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Heizkurve und Modulation einstellen – wo fange ich an?

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Sarah9686
Beiträge: 1
Themenstarter
(@sarah9686)
New Member
Beigetreten: Vor 4 Tagen
[#91]

Hallo zusammen,

ich beschäftige mich gerade in der heizungsfreien Zeit damit, unsere Wärmepumpe besser zu verstehen und für den nächsten Winter vorzubereiten. Jetzt im Sommer ist ja eigentlich der ideale Moment, das anzugehen, ohne Druck.

Wir haben seit letztem Herbst eine Luft-Wärmepumpe (Vorlauftemperatur war laut Installateur auf 45°C eingestellt, Fußbodenheizung im EG, Heizkörper im OG). Der Winter lief so halbwegs, aber ich hatte das Gefühl, dass die Wohnung nie so richtig gleichmäßig warm wurde und die Pumpe manchmal sehr oft an- und ausging.

Jetzt habe ich angefangen, mich mit Heizkurven zu beschäftigen und bin ehrlich gesagt etwas überfordert. Was genau steuert die Heizkurve? Und was hat das mit Modulation zu tun – ist das dasselbe oder was anderes? Ich habe gelesen, dass man die Steilheit der Kurve und den Fußpunkt einstellen kann, aber ich verstehe noch nicht, wie die beiden Werte zusammenhängen.

Außerdem: Wenn die Pumpe ständig taktet (also kurz an, kurz aus), liegt das an der Heizkurve oder eher an der Modulation oder an was ganz anderem?

Ich möchte das wirklich verstehen, nicht nur blind Werte verstellen. Gibt es eine gute Vorgehensweise, wie man das systematisch angeht? Am liebsten bevor der Herbst kommt.

Danke schon mal!


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4 Antworten
SkeptikerWP47
Beiträge: 22
(@skeptikerwp47)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 3 Wochen

Ich will da kurz einhaken, weil ich das etwas kritisch sehe: Viele stellen hier munter an der Heizkurve rum ohne vorher eine vernünftige Heizlastberechnung gemacht zu haben. Das ist ein bisschen wie Blindflug.

Wenn du nicht weißt, was dein Haus bei -10°C wirklich an Heizlast braucht, kannst du die Kurve gar nicht sinnvoll kalibrieren. Du weißt dann nicht, ob 45°C Vorlauf bei Auslegungstemperatur ausreicht oder ob du bei strengem Frost frierst.

Das Takten kann tatsächlich viele Ursachen haben – zu kleine hydraulische Weiche, zu hohe Mindestleistung der Maschine, falsch eingestellte Hysterese oder eben eine zu steile Kurve. Ohne mehr Infos zu deiner Anlage (Hersteller, Modell, Puffer vorhanden?) kann man das kaum eingrenzen. Ich wuerde nicht einfach anfangen zu verstellen sondern erst mal alle Istwerte dokumentieren und dann gezielt vorgehen.


Antwort
Tim_1991
Beiträge: 26
(@tim_1991)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 3 Wochen

Hey Sarah, gute Idee das jetzt im Sommer anzugehen – ich hab das letztes Jahr auch so gemacht und war froh, nicht mitten im Januar dran rumzuschrauben.

Kurz zur Grundlage: Die Heizkurve legt fest, wie hoch die Vorlauftemperatur sein soll, abhängig von der Außentemperatur. Steilheit bedeutet: je steiler, desto mehr erhöht die WP die Vorlauftemperatur, wenn es draußen kälter wird. Der Fußpunkt ist die Vorlauftemp bei moderaten Außentemperaturen (oft +10°C oder so). Die beiden Werte hängen zusammen, aber steuern unterschiedliche Bereiche der Kurve.

Modulation ist was anderes: Das ist die Fähigkeit des Verdichters, seine Leistung stufenlos zu regeln statt nur an/aus zu schalten. Wenn deine WP moduliert, läuft sie idealerweise kontinuierlich auf niedriger Last statt zu takten.

Das ständige Takten deutet oft darauf hin, dass die eingestellte Heizleistung zu hoch für den tatsächlichen Bedarf ist – das kann an einer zu hohen Minimalleistung des Verdichters liegen oder an der Heizkurve die zu steil eingestellt ist. Ich hab mich damals viel mit dem SCOP-Thema beschäftigt, das hat mir geholfen zu verstehen warum niedrige Vorlauftemperaturen so wichtig sind: COP und SCOP Werte - was bedeuten diese Begriffe und wie wichtig sind sie?

Erster Schritt: Schau mal ob du die Minimaldrehzahl des Verdichters in den Einstellungen findest. Und versuch die Heizkurve eher flacher zu machen als steiler.


Antwort
ThomasK71
Beiträge: 1
(@thomask71)
New Member
Beigetreten: Vor 5 Tagen

Was SkeptikerWP47 schreibt stimmt grundsätzlich, aber ich würde das für einen Heimanwender nicht so streng sehen. Man kann auch iterativ vorgehen, wenn man vorsichtig ist und dokumentiert.

Zur Technik: Heizkurve und Modulation sind tatsächlich zwei getrennte Regelkreise, die aber zusammenwirken. Die Heizkurve ist die sogenannte witterungsgeführte Regelung – sie gibt den Sollwert vor. Die Modulation ist das Mittel des Verdichters, diesen Sollwert zu erreichen, ohne ständig ein/aus zu schalten.

Bei gemischten Systemen wie deinem (FBH + Heizkörper) ist die Sache etwas komplizierter, weil die beiden Kreise unterschiedliche Temperaturniveaus brauchen. FBH läuft typisch mit 30-35°C Vorlauf, Heizkörper je nach Größe 45-55°C. Da braucht man entweder eine Mischerschaltung oder akzeptiert einen Kompromiss. Wie ist das bei euch gelöst?

Für die Einstellung selbst: Ich nutze KNX zur Anlagenüberwachung und sehe so sehr genau, wann und wie oft die Maschine taktet. Auch ohne KNX kann man im Logbuch der Steuerung oft Taktzyklen ablesen – das würde ich als ersten Schritt empfehlen bevor man was verändert.


Antwort
UweGabriel
Beiträge: 13
(@uwegabriel)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Wochen

Kurz und praktisch gesagt: Heizkurve erst mal flacher machen, beobachten, ob's noch warm wird. Wenn ja – super, effizienter. Wenn nicht – ein kleines Stück steiler. Das geht auch ohne Studium.

Das Takten kenn ich aus meinem Altbau gut, das war bei mir lange das große Thema. Irgendwann hat ein Installateur mir erklärt dass oft einfach zuviel Wärme erzeugt wird für den aktuellen Bedarf und der Puffer oder die Fläche das nicht puffern kann. Bei dir klingt das ähnlich.


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