Guten Tag zusammen,
ich stehe gerade mitten in der Planung meines Altersruhesitzes und bin dabei, das Heizsystem von Grund auf zu konzipieren. Entschieden habe ich mich für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe – welcher Hersteller es am Ende wird, steht noch nicht fest, aber das ist hier nicht das Thema.
Mein Heizungsbauer hat beim letzten Gespräch kurz das Thema Pufferspeicher angesprochen und meinte, ich solle mir gut überlegen ob ich einen einplane oder nicht. Da er keine klare Empfehlung gegeben hat, grübele ich seitdem selbst darüber nach.
Nun ist ja Juli und es ist warm, das Thema fühlt sich gerade etwas abstrakt an – aber den Neubau muss ich ja jetzt planen, nicht im Januar. Was ich bisher verstanden habe: Ein Puffer kann die Taktung der Wärmepumpe reduzieren. Aber ich habe auch gelesen, dass moderne Geräte eigentlich ohne Puffer auskommen, besonders wenn man Fußbodenheizung hat. Und die ist bei mir fest eingeplant.
Meine Fragen sind eigentlich ganz konkret:
- Lohnt sich der Puffer bei einem gut gedämmten Neubau mit FBH überhaupt?
- Macht es Sinn, den Platz schon beim Bau vorzusehen, auch wenn man ihn erstmal nicht einbaut?
- Gibt es Konstellationen bei einer Luft-WP, wo er wirklich einen messbaren Unterschied macht?
Für fachkundige Einschätzungen wäre ich sehr dankbar. Ich möchte keine Fehler machen, die ich später bereue.
Mit freundlichem Gruß,
H. Müller
Moin,
als Anlagenmechaniker sehe ich das täglich in der Praxis – und ich würde hier eine Nuance ergänzen, die oft vergessen wird.
Die Frage ist nicht nur ob ein Puffer prinzipiell Sinn macht, sondern welche Luft-WP Sie am Ende wählen. Es gibt Geräte, die intern schon eine Art hydraulische Weiche oder Mindestumlaufmenge vorgeben. Bei manchen Herstellern ist ein externer Puffer dann faktisch Pflicht laut Installationsanleitung, bei anderen wirklich optional. Das sollten Sie unbedingt prüfen BEVOR Sie sich für ein Gerät entscheiden – ich hab schon Anlagen gesehen, wo der Heizungsbauer das übersehen hat und dann nachträglich improvisiert werden musste.
Für die Heizlastberechnung Ihres Neubaus: die Grundlage stimmt bei einem gut geplanten Neubau meist, aber ich würde trotzdem auf ein ordentliches Berechnungswerkzeug bestehen und das Ergebnis vom Planer dokumentiert haben wollen. Hab dazu auch im Thread zu Heizlasttools was geschrieben, falls Sie da noch unsicher sind.
Kurz zusammengefasst: Geräteauswahl und Pufferfrage gehören zusammen, das eine bestimmt oft das andere.
Hallo Herr Müller,
die Frage ist durchaus berechtigt und ich höre sie im Kontext von Luft-WP-Neubauten öfter. Als jemand der sich intensiv mit Steuerung und Effizienz beschäftigt, würde ich das so einordnen:
Bei einem Neubau mit guter Dämmung und Fußbodenheizung ist der Pufferspeicher tatsächlich häufig nicht zwingend erforderlich. Die Fußbodenheizung selbst hat durch ihre große Wassermenge eine erhebliche Pufferwirkung – das System reagiert träge, und genau das ist in diesem Fall erwünscht. Moderne Luft-WP mit invertergesteuertem Verdichter können die Leistung stufenlos modulieren und laufen dadurch deutlich seltener in Kurztaktung als ältere Geräte mit Ein/Aus-Regelung.
Wo ich aber klar für einen Puffer plädieren würde: wenn Sie vorhaben, das System über eine Smart-Home-Anbindung und Zeitsteuerung zu optimieren – Stichwort Nachtarifnutzung oder PV-Überschuss. Da habe ich in meiner eigenen Anlage sehr gute Erfahrungen gemacht, im Thread zur Smart Home Zeitsteuerung hatte ich das auch schon beschrieben. Ohne Puffer ist diese Art von Lastverschiebung kaum sinnvoll umsetzbar.
Mein praktischer Rat: Platz und Anschlüsse im Technikraum vorsehen kostet fast nichts und gibt Ihnen alle Optionen offen. Den Puffer selbst können Sie immer noch nachrüsten, wenn der Bedarf entsteht.
Kurz von mir, weil ich gerade wenig Zeit habe: Bei Neubau + FBH + modulierender WP würde ich ohne konkreten Grund keinen Puffer einbauen. Mehr Komponenten = mehr Wartung = mehr potenzielle Fehlerquellen. Platz vorhalten macht aber Sinn, da stimme ich Klaus zu.