Hallo zusammen,
ich bin seit November letzten Jahres mit meiner neuen Luft-Wasser-Wärmepumpe am Start und ehrlich gesagt bin ich gerade etwas ratlos. Der Installateur hatte mir beim Kauf eine Jahresarbeitszahl von etwa 3,2 bis 3,5 in Aussicht gestellt, und den Stromverbrauch für unser Haus (Baujahr 1998, ca. 160m², teilweise gedämmt) auf grob 6.500 bis 7.000 kWh/Jahr geschätzt.
Jetzt haben wir gerade mal 7 Monate hinter uns und ich stehe schon bei fast 6.200 kWh laut Stromzähler (das ist der separate Zähler nur für die WP). Wenn das so weitergeht, lande ich am Jahresende irgendwo bei 9.000-10.000 kWh. Das wären dann locker 40% mehr als geplant.
Der Winter war soweit ich weiß nicht außergewöhnlich kalt hier in Mittelhessen, also das allein kann's nicht erklären. Warmwasserbereitung läuft auch über die WP, aber das war bei der Planung ja einkalkuliert.
Ich hab die Heizkurve noch auf den Werkseinstellungen, könnte das ein Problem sein? Und macht es Sinn, jetzt im Juni überhaupt damit anzufangen das zu analysieren, oder sollte ich lieber im Herbst einen kompletten Reset machen?
Bin für jeden Tipp dankbar, ich kenn mich mit der Technik ehrlich gesagt nur rudimentär aus.
Werkseinstellungen bei Luft-Wasser-WP sind fast immer zu konservativ konfiguriert. Das ist der häufigste Grund für überhöhten Verbrauch im ersten Jahr, das sehe ich immer wieder. Lass dir von deinem Installateur die tatsächlich gemessene Heizlast zeigen – die sollte bei der Inbetriebnahme dokumentiert worden sein. Wenn er die nicht hat, ist das bereits ein Hinweis auf die Planungsqualität.
Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt ist interessant – ich würd da nicht warten. Gerade jetzt im Sommer siehst du nämlich sehr gut, wie viel Strom die WP nur für Warmwasser verbraucht, weil Heizung ja kaum läuft. Das ist ein sauberer Ausgangspunkt.
Wenn du im Juni trotzdem noch 200-300 kWh/Monat verbrauchst, stimmt entweder was mit der Warmwassereinstellung nicht (zu hohe Temperatur? Legionellenschutzprogramm zu aggressiv?), oder es gibt Standby-Verluste die sich aufsummieren.
Zur Heizkurve auf Werkseinstellung: Ja, das ist in vielen Fällen ein Problem. Die Werkseinstellungen sind oft für Heizkörperhäuser ausgelegt mit deutlich höheren Vorlauftemperaturen als nötig. Jedes Grad zuviel kostet messbar Strom. Ich hatte dazu auch mal was zur Regelungsstrategie geschrieben, ist zwar ein anderes Thema aber die Grundlogik ist dieselbe: Prognose-Regelung mit Wetterdaten – bringt das wirklich was?
Kannst du mal posten, welche Vorlauftemperaturen du aktuell fährst und ob du Fußbodenheizung oder Heizkörper hast?
Bernd hat nen guten Punkt. Aber ich würd trotzdem parallel die WP-Seite checken. Gerade bei nem Neubau oder frischer Installation schleichen sich oft Einstellfehler ein die locker 15-20% ausmachen können.
Konkret: Was zeigt dir die WP selbst an? Die meisten modernen Geräte loggen Laufzeiten, Takte und Vorlauftemps. Wenn du 8-10 Takte pro Stunde siehst, dann taktet die WP zu viel und das frisst Effizienz.
Ich hab für unser Haus ne PV draufgepackt und dabei genau hingeschaut wie die WP morgens anläuft – da war auch erstmal alles auf Werkseinstellung und die Vorlauftemp war 12 Grad zu hoch eingestellt. Allein das hat nach Anpassung merklich was gebracht. Lohnt sich also auf jeden Fall jetzt im Sommer damit anzufangen, nicht erst im Herbst.
Ich frag mich ehrlich gesagt ob die Planung überhaupt seriös war. 6.500 kWh bei 160m² Baujahr 98 mit nur teilweiser Dämmung klingt für mich von Anfang an eher optimistisch. Da hätte ich als Richtwert eher 8.000 kWh angesetzt, je nach tatsächlichem Dämmzustand.
Bevor du an der WP selbst etwas veränderst würde ich erstmal prüfen: Wie ist die Hülle wirklich? Keller gedämmt? Dach? Fenster? Und was heißt 'teilweise gedämmt' konkret – Fassade von 1998 ohne Nachbesserung?
Bei einem Haus aus der Ära ohne vollständige energetische Sanierung sind 9.000-10.000 kWh nicht zwingend ein WP-Problem sondern einfach die Realität. Das heißt nicht dass man nichts optimieren kann, aber die Erwartung 'WP läuft schlecht' könnte auch 'Haus verliert zu viel Wärme' heißen.
Ich hab bei meinem Erdwärmeprojekt im Bestand ähnliche Erfahrungen gemacht – die tatsächliche Heizlast war deutlich höher als die Planung vermuten ließ.