Aus acht Jahren Altbaubetrieb kann ich dazu einiges sagen. Bei uns war das fast jedes Jahr ein Thema, gerade weil das alte Rohrsystem aus den 60ern immer wieder für Überraschungen gesorgt hat.
Das Wichtigste im Sommer: Entlüftung, Entlüftung, Entlüftung. Auch wenn man meint das ist alles in Ordnung – Luft sammelt sich über die Heizsaison trotzdem immer wieder an, und im Sommer mit niedrigem Systemdruck zeigt sich das besonders deutlich. Einfach alle Heizkörper durchgehen und entlüften. Kostet nichts und bringt oft mehr als man erwartet.
Dann würde ich den Systemdruck prüfen – der sinkt gerne über den Sommer wenn es kleine undichte Stellen gibt. Wenn ich vor der Heizsaison nachfüllen musste, war bei uns meist irgendwo eine mini Leckage dahinter.
Und ja, Stefan – die JAZ-Schwankung könnte tatsächlich an schlechter Durchströmung liegen, aber schau auch mal ob deine Heizkurve noch passt. Bei mir hat eine leicht falsch eingestellte Heizkurve mal fast einen halben JAZ-Punkt gekostet, das war frustrierend. Meine Kostenaufstellung gibt da auch ein paar Hinweise zu den laufenden Optimierungen.
Ich bin zwar noch in der Planungsphase und hab noch keine eigene WP in Betrieb, aber das Thema interessiert mich trotzdem weil ich das bei meinem Neubau von Anfang an richtig machen will.
Eine Frage in die Runde: Macht es Sinn, bei einem Neubau schon von Beginn an bestimmte Heizkörpertypen zu wählen, die weniger wartungsintensiv sind? Ich hab gelesen dass manche Ventile deutlich robuster sind als andere, aber ich blick da noch nicht ganz durch welche Hersteller da wirklich besser sind.
Und zu Stefans Frage – ich frag mich ob die niedrigere JAZ vielleicht auch andere Ursachen hat? Im Winterm 22/23 war es ja teileweise deutlich kälter, das drückt die JAZ doch automatisch nach unten, unabhängig von den Heizkörpern. Nicht dass ich das als Erklärung ausschließe, aber vielleicht erstmal alle Möglichkeiten im Blick behalten.
Gute Idee, den Sommer dafür zu nutzen – machen wir als Anlagenmechaniker eigentlich auch so bei Kunden, wenn die Terminlage lockerer ist.
Zur ungleichmäßigen Wärmeverteilung: Das erste was ich immer prüfe sind die Ventileinsätze, besonders bei älteren Heizkörpern. Die können verschleißen oder sich durch Ablagerungen zusetzen. Im Sommer ist das ideal, weil du den Ventileinsatz wechseln kannst ohne dass jemand im kalten Raum sitzt.
Auch die Thermostatköpfe würde ich durchgehen – einfach mal abziehen, Stift prüfen ob der sich frei bewegt. Klemmt der Stift, heizt der Heizkörper entweder dauerhaft zu viel oder zu wenig. Das passiert öfter als man denkt, gerade nach einem Sommer Stillstand.
Für den hydraulischen Abgleich: Falls du den noch nicht gemacht hast oder er schon älter ist, wäre jetzt ein guter Zeitpunkt die Einstellwerte an den Ventilen zu kontrollieren. Ich nutze dafür selbst eine Kombination aus Berechnungstool und Durchflussmessung – hab dazu auch mal was geschrieben: Heizlastberechnung-Software im Vergleich: was nutzt ihr in der Praxis?
Kurz gesagt: Ventileinsätze, Thermostatköpfe, Entlüftung und hydraulische Einstellwerte – das sind die vier Punkte die ich immer zuerst angehe.