Moin zusammen,
bin aktuell bei mehreren Altbau-Projekten (Baujahre 1965–1978) unterwegs und stelle immer wieder fest, dass Bauherren und teilweise auch Planer die grundsätzlichen Voraussetzungen für eine rentable WP-Installation unterschätzen. Nicht jeder Altbau ist gleich – und nicht jede Wärmepumpenart passt.
Ich arbeite ja hauptsächlich mit Wasser-Wasser-Systemen, weil die Effizienz in der Regel am besten ist. Aber bei der Grundwassererschließung stoße ich regelmäßig auf Überraschungen: unzureichende Ergiebigkeit, ungünstige hydrogeologische Verhältnisse, Altlasten im Untergrund, Genehmigungsprobleme mit den Behörden.
Meine Frage an euch: Welche technischen und organisatorischen Hürden erlebt ihr im Altbau am häufigsten, bevor es überhaupt an die Heizlastberechnung geht? Ich denke da an Dämmstandard, Heizkörpergröße, Elektroinstallation für höhere Leistung, Platzprobleme für Speicher oder Puffertank, Bohrarbeiten (auch bei Sole-WP), Genehmigungen – und wie würdet ihr einem Hausbesitzer pragmatisch erklären, wann eine WP wirtschaftlich sinnvoll ist und wann nicht?
Je praxisnäher, desto besser.
Gute Frage, M.Bachmann. Aus meiner Erfahrung mit energetischen Sanierungen ist das größte Missverständnis, dass viele Bauherren denken, eine WP könnte als Einzelmaßnahme wirken. In Altbauten funktioniert das nicht.
Bei mir steht am Anfang immer eine ehrliche Heizlastberechnung nach DIN EN 12831. Dann zeigen sich schnell die Probleme:
1. **Dämmstandard**: Viele 70er-Jahre-Bauten haben U-Werte von 0,8–1,2 W/m²K in der Gebäudehülle. Wenn ich nicht zumindest die oberste Geschossdecke und die Außenwände minimal verbessere, fahre ich mit einer LW-WP oder sogar Sole-WP in die JAZ-Falle – das rechnet sich nie.
2. **Heizkörper**: Da wird's kritisch. Alt-Radiatoren sind oft zu klein dimensioniert für niedrige Vorlauftemperaturen (35–45 °C), die eine WP effizient liefert. Entweder neue Heizkörper oder Fußbodenheizung – das kostet extra.
3. **Speicherplatz**: Puffer- oder Warmwasserspeicher brauchen Raum. In Dachgeschosswohnungen oder Reihenhäusern wird's eng.
Deine Wasser-Wasser-Systeme sind theoretisch ideal, aber die Genehmigungslage variiert regional massiv. Hast du da systematische Unterschiede zwischen Bundesländern beobachtet?
Eine Sache, die ich im Altbau oft unterschätzt sehe: die Elektroinstallation. Wenn die WP 16A Single oder sogar 3-phasig braucht und der Hausanschluss ist eine alte Sicherungsanlage, wird's teuer. Der Elektriker muss dann aufstocken.
Auch interessant: Viele alte Häuser haben Nachtspeicheröfen oder alte Stromdirektheizung. Das können Smart-Meter-Systeme gut regeln, aber viele Installateure nutzen die Chance nicht, um den Stromtarif zu optimieren.
Ich bin im Neubau unterwegs, aber ich hab ne Freundin, deren Altbau-Umbau gerade am Scheitern ist, weil das Denkmalschutzamt keine Außenwanddämmung genehmigt hat. Ohne geht die WP nicht wirtschaftlich. Also check ich das inzwischen immer ab, wenn's in der Familie Thema wird – Denkmalschutz, Ensembleschutz, alles kann blockieren.