Hallo zusammen,
nachdem wir letzten Herbst unsere Gasheizung gegen eine Luft-Wasser-Wärmepumpe getauscht haben, steht jetzt im Sommer natürlich kaum Heizbetrieb an – aber ich möchte die ruhige Zeit nutzen um zu verstehen, was ich da eigentlich eingestellt habe, bevor es wieder kalt wird.
Konkret geht es mir um die Vorlauftemperatur. Unser Haus ist ein Einfamilienhaus aus den 80ern, also kein Passivhaus aber auch nicht komplett unrenoviert – neue Fenster, Dämmung unter dem Dach. Wir haben noch alte Heizkörper, keine Fußbodenheizung. Der Installer hat beim Einbau irgendwas eingestellt und gemeint "das passt so", aber ich weiß ehrlich gesagt nicht mal wie hoch die Vorlauftemperatur aktuell konfiguriert ist oder wie ich das ablesen kann.
Meine Fragen:
- Wie finde ich überhaupt raus welchen Wert ich aktuell fahre?
- Was ist ein realistischer Startwert für so ein Haus wie unsers?
- Kann ich das selbst anpassen oder brauche ich immer den Fachmann?
- Gibt es Faustregeln für Einsteiger die nicht Ingenieur sind?
Ich bin handwerklich nicht völlig unbegabt aber mit Heizungstechnik habe ich wirklich wenig Erfahrung. Für jeden Hinweis dankbar!
Viele Grüße
Thomas
Zur Ergänzung noch ein praktischer Hinweis von meiner Seite:
Den aktuellen Vorlauftemperatur-Sollwert findet man bei den meisten Fabrikaten tatsächlich im Installateur- oder Fachmannmenü, nicht im normalen Nutzermenü. Das ist leider oft so. Manche Hersteller sperren das absichtlich. Du kannst aber den tatsächlichen Ist-Wert (also was gerade im Rohr fließt) fast immer im normalen Statusmenü sehen.
Was mich bei deiner Beschreibung etwas stutzig macht: Wenn der Installer einfach "das passt so" gesagt hat ohne dir zu erklären was er eingestellt hat, dann würde ich da nochmal nachhaken. Du hast ein Recht darauf zu wissen, auf welche Heizkurve deine Anlage ausgelegt wurde – das steht auch im Übergabeprotokoll, das du bekommen hättest sollen.
Für Heizkörper aus den 80ern ohne weitere Angaben pauschal einen Wert zu nennen ist schwierig. Das hängt wirklich stark davon ab wie groß die Radiatoren im Verhältnis zur Heizlast sind. Wenn die Heizkörper ursprünglich für 70°C ausgelegt waren, schaffst du damit vielleicht auch 50°C. Wenn sie schon damals knapp dimensioniert waren, wird's eng.
Im Sommer könntest du zumindest mal ein einfaches Hydrauliksymbol deiner Anlage zeichnen – hilft beim Verständnis enorm.
Hallo Thomas,
willkommen im Club der "der Installer hat das schon richtig gemacht"-Geschädigten 😄 Also kein Vorwurf an den Mann, aber ich kenn das.
Ein praktischer Einstiegstipp den ich jedem Neuling geben würde: Fang nicht mit der Vorlauftemperatur als fester Zahl an, sondern versteh erstmal wie die witterungsgeführte Regelung funktioniert. Fast alle modernen WPs regeln den Vorlauf automatisch abhängig von der Außentemperatur – das nennt sich Heizkurve. Du stellst also keine fixe Temperatur ein sondern eine Kurve die sagt: bei 0° Außen will ich X° Vorlauf, bei -10° will ich Y°.
Der Vorteil: Im Sommer siehst du das kaum weil die Anlage eh kaum heizt. Aber im Oktober wenn es auf 5-10° runtergeht, merkt man sofort ob die Kurve passt. Dann einfach schrittweise anpassen – immer 1-2 Grad auf einmal, 2-3 Tage abwarten und beobachten ob es warm genug wird.
Für Heizkörper 80er-Bau würde ich als Startwert Vorlauf 45°C bei Normauslegungstemperatur (meistens -12 oder -14°C je nach Region) probieren und dann schauen. Aber bitte nicht pauschal vertrauen – dein Haus kennt nur du selbst.
LG Lisa
Hi Thomas,
kenne das Gefühl – ich hab mich damals auch erstmal durch gefühlte 100 Begriffe durchkämpfen müssen bevor irgendwas Sinn gemacht hat. Hab das hier im Forum übrigens auch mal grundsätzlicher erklärt: Kann mir jemand in einfachen Worten erklären, wie eine Wärmepumpe aus kalter Außenluft warme Heizungsluft macht?
Zum Ablesen: Du kannst am Display deiner WP eigentlich fast immer den aktuellen Vorlauf sehen, oft unter "Status" oder "Betrieb". Bei vielen Geräten gibt's auch eine Servicemenü-Ebene wo die eingestellten Sollwerte stehen. Schau mal ins Handbuch deiner Anlage – welche Pumpe hast du denn?
Für Altbau mit Heizkörpern aus den 80ern würde ich sagen 45-55°C Vorlauf ist realistisch, je nach Auslegung. Das klingt viel, ist aber bei alten Radiatoren oft nötig. Die Krux bei WP ist: je niedriger der Vorlauf, desto effizienter läuft sie. Lohnt sich also durchaus mal zu prüfen ob du wirklich so hoch musst oder ob die Heizkörper auch mit 40°C noch warm genug werden.
Verstellen kannst du das selbst – zumindest die Heizkurve. Einfach vorsichtig ranschaffen und in kleinen Schritten testen.
Kurz und knapp: Dein erster Schritt sollte sein, einfach mal die Temperaturen an den Rohren zu messen wenn die Pumpe läuft – ein einfaches Infrarot-Thermometer reicht. Dann weißt du wenigstens was tatsächlich rauskommt, egal was im Menü steht.
Das hab ich damals auch gemacht als ich verstehen wollte was meine Anlage bei Kälte wirklich macht (dazu hab ich übrigens hier mal was geschrieben: Wärmepumpe bei -20°C noch sinnvoll oder dann nur Stromfresser?). Messung schlägt immer Theorie.