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Dezentrale Lüftungsanlage selbst einbauen - was brauche ich wirklich?

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Bernd H.
Beiträge: 15
Themenstarter
(@bernd-hoffmann)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten
[#82]

Hallo zusammen,

ich stehe gerade vor der Überlegung, ob ich mir eine dezentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung selbst einbauen kann oder ob ich dafür zwingend einen Fachbetrieb brauche. Wir haben ein Einfamilienhaus, Baujahr 1987, ca. 160qm Wohnfläche, keine bestehende Lüftungsanlage. Im Moment nutzen wir nur Fensterlüftung, was im Winter natürlich schlecht ist und Energie kostet.

Die Geräte selbst – ich schaue gerade auf dezentrale Einzel-Lüfter mit Gegenstromwärmetauscher, so wie man sie für je ein Zimmer einbaut – sehen von der Montage her recht simpel aus. Kernlochbohrung durch die Außenwand, Gerät einsetzen, elektrisch anschließen. Klingt erstmal machbar.

Meine konkreten Fragen:
- Brauche ich für die Kernlochbohrung in einer 36cm Außenwand (Kalksandstein) zwingend eine Spezialfirma oder geht das mit einem guten Leihgerät?
- Gibt es baurechtliche Vorgaben die das betreffen? Baugenehmigung? Ich wohne in NRW.
- Was muss ich bei der elektrischen Installation beachten – reicht eine normale Steckdose?
- Wie stelle ich sicher dass kein Schimmelproblem entsteht wenn ich die Positionen falsch wähle?

Hintergrund: Ich bin kein Handwerker vom Beruf, aber mache seit Jahren Renovierungen selbst. Sanitär und Elektro (Kleinarbeiten) traue ich mir zu. Mit dem Thema Lüftung bin ich aber noch nicht so vertraut.

Würde mich über Erfahrungen freuen die über Herstellerversprechen hinausgehen. Danke schonmal!


4 Antworten
SmartHeat_Tech
Beiträge: 51
(@smartheat_tech)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Die Kernlochbohrung ist definitiv der kritischste Punkt bei so einem Vorhaben. 36cm Kalksandstein ist machbar, aber du brauchst ein ordentliches Kernbohrgerät mit Wasseranschluss und Wandhalterung – das ist nicht mit einem normalen Schlagbohrer zu vergleichen. Leihgeräte gibt es beim Baustoffhandel oder bei manchen Baumärkten, kosten aber schnell 80-120€ am Tag, und wenn du mehrere Zimmer bohrst, ist das nicht ohne.

Zur Elektrik: Viele dezentrale Geräte laufen tatsächlich über normale Steckdose 230V, das ist kein Problem. Bei fest angeschlossenen Varianten wäre ein Elektriker Pflicht.

Baurechtlich ist in NRW für solche Wanddurchbrüche normalerweise keine Baugenehmigung nötig, solange es am eigenen Haus ist und keine Außenhülle statisch beeinflusst wird – aber schau mal kurz bei deiner Gemeindeverwaltung nach, die sind da manchmal pingelig.

Was die Positionierung angeht: Hersteller geben meistens Mindestabstände zu Ecken und Fensterlaibungen vor. Ich hab mich bei ähnlichen Planungsfragen immer an die DIN 1946-6 gehalten, die gibt eine gute Orientierung für Luftmengen pro Raum. Das würd ich mir auf jeden Fall mal ansehen bevor du anfängst.


Antwort
Thomas K.
Beiträge: 24
(@kritiker_1978)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Ich bin da etwas skeptischer als SmartHeat_Tech. Nicht wegen der Bohrung – das kriegt man hin – sondern wegen dem Gesamtkonzept.

Dezentrale Lüfter, die einzeln pro Zimmer arbeiten, sind in der Praxis oft weniger effizient als versprochen. Das liegt daran, dass die Geräte im Wechselbetrieb arbeiten (erst Luft raus, dann Luft rein) und die Wärmerückgewinnung daher nie so gut ist wie bei echter Gegenstromanlage mit getrennten Kanälen. Im Winter ok, aber wenn du dir erhoffst damit wirklich Heizenergie zu sparen, solltest du die Herstellerangaben mit Vorsicht genießen.

Dazu kommt: Ohne Konzept für das ganze Haus machst du dir schnell Druckungleichgewichte zwischen den Räumen, besonders wenn manche Zimmer Geräte haben und manche nicht. Das kann zu Zugluft, Geräuschen oder eben Schimmel in den unversorgten Bereichen führen.

Ich würd an deiner Stelle wirklich erstmal eine Lüftungsplanung nach DIN 1946-6 machen lassen – die kostet nicht die Welt und gibt dir Sicherheit. Hab das bei meinen Projekten auch immer so gemacht, spart am Ende mehr als man denkt.


Antwort
ThomasK
Beiträge: 45
(@thomask)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Kurz zur Elektrik, weil du das fragst: fast alle gängigen dezentralen WRG-Lüfter (Meltem, Lunos, etc.) laufen über Schukosteckdose. Reicht völlig. Manche haben sogar eigene Steuermodule die du per App regelst, da brauchst du gar nix weiter.


Antwort
ThomasK71
Beiträge: 15
(@thomask71)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Wie Kritiker_1978 schreibt, ist das Thema Druckausgleich zwischen den Räumen wirklich nicht zu unterschätzen. Ich hab bei mir daheim KNX-Steuerung integriert (hatten wir in einem anderen Thread schon, KNX-Bus mit WP verbinden) und dabei gemerkt wie sensibel Luftströmungen im Haus reagieren wenn mehrere Geräte gleichzeitig laufen.

Zur Ursprungsfrage: DIY beim Einbau selbst – ja, mit Sorgfalt machbar. Die Kernlochbohrung durch Kalksandstein ist handwerklich kein Hexenwerk wenn du das Werkzeug hast oder leihst. Was ich aber empfehle: vor dem Bohren unbedingt prüfen ob in der Wand Stromleitungen oder Armierungen liegen. Ortungsgerät ausleihen und damit erst abklopfen.

Für die Positionierung und Mengenauslegung würde ich mir trotzdem kurz professionellen Rat holen, zumindest eine telefonische Beratung. Manche Hersteller bieten das kostenlos an. Gerade bei einem 160qm-Haus mit mehreren Räumen willst du nicht hinterher festgestellen das zwei Räume permanent zu feucht bleiben weil die Luftmenge falsch geplant war. Den Sommer kann man noch gut nutzen um das sorgfältig zu planen bevor im Herbst die Heizperiode kommt.


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