Hallo zusammen,
ich plane gerade für nächstes Jahr den Austausch meiner alten Gasheizung gegen eine Luft-Wasser-Wärmepumpe und bin dabei auf mehrere Geräte mit R290 (Propan) als Kältemittel gestoßen. Der COP klingt verlockend und das Thema F-Gase-Verordnung macht R32 ja zunehmend problematisch.
Aber ich hab in verschiedenen Gesprächen immer wieder gehört, dass R290-Verdichter im Betrieb einige Besonderheiten mitbringen, über die man Bescheid wissen sollte. Mein Installateur hat das auch kurz angesprochen, aber nicht wirklich ausgeführt – er meinte nur, es gibt 'spezielle Anforderungen'.
Konkret würde mich interessieren:
- Gibt es Einschränkungen wo die WP aufgestellt werden darf (Keller, Garage, Innenraum)?
- Wie verhält sich der Verdichter bei sehr hohen Außentemperaturen im Sommer – wir haben hier im Saarland oft 35-38 Grad im Juli/August?
- Welche Wartungsvorschriften unterscheiden sich von R32-Geräten?
- Gibt es Druckgrenzen oder Abschaltbedingungen die ich kennen sollte?
Ich bin kein Techniker, versuche aber die Sache halbwegs zu verstehen bevor ich mich entscheide. Über konkrete Erfahrungen von Leuten die R290-WPs betreiben würde ich mich sehr freuen!
Danke schon mal
SilentHeat_87
also ich finds manchmal etwas übertrieben wie kompiziert das alles dargestellt wird. Klar, R290 hat seine Eigenheiten, aber die Hersteller haben das mittlerweile gut im Griff. Die Geräte die heute auf dem Markt sind – Bosch, Vaillant, Viessmann – die haben alle ihre Zulassungen und wenn man das ordentlich installieren lässt ist das kein Hexenwerk.
Was ich aber aus eigener Erfahrung sagen kann (hab letztes Jahr bei nem Kumpel mitgeholfen den Aufstellort zu planen): Die Mindestabstände zu Öffnungen, Fenstern und Türen die im Beiblatt stehen – die wirklich ernst nehmen! Nicht einfach ignorieren weil's grad praktischer wäre. Da gibt's konkrete Meter-Angaben und die sind nicht aus Jux da.
Kurze Ergänzung noch: Die Abschaltbedingungen sind je nach Hersteller verschieden, aber bei R290 schaltet die WP bei Hochdruckfehler oft nicht sofort wieder ein – manche Geräte warten 30 Minuten bevor sie einen Neustart versuchen. Im Sommer wenn's heiß ist und gleichzeitig Warmwasser angefordert wird, kann das nervig werden. Sollte man im Vorfeld mit dem Installateur besprechen wie das konkret beim gewählten Gerät gelöst ist.
Ich hab mich mit R290 bei W/W-Wärmepumpen schon auseinandergesetzt (hab dazu auch in diesem Thread einiges geschrieben), aber bei Luft/Wasser gelten nochmal etwas andere Rahmenbedingungen.
Der wesentliche Unterschied den ich in der Praxis sehe: Bei L/W mit R290 ist die Sache mit der Leitungsführung kritischer als bei Sole/Wasser, weil das Kältemittel durch mehr Länge zirkuliert und die Menge trotzdem unter den Sicherheitsgrenzen bleiben muss. Manche Hersteller lösen das mit kompakten Außengeräten wo der Großteil der Hydraulik draußen sitzt – dann ist die Inneneinheit eigentlich nur noch Hydromodul mit sehr wenig Kältemittel.
Wartung: Jede Kontrolle auf Dichtheit muss durch zertifiziertes Personal erfolgen. Im Leck-Fall darf das Kältemittel NICHT in die Umgebung abgelassen werden, muss abgesaugt und fachgerecht entsorgt werden. Das Handling erfordert Ex-geschütztes Werkzeug. Das macht Servicebesuche erfahrungsgemäß etwas teurer als bei R32.
Ich kenne mich mit dem Thema R290 von der Planerseite etwas aus. Was WP_Optimizer84 schreibt stimmt grundsätzlich, ich möchte noch ergänzen:
Die Installationsvorschriften nach EN 378 sind bei R290 deutlich strenger als bei R32, weil Propan zur Gruppe A3 (entzündlich) gehört. Das bedeutet in der Praxis: Der Installateur braucht eine spezielle Sachkunde für brennbare Kältemittel, nicht jeder Heizungsbauer darf das einfach machen. Das sollten Sie unbedingt prüfen!
Was den Betrieb bei Hitze angeht: Ich hab in einem anderen Thread schon mal geschrieben – ich plane gerade selbst einen Neubau (Neubau 2027 fertig: Wärmepumpe oder Pelletheizung – was ist günstiger?) und habe mich da auch mit verschiedenen Kältemitteln befasst. Die R290-Geräte haben konstruktionsbedingt oft etwas niedrigere maximale Kondensationstemperaturen, was bei starker Sommersonne auf dem Außengerät problematisch werden kann. Aufstellort gut planen, keine direkte Südwestausrichtung ohne Sonnenschutz.