Moin zusammen,
ich bin Anlagenmechaniker und beschäftige mich schon länger damit, wie man Heizlastberechnungen möglichst präzise und praxistauglich durchführt – nicht nur auf dem Papier, sondern auch im direkten Vergleich mit Messdaten aus der Anlage selbst.
Jetzt im Sommer ist natürlich keine Heizlast zu messen, aber genau das ist für mich die interessante Zeit: Man kann in Ruhe die Tools vergleichen, Daten aus der letzten Heizsaison auswerten und sich für neue Projekte vorbereiten. Ich nutze aktuell eine Kombination aus einer Excel-basierten Eigenentwicklung nach EN 12831 und einer kommerziellen Software, aber ich frage mich, ob ich damit wirklich das Optimum raushole.
Konkret interessiert mich:
- Welche Software-Tools nutzt ihr für die Heizlastberechnung (kommerziell oder Freeware)?
- Wie vergleicht ihr die berechneten Werte mit den echten Messwerten aus dem Betrieb? Nutzt ihr Datenlogger, Wärmemengenzähler oder reicht euch das Anlagen-Monitoring?
- Hat jemand Erfahrung mit Tools, die die JAZ-Berechnung direkt mit der Heizlast verknüpfen?
Mich interessiert auch, ob jemand systematisch verschiedene Methoden verglichen hat – also nicht nur "das Tool hab ich verwendet", sondern wirklich Vor- und Nachteile aus der Praxis. Ich möchte am Ende eine Art kleinen Vergleich zusammenstellen und hier teilen, falls das für andere auch nützlich ist.
Bin gespannt auf eure Erfahrungen!
ThomasK89
Ich bin zwar noch in der Planungsphase und kein Profi wie du, aber ich hab mich für mein Neubauvorhaben auch schon durch verschiedene Online-Rechner gewühlt.
Heizlast.de hab ich ausprobiert, ist kostenlos und für eine erste Abschätzung ganz ok. Aber ich merke schon, dass die Ergebnisse stark davon abhängen wie gut ich die Gebäudedaten eingebe – und da fehlt mir als Laie einfach das Know-how für die Details.
Deine Frage zur JAZ-Verknüpfung find ich spannend, denn ich überlege gerade wie ich PV-Eigenverbrauch und Wärmepumpen-Betrieb später optimal aufeinander abstimme. Wenn die JAZ direkt aus der Heizlastberechnung abgeleitet werden kann, wäre das für die Planung super hilfreich.
Bin also sehr gespannt auf deinen Vergleich!
Ich kenn das aus der Praxis – 40 Jahre Heizungstechnik, da hat man einiges an Tools kommen und gehen sehen.
Früher war alles Handrechnung nach DIN, das hatte seinen eigenen Charme aber auch seine Fehlerquellen. Heute würde ich jedem Fachbetrieb Raumweise Heizlastberechnung nach EN 12831 empfehlen, und zwar mit einem ordentlichen Softwaretool. SOLAR-COMPUTER oder GEO-HAT sind mir aus der Zeit noch gut bekannt, ob die heute noch State of the Art sind müssten andere beurteilen.
Was mich ehrlich gesagt ein bisschen skeptisch stimmt bei deinem Ansatz: Die EN-12831-Berechnung ist nur so gut wie die Eingangsdaten. U-Werte, Luftwechselraten, Gebäudehülle – wenn da die Grundlagen nicht stimmen, nützt das beste Tool nichts. Ich hab in meiner Zeit etliche Anlagen gesehen wo die Berechnung auf dem Papier sauber war und in der Praxis trotzdem nicht gepasst hat.
Dein Ansatz mit Messungen aus dem Betrieb ist deswegen richtig gold wert. Zum Pufferspeicher-Thema hab ich übrigens drüben was geschrieben, das hängt ja direkt mit der korrekten Auslegung zusammen.
Von mir auch kurz dazu: Ich hab letztes Jahr bei meiner Altbau-Installation gemerkt dass die Heizlastberechnung vom Installateur ziemlich schnell und großzügig gemacht wurde. Im Nachhinein würde ich sagen die WP ist 1-2 kW überdimensioniert.
Für die Eigendiagnose nutze ich hauptsächlich das eingebaute Monitoring der WP und einen nachgerüsteten Wärmemengenzähler. Die Kombination aus beidem gibt mir zumindest ein Gefühl ob die Anlage effizient läuft. Ein richtiges Tool zur Heizlastberechnung hab ich nicht, aber ich frag mich ob es sowas auch für Nicht-Fachleute gibt – also etwas womit man die ursprüngliche Berechnung nachvollziehen oder prüfen kann ohne dass man Fachmann sein muss? Vielleicht kannst du das in deinem Vergleich mit berücksichtigen, also Usability für verschiedene Zielgruppen.
Hallo ThomasK89,
gute Fragestellung – ich mache das zwar nicht so professionell wie du, aber nach 8 Jahren mit meiner Luft-Wasser-WP habe ich mir angewöhnt, die Heizlastberechnungen vom Installateur immer kritisch zu hinterfragen.
Bei mir damals wurde mit einem vereinfachten Verfahren gearbeitet, das am Ende dazu geführt hat, dass die WP für mein Haus leicht überdimensioniert ist. Das macht sich zwar nicht dramatisch negativ bemerkbar, aber die Taktung ist höher als optimal.
Zur Software: Ich hab selbst keinen professionellen Zugang zu kommerziellen Tools, aber ein befreundeter Installateur schwört auf DÄMMWERK kombiniert mit eigenem Monitoring. Er sagt, der Vergleich zwischen berechneter und gemessener Heizlast über eine volle Heizsaison ist das Aufschlussreichste überhaupt. Gerade bei Altbauten weicht die Realität ja oft deutlich von der Berechnung ab.
Was ich persönlich mache: Ich lese die Betriebsdaten aus dem Regler monatlich aus und trage sie in eine einfache Tabelle ein. Damit kann ich zumindest die JAZ grob verfolgen. Kein professionelles Tool, aber für meine Zwecke ausreichend. Wäre interessiert an deinem Vergleich, wenn du ihn fertig hast!