Benachrichtigungen
Alles löschen

Lastverschiebung per Zeitprogramm vs. Smartmeter – was bringt mehr?

8 Beiträge
8 Benutzer
1 Reactions
24 Ansichten
WP_Optimizer84
Beiträge: 24
Themenstarter
(@wp_optimizer84)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 1 Monat
[#131]

Hallo zusammen,

ich beschäftige mich seit längerem systematisch mit der Frage, wie man den Strombezug einer Wärmepumpe optimal auf günstige Tarifzeiten verschieben kann – ohne dabei auf aufwendige Smart-Home-Lösungen angewiesen zu sein.

Mein aktueller Ansatz: ich nutze einfache Zeitprogramme in der WP-Steuerung, um die Warmwasserbereitung und das Vorheizen des Pufferspeichers in die Niedrigtarifzeiten zu legen. Das funktioniert im Winter gut, aber im Sommer ist das Bild diffuser – die Spreads zwischen Hoch- und Niedrigtarif sind bei meinem Anbieter deutlich geringer, und der Heizbedarf ist sowieso minimal.

Jetzt überlege ich, ob sich die Investition in einen Smartmeter-Gateway mit direkter Tarifsteuerung (also echte Echtzeit-Preissignale) rechnet. Meine Messtechnik zeigt mir genau, wann ich welche Leistungsspitzen habe, aber die reine Auswertung hilft nur begrenzt, wenn die Steuerung dann trotzdem starr bleibt.

Konkret würde mich interessieren:
- Hat jemand beide Varianten (Zeitprogramm vs. dynamischer Tarif mit Smartmeter) direkt verglichen und Messwerte?
- Wie hoch sind die JAZ-Unterschiede, die ihr dabei beobachtet habt – oder ist der Effekt auf die JAZ eher marginal und es geht hauptsächlich um Kostenoptimierung?
- Gibt es Erfahrungen mit der Reaktionszeit der WP, wenn Preissignale kurzfristig kommen?

Bin gespannt auf eure Erfahrungen, gerne auch mit konkreten Zahlen.


7 Antworten
WaermeFuchs88
Beiträge: 8
(@waermefuchs88)
Active Member
Beigetreten: Vor 3 Wochen

Ich bin zwar noch mitten in der Planungsphase für mein Reihenhaus, aber die Frage beschäftigt mich auch schon – nur von einer anderen Seite. Bei mir geht es erstmal darum, ob sich der ganze Aufwand für einen Altbau überhaupt lohnt, bevor die Anlage auch nur läuft.

Was ich bei meiner Recherche mitgenommen hab: Zeitprogramme sind für Altbauten erstmal der pragmatische Einstieg, weil man kaum Vorabinvestition braucht und die meisten Regelungen das von Haus aus können. Smartmeter-Gateway mit dynamischem Tarif klingt attraktiv, aber ich hab in mehreren Quellen gelesen, dass die tatsächliche Ersparnis stark vom Lastprofil abhängt. Wenn die WP sowieso moduliert und kaum Spitzen hat, verpufft der Effekt.

Zum JAZ-Einfluss kann ich noch nix sagen – ich hab noch keine eigene Anlage. Aber mich interessiert dein Punkt mit der Reaktionszeit sehr. Hast du schon getestet, wie deine WP auf kurzfristige Signale reagiert? Ich frag das, weil ich mich bei Warmwasservorrang und Umschaltzeiten auch schon gewundert hab, wie träge manche Systeme da sind.


Antwort
SmartPump_28
Beiträge: 13
(@smartpump_28)
Active Member
Beigetreten: Vor 1 Monat

Ich steuere meine WP über Home Assistant mit einem selbst geschriebenen Skript, das stündliche EPEX-Preise zieht und dann via SG-Ready schaltet. Fazit nach einem Winter und jetzt dem Sommer: Die Ersparnis ist real aber überschaubar – bei mir ca. 8-12% auf den WP-Stromkostenteil, nicht auf die Gesamtrechnung. Messbar, aber kein Gamechanger.

Das größere Problem ist tatsächlich die SG-Ready-Trägheit die hier schon angesprochen wurde. Die WP interpretiert das Signal manchmal anders als erwartet, und ich musste einiges debuggen bis das halbwegs zuverlässig lief. Wer keine Lust auf sowas hat, ist mit einem guten Zeitprogramm wahrscheinlich 80% des Weges mit 5% des Aufwands.


Antwort
Markus B.
Beiträge: 14
(@markus-breitner)
Active Member
Beigetreten: Vor 4 Wochen

Ich hab mich mit dem Thema auch intensiv beschäftigt, vor allem im Kontext der Amortisationsrechnung. Was mich an reinen Zeitprogrammen stört: Sie sind statisch und bilden nicht ab, was tatsächlich am Markt passiert. Im letzten Winter gab es mehrere Tage mit negativen Börsenstrompreisen mittags – wer nur nach Zeitplan steuert, verpasst das komplett.

Aber zur JAZ-Frage: Du hast recht, dass der direkte JAZ-Effekt gering ist. Indirekt kann Lastverschiebung aber schon was bringen, wenn man dadurch Betriebspunkte mit günstigerem COP bevorzugt. Konkret: Wenn ich die WP dazu bringe, nachts bei niedrigeren Außentemperaturen weniger und mittags bei wärmeren Temperaturen mehr zu laufen, steigt der COP leicht. Im Sommer ist der Effekt minimal, im Herbst/Frühling kann man da 0,1 bis 0,2 Punkte rausholen.

Zur Reaktionszeit: Das hängt stark von der Schnittstelle ab. SG-Ready ist träge (Stufensteuerung), Modbus oder proprietäre Protokolle sind deutlich reaktionsschneller. Hab das bei meinem Vergleich verschiedener Hersteller auch so dokumentiert – Gradtagzahlen helfen da übrigens auch beim fairen Jahresvergleich.


Antwort
Klaus H.
Beiträge: 11
(@klaushartmann71)
Active Member
Beigetreten: Vor 3 Wochen

Gute Frage, ich frage mich ähnliches, auch wenn ich noch ganz am Anfang stehe und erstmal die Heizlastberechnung richtig hinkriegen muss bevor ich ans Optimieren denke.

Aber der Punkt mit der Reaktionszeit hat mich aufgeweckt: Ich hab nicht gewusst dass da so ein Unterschied zwischen SG-Ready und Modbus besteht. Das werd ich bei meiner Planung im Hinterkopf behalten. Markus B. hat das ja gut erklärt – wenn die Schnittstelle träge ist, bringt der dynamische Tarif eh nicht viel wenn die WP erst mit 15 Minuten Verzögerung reagiert.


Antwort
Seite 1 / 2
Teilen: