Hallo zusammen,
ich beschäftige mich derzeit intensiv mit Fehlermustern bei verschiedenen Wärmepumpen-Systemen und bin dabei auf eine interessante Frage gestoßen, die ich gerne mit euch durchdenken möchte.
Bei meinen Analysen von Betriebsdaten fällt mir auf, dass viele Hausbesitzer die langfristigen Kostenvergleiche zwischen Gas und Wärmepumpe zu simpel rechnen. Sie nehmen aktuelle Preise, rechnen linear über 20 Jahre und übersehen dabei entscheidende Faktoren.
Wenn ich mir die typischen Szenarien anschaue: Eine gut eingestellte Luft-Wasser-WP mit COP von 3,5–4,0 im Jahresverlauf, reguläre Wartungskosten, eventuell ein Strompreisanstieg von sagen wir 2–3% pro Jahr, und die steigende CO2-Abgabe auf Gas – wie würdet ihr das realistisch durchrechnen?
Meine Frage zielt nicht auf eine einfache Amortisationszeit ab, sondern auf die Gesamtkostenbetrachtung mit realistischen Annahmen zu Wartung, Reparaturen, Strompreisen und den Kostensteigerungen. Gibt es da einen bewährten Weg, wie ihr vorgehen würdet? Und wie sehr wirkt sich eine suboptimale Installation oder eine schlechte JAZ-Einstellung am Ende aus?
Freue mich auf eure Erfahrungen!
Ich beschäftige mich gerade damit, meine LWWP mit Smart Home zu steuern. Das kann auch den Kostenvergleich beeinflussen – wenn man präzise nachregeln kann, verbessert sich die Effizienz messbar. Interessant für die Gesamtrechnung, finde ich.
Aber ehrlich gesagt: Bei älteren Gasheizungen, die noch 10–15 Jahre durchhalten würden, ist die Rechnung teilweise immer noch eng. Das ist für mich persönlich der Knackpunkt der Debatte.
Nach 40 Jahren im Handwerk kann ich euch sagen: Das Entscheidende ist die Vorlauftemperatur-Absenkung. Wer die WP auf 45–50°C fahren kann, spart enorm. Bei Gas-Altanlagen sind das oft 60–70°C. Der Unterschied im COP ist riesig.
Und ja, die CO2-Abgabe macht Gas immer teurer. In 20 Jahren ist Gas um ein Vielfaches gestiegen, wenn es so weitergeht.
Sehr gute Frage, T.Weber! Das Problem bei solchen Vergleichen ist tatsächlich, dass die Grundlage – also die Heizlastberechnung und die damit verbundene Dimensionierung – entscheidend ist.
Wenn die Wärmepumpe von Anfang an falsch dimensioniert ist, kann selbst eine gute JAZ-Einstellung nicht retten. Ich habe mir angewöhnt, bei jedem Kostenvergleich folgende Schritte durchzugehen:
1. Präzise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 – das ist die Basis für alles
2. Realistische COP-Werte für das konkrete System und die Klimazone
3. Strompreisszenarien mit mindestens 2,5–3% jährlichem Anstieg
4. Wartungskosten Gas vs. WP differenzieren (Schornsteinfeger, Inspektionen vs. regelmäßige Wartung)
5. CO2-Preis-Entwicklung einbeziehen
Wenn ihr diese Punkte sauber durchrechnet, amortisiert sich eine WP im Neubau oder guten Altbau meist in 12–16 Jahren. Nach 20 Jahren liegt die Kostenersparnis bei einer WP oft bei 20–30% gegenüber Gas – aber nur, wenn die Installation kompetent erfolgt ist.