Guten Tag zusammen,
ich bin seit einigen Wochen dabei, den Einbau einer Wärmepumpe zu planen und habe mich inzwischen auch um die Finanzierung gekümmert. Meine Bank hat mir einen Modernisierungskredit über rund 35.000 Euro angeboten, das klingt soweit vernünftig.
Nun habe ich aber ein praktisches Problem: Der Heizungsbauer kann frühestens im September anfangen, und ich rechne damit, dass die Bauphase – mit allem was dazugehört, Fußbodenheizung nachrüsten, neuer Pufferspeicher, Elektroarbeiten – locker bis Ende Oktober oder sogar November dauern kann. Das ist also ein ziemlich langer Zeitraum, in dem ich Handwerker bezahlen muss, aber die Anlage noch gar nicht läuft.
Meine Frage: Kann man bei solchen Krediten eine Ratenpause oder eine tilgungsfreie Anlaufzeit vereinbaren, bis die Arbeiten abgeschlossen sind? Meine Bank hat das kurz erwähnt aber nicht genau erklärt wie das funktioniert und ob das Zinsen kostet. Ich habe gelesen, dass die KfW sowas anbietet, aber ich weiß nicht ob das auch bei normalen Bankdarlehen so üblich ist.
Ich bin 74 Jahre alt und Rentner, habe nicht mehr soviel Erfahrung mit sowas – die letzte große Finanzierung war vor fast 30 Jahren beim Hauskauf. Daher bin ich für jeden Hinweis dankbar. Was haben andere hier erlebt? Gibt es eine übliche Regelung, oder hängt das komplett von der jeweiligen Bank ab?
Mit freundlichen Grüßen
Klaus
Hallo Klaus,
das Thema Ratenpause ist bei Modernisierungskrediten durchaus üblich, aber die Konditionen variieren stark je nach Bank und Produkt. Was deine Bank "tilgungsfreie Anlaufzeit" nennt, bedeutet meistens: Du zahlst in den ersten Monaten nur die Zinsen, aber noch keine Tilgung. Die eigentliche Rückzahlung beginnt dann erst nach Ablauf dieser Frist.
Das kostet natürlich etwas – weil der Kredit länger läuft und du die Zinsen in der tilgungsfreien Phase trotzdem bezahlst. Bei einem Zinssatz von z.B. 4% auf 35.000 Euro sind das grob gerechnet knapp 120 Euro pro Monat allein an Zinsen. Das ist überschaubar, aber man sollte es einkalkulieren.
Bei der KfW (z.B. Kredit 261) gibt es tatsächlich standardmäßig tilgungsfreie Anlaufjahre, das ist dort fest eingeplant. Bei Hausbankprodukten musst du konkret nachfragen und dir das schriftlich bestätigen lassen – am besten mit genauer Angabe der Laufzeit und ob die Zinsen monatlich fällig sind oder aufgeschlagen werden.
Ich hab mich mit solchen Finanzierungsfragen schon öfter beschäftigt, unter anderem bei der Planung meiner eigenen Anlage. Mein Tipp: Lass dir von deiner Bank ein konkretes Angebot mit und ohne tilgungsfreie Zeit aufzeigen – dann siehst du schwarz auf weiß was es kostet.
Hallo Klaus,
nur kurz: Ich würde an deiner Stelle unbedingt nachfragen, ob die Zinsen in der tilgungsfreien Phase angesammelt und auf die Restschuld aufgeschlagen werden – oder ob sie monatlich fällig sind. Das macht einen erheblichen Unterschied, besonders wenn die Bauphase länger dauert als geplant. Nicht alle Banken kommunizieren das proaktiv.
Das hatte ich hier im Forum auch schon in einem anderen Zusammenhang angesprochen – beim Thema Jahreskosten richtig vergleichen (Jahreskosten statt Anschaffungspreis vergleichen - richtige Methode?): Versteckte Zinseffekte werden gerne kleingerechnet, aber über die Laufzeit summiert sich das.
Lass dir auf jeden Fall den effektiven Jahreszins mit und ohne tilgungsfreie Zeit ausrechnen und vergleiche das.
Hi Klaus,
kurzer Hinweis noch: Ich hatte beim Förderungsantrag auch mit zeitlichen Verschiebungen zu kämpfen (hab das hier irgendwo im Forum schon mal beschrieben – Förderungsantrag gestellt, aber Installation erst 2027 - verfällt mein Anspruch?). Was ich dabei gelernt hab: Immer alles schriftlich festhalten und Fristen genau im Blick behalten.
Bei deiner Frage zur Ratenpause würde ich konkret nachfragen: Wie lange ist die tilgungsfreie Zeit maximal möglich, und was passiert wenn die Bauphase sich verzögert – kann man die Pause verlängern oder ist das fix? Das sind Punkte die man vorher klären sollte, nicht hinterher.
Ich hab mich mit Finanzierungsthemen eher weniger beschäftigt – mein Bereich ist mehr die technische Seite. Aber ich find den Hinweis von R.Hoffmann80 oben eigentlich den praktischsten: Es kommt wirklich auf deine konkrete Liquiditätssituation an, nicht auf irgendeine abstrakt "richtige" Lösung.
Was ich aber sagen kann: Die Bauphase bei sowas dauert oft länger als geplant. Wenn dein Heizungsbauer September sagt und November nennt als Puffer, rechne eher mit Dezember. Das Handwerk ist grade überall ausgelastet. Insofern wäre eine Ratenpause über mindestens 3-4 Monate realistisch einzuplanen, wenn du auf der sicheren Seite sein willst.