Die Faustregel die ich kenne: Bei 45/35 statt 70/55 hast du grob noch 50-55% der Nennleistung. Das variiert je nach Heizkörpertyp (Platte vs. Rippe usw.), aber als erste Abschätzung reicht das.
Das heißt im Klartext: Wenn dein alter HK auf 1000W ausgelegt war, schaffst du bei niedrigen Vorlauftemperaturen vielleicht noch 520W. Ob das für den Raum reicht hängt natürlich von der Heizlast ab – also wie gut der Raum gedämmt ist, Fensterflächen etc.
Die exakte Formel läuft über den Exponenten n (liegt bei Plattenheizkörpern meist bei 1,3, bei Rippenrohren eher 1,4) und die logarithmische Übertemperatur. Klingt schlimmer als es ist wenn man sich einmal durchgebissen hat. Ich hab das für mein Haus damals selbst gemacht – war machbar, hat aber ein paar Abende gedauert. Zu Stromverbrauch und Effizienz bei niedrigen VL hab ich da auch schon was geschrieben, das hängt ja direkt zusammen.
Ich habe ein Haus von 1971 und genau das gleiche Problem durchgekämpft. Mein ehrlicher Rat nach dieser Erfahrung: Für die Faustformel reicht was Werner beschrieben hat. Aber verlasse dich nicht blind drauf beim Tauschentscheid.
Bei mir war der Keller-Heizkörper laut Rechnung 'knapp ausreichend' bei 45°C Vorlauf. In der Praxis war der Raum dann doch zu kalt, weil die Heizlastberechnung nicht alle Wärmebrücken berücksichtigt hatte. Also lieber 10-15% Puffer einplanen wenn du neue Heizkörper kaufst.
Und noch was: Im Sommer ist jetzt ein guter Zeitpunkt genau hinzuschauen welche Räume überhaupt kritisch sind. Ich hab letzten Sommer einfach alle Heizkörpergrößen aufgeschrieben und dann im Herbst Angebote eingeholt. War gut vorbereitet und hat Zeit gespart. Der Handwerker war übrigens auch angetan, dass ich mit konkreten Zahlen kam statt nur zu sagen 'die Heizung tut's nicht richtig'.