Hallo zusammen,
ich plane gerade unsere Heizungssanierung und bin in der Recherchephase seit ein paar Wochen. Wir haben ein freistehendes EFH aus den 90ern, ca. 160m², aktuell noch Ölheizung. Die WP ist gesetzt – da sind wir uns einig. Aber jetzt kommt der Punkt, bei dem ich hin- und hergerissen bin: Unser Heizungsbauer hat uns vorgeschlagen, zusätzlich eine Solarthermieanlage zu integrieren, die vor allem die Brauchwarmwasser-Bereitung im Sommer übernimmt und die WP entlastet.
Von der Idee her klingt das gut – grade jetzt im Juli merkt man ja, wieviel Warmwasser die Familie verbraucht, und die Sonne wäre eigentlich gratis. Aber ich frage mich, ob der zusätzliche Aufwand (Kosten, Hydraulik, zweiter Pufferspeicher?) wirklich durch die Einsparungen gerechtfertigt wird. Oder ob eine moderne WP das alleine effizienter hinbekommt, ohne diesen ganzen Extra-Kram.
Was mich konkret interessiert:
– Hat jemand beides im Einsatz und kann Zahlen nennen?
– Wie komplex wird die Hydraulik dadurch?
– Gibt es Situationen, wo sich Solarthermie neben WP wirklich lohnt, und welche, wo man es lassen soll?
Wir haben auch eine nach Süden ausgerichtete Dachfläche, also theoretisch gute Voraussetzungen. Aber ich will nicht einfach mehr Technik einbauen, wenn der Nutzen fraglich ist. Über konkrete Erfahrungen würde ich mich sehr freuen!
Das ist eine Frage, die ich schon öfter gesehen hab – und die Antwort ist leider nicht pauschal. Ich hab mich damals im Kontext Erdwärmepumpe auch intensiv damit beschäftigt (hatte ähnliche Überlegungen, bevor ich mich gegen Solarthermie entschieden hab).
Die kurze Version: Solarthermie neben einer WP lohnt sich hauptsächlich, wenn dein Warmwasserbedarf hoch ist (Familie, viele Personen) und die WP im Sommer ineffizient laufen würde – also z.B. bei älteren Modellen ohne guten COP im Warmwasserbetrieb. Moderne Luft-Wasser-WPs mit Wärmepumpenboiler machen das aber inzwischen erstaunlich gut, gerade im Sommer bei 30°C Außentemperatur.
Der Knackpunkt ist die Hydraulik. Ein zweiter Pufferspeicher, Regelungstechnik für beide Systeme, Prioritätssteuerung – das addiert sich. Ich schätze, dass du mit allem drumherum schnell 6.000–9.000€ extra bist für die Solarthermiekomponenten. Die Amortisation liegt je nach Warmwasserverbrauch bei 12–20 Jahren, wenn überhaupt.
Meine persönliche Einschätzung: Wenn du PV-Option hast, würde ich das Geld lieber dort reinstecken und den WP-Strom mit Eigenstrom abdecken. Das rechnet sich in der Regel besser. Aber das ist natürlich eine andere Diskussion.
Ich würde noch einen Aspekt ergänzen, der hier bisher nicht kam: die Systemkomplexität im Alltag. Ich hab mich bei meiner eigenen Planung intensiv mit Hydraulikschemas beschäftigt (auch für Fußbodenheizung), und mehr Komponenten bedeuten mehr potenzielle Fehlerquellen.
Wenn du Solarthermie einbindest, brauchst du eine Regelung, die entscheidet: macht das der Solarkollektor, macht das die WP, oder beide? Das klingt trivial, ist in der Praxis aber manchmal eine Quelle für Probleme – gerade wenn die Prioritätsregelung nicht sauber eingestellt ist. Im schlimmsten Fall arbeiten beide Systeme gegeneinander oder der Speicher überhitzt.
Für ein Haus der 90er, das eh saniert wird, würde ich erst die Dämmung und die WP sauber auslegen lassen und dann in einem Jahr schauen ob überhaupt noch Optimierungsbedarf besteht. Oft stellt man fest, dass man weniger Energieaufwand hat als gedacht und das Thema Solarthermie sich von selbst erledigt. Lieber einfach halten und dann erweitern als von Anfang an maximale Komplexität reinnehmen.
Kurz von mir: Ich betreibe seit zwei Jahren WP ohne Solarthermie und hab das nie bereut. Im Sommer läuft die WP für WW super effizient, COP im Warmwasserbetrieb bei uns deutlich über 3. Da bringt Solarthermie kaum noch was obendrauf.
Ich seh das etwas anders als Klaus oben. Klar, PV ist oft effizienter – aber das setzt voraus, dass man beides finanzieren kann und will. Solarthermie ist in manchen Konstellationen sehr wohl sinnvoll, nämlich dann wenn man kein geeignetes Dach für PV hat oder die Investition in PV schon ausgeschöpft ist.
Ich hab hier zum Thema Wärmequellen mal etwas geschrieben, aber Solarthermie ist nochmal ein anderer Bereich.
Für dein konkretes Setup würde ich folgendes prüfen:
1. Wie groß ist dein Haushalt, wie hoch der tägliche WW-Verbrauch?
2. Welche WP ist geplant – hat die eine gute Warmwassereinbindung?
3. Hast du Platz für einen kombinierten Solarspeicher oder willst du wirklich zwei Speicher?
Ein kombinierter Schichtspeicher mit Solartauscher + WP-Anschluss kann die Hydraulik überschaubar halten. Das ist dann kein Monster-System, sondern gut beherrschbar. Zahlen kann ich dir nicht nennen, weil ich selbst keine Solarthermie betreibe – aber ein Bekannter von mir hat das im Neubau so gelöst und ist zufrieden.