen? Ist eine Nachrüstung zum Hybrid-System eine gute Übergangslösung oder sollte man lieber gleich Nägel mit Köpfen machen? Der Installateur vor Ort meint, beides ginge, aber er verdient ja auch an beiden Varianten...
Danke schon mal für eure Meinungen!
Grüße
Werner
Hi Werner,
kann deine Überlegung gut verstehen. Hatte vor zwei Jahren eine ähnliche Situation mit meiner alten Buderus.
Aus meiner Sicht spricht einiges für die Hybrid-Lösung bei dir: Deine Gastherme ist erst 15 Jahre alt und die ecoTEC plus Serie war damals schon recht effizient. Die kannst du locker noch 10-15 Jahre laufen lassen. Bei 55-60°C Vorlauf ist eine Luft/Wasser-WP auch nicht optimal - die läuft dann im Winter häufiger auf den elektrischen Heizstab.
Mit Hybrid hättest du das Beste aus beiden Welten: Die WP übernimmt die Grundlast und an sehr kalten Tagen springt der bewährte Gaskessel ein. Das ist oft wirtschaftlicher als eine überdimensionierte WP mit viel Heizstab-Betrieb.
Zur Wartung: Ja, sind zwei Systeme, aber dafür hast du auch doppelte Ausfallsicherheit. Und die meisten modernen Steuerungen sind mittlerweile recht intelligent bei der Umschaltung.
Würde sagen: Probier's mit Hybrid, zumal die Förderung noch läuft.
Muss Thomas da etwas widersprechen. Klar, die Überlegung mit der funktionierenden Gastherme ist nachvollziehbar, aber man sollte auch langfristig denken.
Das Problem bei Hybrid-Systemen: Du bindest dich weiter an fossile Brennstoffe und die Gaspreise werden tendenziell eher steigen als fallen. Bei deinen 55-60°C Vorlauf würde ich eher schauen, ob man nicht doch auf niedrigere Temperaturen kommt. Oft reichen schon ein paar größere Heizkörper oder optimierte Einstellungen.
Wie ich schon mal geschrieben hab, moderne WP schaffen auch bei -15°C noch vernünftige Arbeitszahlen. Der Heizstab springt nicht so oft an, wie viele denken.
Mein Rat: Lass mal einen unabhängigen Energieberater drüber schauen. Vielleicht ist dein Haus besser für eine reine WP geeignet als du denkst. Dann hättest du nur ein System zu warten und bist zukunftssicher aufgestellt.
Bei der Entscheidung würde ich auch die praktischen Aspekte bedenken. Haben letztes Jahr selbst umgerüstet, allerdings komplett auf WP.
Ein Punkt der oft übersehen wird: Platzbedarf. Eine Hybrid-Installation braucht mehr Platz als eine reine WP, weil du ja beide Systeme unterbringen musst. Dazu kommt der hydraulische Aufwand - die Systeme müssen sinnvoll miteinander verschaltet werden.
Was die Vorlauftemperaturen angeht - da hat Stefan recht. Bei unserem Altbau von 1987 haben wir auch mit 60°C angefangen, aber nach ein bisschen Optimierung (größere Heizkörper im Wohnzimmer, bessere Thermostatventile) kommen wir jetzt mit 45°C aus. Das macht einen riesen Unterschied bei der Effizienz.
Falls du dich für Hybrid entscheidest: Achte darauf, dass die Steuerung wirklich intelligent ist und nicht nur nach festen Außentemperaturen umschaltet, sondern auch Strompreise etc. berücksichtigt.
Im Sommer ist übrigens gute Zeit für solche Projekte - die Handwerker haben etwas mehr Zeit und du kannst in Ruhe planen ohne Zeitdruck.