Hallo zusammen,
ich bin seit letztem Herbst Besitzer einer Luft-Wärmepumpe (9 kW) und habe seit April dieses Jahres auch eine PV-Anlage mit 11,4 kWp auf dem Dach. Jetzt im Juni läuft die PV natürlich auf Hochtouren und ich frage mich, wie ich die beiden Systeme sinnvoll aufeinander abstimmen kann.
Mein konkretes Problem: Die WP läuft nach einem festen Zeitplan, den mir der Installateur damals eingestellt hat. Morgens und abends Warmwasser, dazwischen je nach Bedarf Heizung (die im Sommer natürlich kaum läuft). Aber wenn mittags die PV am meisten produziert, passiert bei der WP oft gar nichts, weil kein Bedarf gemeldet wird. Der Strom geht dann ins Netz – das Einspeisevergütung ist ja bekanntlich miserabel.
Jetzt frage ich mich: Wie koordiniert ihr das in der Praxis? Gibt es Möglichkeiten, der WP zu sagen "hey, jetzt ist PV-Überschuss vorhanden, mach was sinnvolles damit" – also z.B. Warmwasser auf Vorrat aufheizen oder den Pufferspeicher höher laden? Meine WP hat angeblich eine SG-Ready-Schnittstelle, aber ich hab noch nie damit was gemacht und weiß nicht wo ich anfangen soll.
Ich bin technisch nicht komplett unbegabt, aber kein Elektriker. Wir fahren Ende Juli in den Urlaub, da wäre es schon schön wenn das bis dahin irgendwie vernünftig läuft. Hat jemand Erfahrung damit wie man das ohne riesigen Aufwand hinbekommt?
Guten Tag Klaus,
das ist eine sehr sinnvolle Frage, die sich viele Besitzer von PV+WP-Kombinationen stellen. Ich habe mich in letzter Zeit ebenfalls intensiver mit der Auslegung solcher Systeme beschäftigt – unter anderem im Zusammenhang mit Heizlastberechnungen (da geht es zwar eher um die Dimensionierung, aber das grundsätzliche Verständnis hilft).
Zur Sache: Die SG-Ready-Schnittstelle Ihrer Wärmepumpe ist tatsächlich der richtige Ansatzpunkt. Über zwei potenzialfreie Eingänge kann der Wechselrichter (oder eine Steuerbox) der WP signalisieren, dass gerade günstiger oder überschüssiger Strom verfügbar ist. Im sogenannten Modus 3 erhöht die WP dann zum Beispiel die Warmwasser-Solltemperatur oder lädt den Pufferspeicher höher. Das ist technisch gesehen eine relativ einfache Verdrahtung.
Allerdings: Ob Ihr Wechselrichter das direkt unterstützt, hängt vom Hersteller ab. Viele moderne Wechselrichter (z.B. von SMA, Fronius, Kostal) haben das bereits integriert, ältere Modelle brauchen eine separate Steuerbox. Ich würde empfehlen, zuerst das Handbuch Ihres Wechselrichters zu prüfen und dann ggf. den Installateur zu fragen – vor Ihrem Urlaub im Juli sollte das eigentlich realisierbar sein, wenn jemand zeitnah verfügbar ist.
Kurz ergänzt zu WolfgangBs Antwort: Schau dir mal an ob dein Wechselrichter-Hersteller ne eigene App oder Steuerlogik mitbringt. Bei manchen klappt die SG-Ready-Anbindung quasi out of the box, bei anderen brauchst du ne extra Relaisbox für ~50-80€. Das ist dann wirklich kein Hexenwerk mehr. Den JAZ-Effekt im Sommer sollte man übrigens nicht überschätzen – die WP läuft bei hohen Außentemperaturen eh schon effizient, da ist der Zusatznutzen vom PV-Überschuss vor allem der vermiedene Netzbezug abends, nicht unbedingt eine bessere COP. Hatte dazu auch mal COP und SCOP Werte - was bedeuten diese Begriffe und wie wichtig sind sie? diskutiert – vielleicht hilft dir das zum Hintergrundverständnis.