Hallo zusammen,
wir planen gerade die Heizungssanierung für unser Einfamilienhaus (Baujahr 1988, ca. 160m², bereits Fußbodenheizung im EG, OG noch Heizkörper). Die Gasheizung ist 22 Jahre alt und wird diesen oder nächsten Winter sicher den Geist aufgeben – wir wollen lieber jetzt in Ruhe planen als im Dezember mit dem Rücken zur Wand stehen.
Jetzt beschäftigen wir uns seit Wochen mit der Frage: Luftwärmepumpe oder Erdwärmepumpe (Sole-Wasser)? Ich lese mich durch alles mögliche, aber komme nicht zu einem klaren Ergebnis. Einerseits hört man, die Erdwärmepumpe ist effizienter (höherer COP, gleichmäßigere Quelltemperatur), andererseits sind die Installationskosten massiv höher und wir wissen noch nicht ob unser Grundstück für eine Bohrung überhaupt geeignet ist.
Unsere Eckdaten: Grundstück ca. 600m², Garten halbwegs frei, Heizlast wurde noch nicht professionell berechnet (steht aber an). Wir haben auch eine kleine PV-Anlage mit 8,4 kWp seit letztem Jahr.
Fragen die mich umtreiben:
- Lohnt sich die Mehrinvestition der Erdwärme wirklich mittel- bis langfristig?
- Wie groß ist der Effizienzunterschied im Alltag wirklich?
- Gibt es Gründe, die klar FÜR die Luftwärmepumpe sprechen außer dem Preis?
- Was würdet ihr in unserer Situation empfehlen?
Freue mich über ehrliche Einschätzungen aus der Praxis, nicht nur Theorie!
Viele Grüße, T. Weber
Hallo T. Weber,
die Frage taucht hier immer wieder auf und ich versuche mal meine ehrliche Einschätzung zu geben.
Der Effizienzunterschied ist real, aber in der Praxis oft kleiner als auf dem Papier. Eine gut dimensionierte Luft-WP schafft heutzutage JAZ-Werte von 3,0 bis 3,8 in normalen deutschen Klimaverhältnissen. Eine Erdwärme-Anlage liegt oft bei 4,0 bis 4,8 – das ist spürbar, aber kein Quantensprung.
Der entscheidende Punkt bei euch: Ihr habt 8,4 kWp PV. Das verändert die Rechnung deutlich, weil ihr im Sommer billigen oder sogar kostenlosen Strom habt. Da relativiert sich der JAZ-Unterschied nochmal.
Das Grundstück mit 600m² ist für Erdkollektoren (flach) möglicherweise zu klein, abhängig von eurer Heizlast. Für Tiefbohrungen braucht ihr eine behördliche Genehmigung und geologisches Gutachten – das dauert und kostet extra. Ich hab mich damit im Thread Erdbohrung vs. Luftwärmepumpe - was ist für Neubau realistischer? auch schon auseinandergesetzt, da sind einige Erfahrungsberichte.
Meine Empfehlung ohne Kenntnis eurer genauen Situation: Erst Heizlastberechnung, dann Angebote für beide Varianten einholen und die Amortisation konkret durchrechnen. Pauschal ist da keine Antwort möglich.
Ich glaub das wichtigste wurde schon gesagt aber ich ergänze mal aus Planungsperspektive: Lasst euch auf keinen Fall von einem Installateur beraten der euch ohne Hausbesuch und Heizlastberechnung direkt eine Empfehlung gibt! Das hab ich leider schon zu oft gesehen. Dazu hab ich hier auch mal was geschrieben.
Ohne konkrete Zahlen – Heizlast, Grundwasserspiegel, Geologie, lokale Genehmigungslage – kann dir keiner seriös sagen was besser ist. Das Grundstück mit 600m² klingt machbar für Flachkollektoren wenn die Heizlast nicht zu hoch ist, aber da kommt es eben auf die Details an.
Was ich noch sagen würde: plant lieber jetzt im Sommer als zu warten. Die guten Installateure haben im Herbst keine Kapazitäten mehr und dann seid ihr genau in der Situation die ihr vermeiden wollt.
Ich bin selbst Altbaubesitzer und habe mich intensiv mit dieser Frage beschäftigt, bevor wir uns letztes Jahr für die Luftwärmepumpe entschieden haben.
Ein Punkt den ich vermisse in der bisherigen Diskussion: Habt ihr schon abgeklärt ob überhaupt Bohrrechte für euer Grundstück vergeben werden? In manchen Regionen ist das wegen Trinkwasserschutzgebieten oder Einschränkungen im Bebauungsplan gar nicht möglich. Das wäre dann eine schnelle Antwort auf eure Frage.
Zum Effizienzargument: Ja, Erdwärme ist im Winter stabiler. Aber die modernen Luft-WPs haben sich in den letzten Jahren erheblich verbessert, auch was das Verhalten bei niedrigen Außentemperaturen angeht. Ich hatte anfangs Bedenken wegen der Abtauung bei Frost – das war aber kein Problem in der Praxis. Über den Mythos mit der Heizpatrone bei Minusgraden habe ich da auch mal etwas geschrieben.
Für euren Fall – PV vorhanden, Baujahr 1988, gemischtes Heizsystem – würde ich sagen: Luft-WP ist der pragmatischere Weg. Ihr spart 8.000 bis 15.000€ Mehrkosten der Erdwärme und könnt dieses Geld in die Dämmung oder Heizkörpertausch im OG stecken. Das bringt unter Umständen mehr als der JAZ-Unterschied.