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WRG-Wirkungsgrad: Was steckt wirklich hinter den Herstellerangaben?

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ThomasKreuter
Beiträge: 10
Themenstarter
(@thomaskreuter)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten
[#125]

Hallo zusammen,

ich lese mich gerade in das Thema Wärmerückgewinnung ein und stoße überall auf Zahlen wie "bis zu 90% Wirkungsgrad" – aber ehrlich gesagt weiß ich nicht, was das konkret bedeutet und ob ich diesen Angaben überhaupt trauen kann.

Ich bin grundsätzlich jemand, der Herstellerversprechen skeptisch begegnet. Bei Wärmepumpen hab ich gelernt, dass COP-Angaben aus dem Labor mit realen JAZ-Werten oft wenig zu tun haben. Jetzt frag ich mich: Ist das bei der WRG genauso? Was genau wird da gemessen, unter welchen Bedingungen, und welche Normen liegen dem zugrunde?

Konkret interessiert mich:
- Wie wird der Wirkungsgrad (oder Wärmebereitstellungsgrad?) überhaupt definiert?
- Was sind typische Bedingungen im realen Betrieb, die diesen Wert nach unten drücken?
- Gibt es unabhängige Prüfstellen oder Zertifizierungen, die halbwegs verlässlich sind – ähnlich wie Prüfberichte vom Fraunhofer für WP?
- Und: Was ist der Unterschied zwischen Wärmerückgewinnung und einfacher Wärmetauscher-Funktion – oder ist das dasselbe?

Ich frage im Juli bewusst, weil mir klar ist, dass WRG im Sommer eh anders läuft (Bypass etc.) – aber die Grundlagen will ich erstmal verstehen, bevor ich mich durch Prospekte von Zehnder, Helios oder wem auch immer wühle.

Danke schon mal für sachliche Einschätzungen – gerne auch wenn jemand sagt, dass meine Skepsis übertrieben ist.

Thomas


6 Antworten
R.Hoffmann80
Beiträge: 10
(@r-hoffmann80)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Ich hab das bei mir im Altbau so erlebt: Die Theorie klingt immer besser als die Praxis. Meine KWL läuft seit ein paar Jahren, und ich hab via KNX die Zu- und Ablufttemperaturen geloggt. Der tatsächliche Wärmebereitstellungsgrad liegt im Winter bei mir eher bei 78-82%, nicht bei den versprochenen 88%. Liegt wahrscheinlich an der nicht optimalen Kanalführung im Bestandsbau – hatte ich im Multisplit-Thread schon mal am Rande erwähnt, dass Leitungswege im Altbau immer Kompromisse sind.

Dein Ansatz, erstmal die Grundlagen zu verstehen, ist genau richtig. Ich würde empfehlen: nicht nur auf den Wärmebereitstellungsgrad schauen, sondern auch auf den spezifischen Stromverbrauch der Lüfter (SFP-Wert). Der wird gerne in Prospekten kleingedruckt. Ein hocheffizienter Wärmetauscher nützt wenig, wenn die Ventilatoren dauerhaft 150 Watt schlucken.


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Tobias-Renner
Beiträge: 9
(@tobias-renner)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Als jemand der gerade selbst noch in der Planung steckt – danke für die Frage Thomas, die hätte ich fast genau so stellen können!

Einen Punkt hab ich beim Recherchieren auch gefunden: Es gibt einen Unterschied zwischen Gegenstrom- und Kreuzgegenstromtauscher. Gegenstromtauscher schaffen theoretisch höhere Wirkungsgrade, werden aber in der Praxis seltener verbaut weil teurer. Die meisten günstigen Geräte arbeiten mit Kreuzgegenstrom und kommen auf 75-85% realistisch.

Für mich als Neuling war verwirrend, dass manche Anbieter mit "Wärmebereitstellungsgrad" werben und andere mit "Temperaturänderungsgrad" – das ist nicht dasselbe! Hab mich da ehrlich gesagt noch nicht ganz durchgefunden. Falls das jemand sauber erklären kann, wäre ich auch dankbar.

Mein Tipp: Hol dir mindestens drei Angebote von verschiedenen Installateuren ein und vergleich die nicht nur nach Preis, sondern auch nach den angebotenen Leistungen. Ich hab da gute Erfahrungen gemacht, wenn ich die Angebote nebeneinander gelegt hab - oft sind da massive Unterschiede bei Garantien und Wartungsumfang dabei. Angebot vergleichen für Wärmepumpen


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WolfgangH
Beiträge: 66
(@wolfgangh)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten

Thomas, deine Grundfragen sind gut gestellt. Als Ingenieur möchte ich aber einen Punkt klarstellen, der hier noch nicht präzise genug war: Es gibt drei verschiedene Kenngrößen die oft verwechselt werden.

1. Temperaturänderungsgrad (eta_t): rein thermisch, beschreibt nur den Tauscher
2. Wärmebereitstellungsgrad (WBG): berücksichtigt auch die Lüfterabwärme, deshalb rechnerisch manchmal >100% möglich bei bestimmten Definitionen
3. Feuchterückgewinnung: nur relevant bei Enthalpietauschern

Die EN 308 und EN 13141-7 legen fest wie gemessen wird. Ein Gerät kann nach EN 308 gut aussehen und nach EN 13141-7 mittelmäßig – je nachdem welcher Prüfpunkt betrachtet wird.

Für die Planung meiner Tochter habe ich gelernt: immer nach dem Prüfzertifikat mit vollständigem Prüfprotokoll fragen, nicht nur nach der Zertifikatsnummer. Manche Hersteller zertifizieren nur das günstigste Modell und übertragen die Angabe auf die ganze Gerätereihe. Das ist formal zulässig aber irreführend.


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MarkusT84
Beiträge: 44
(@markust84)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten

Kurze Ergänzung zum SFP-Wert den Rainer angesprochen hat: Ich logge das bei mir ebenfalls durch und kann bestätigen, dass die Lüfterleistung je nach eingestelltem Volumenstrom massiv schwankt. Bei meiner Anlage hab ich festgestellt, dass der Hersteller den SFP-Wert nur beim Nenn-Volumenstrom angibt – bei niedrigem Betrieb (Stufe 1-2 von 4) ist er deutlich günstiger, bei maximaler Lüftung steigt er überproportional. Das steht natürlich nirgends im Prospekt.

Für deinen Vergleich Thomas: Eurovent-Zertifikat und PHI-Zertifikat (Passivhausinstitut) sind die zwei unabhängigen Prüfzeichen, auf die ich schaue. Das PHI-Zertifikat ist strenger, wird aber nur für entsprechende Hochleistungsgeräte vergeben. Wer keins von beidem hat, würd ich skeptisch betrachten.


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