Liebe Forumsgemeinde,
ich beschäftige mich derzeit mit der genauen Heizlastberechnung für einen unsanierten Altbau aus den 1960ern. Mein Hauptproblem: Bei den klassischen Berechnungsmethoden (DIN EN 12831) komme ich auf Vorlauftemperaturen zwischen 50–65 °C, je nachdem ob ich die Gebäudehülle mit U-Wert 1,2 oder 1,5 W/(m²K) ansetze.
Die installierende Fachfirma meint, mit 45 °C würde es auch gehen – könnte man ja später optimieren. Das macht mich skeptisch. Eine zu niedrig angesetzte Vorlauftemperatur führt ja entweder zu Komfortproblemen oder zum ständigen Einsatz des Heizstabs, was die JAZ ruiniert.
Meine Frage: Wie würdet ihr bei solchen schwer zu quantifizierenden Altbauten vorgehen? Reicht es, die vorhandenen Heizkörper zu vermessen und deren Leistung bei verschiedenen Temperaturen zu prüfen? Oder sollte man auf Nummer sicher gehen und mit 55 °C dimensionieren, auch wenn die Wärmepumpe dann mit besserer JAZ nicht vollständig ausgelastet wird?
Ich möchte das Ganze mit Smart-Home-Monitoring aufzeichnen können – daher ist eine fundierte Grunddimensionierung für mich essentiell.
Danke für eure Erfahrungen!
Für dich als Elektrotechniker möchte ich noch einen Aspekt anfügen, der oft übersehen wird: Die Warmwasserbereitung. Viele WP-Installateure dimensionieren die Vorlauftemperatur nach dem Heiz-Fall, vergessen aber, dass du für legionellensicheres Warmwasser mindestens 55 °C brauchst – und zwar verlässlich, nicht nur an kalten Tagen. Das bedeutet oft, dass ohnehin 55 °C als Mindest-Vorlauf sinnvoll ist. Mit einer durchdachten Speicher- und Schaltlogik (Frischwasserstation oder integrierter Speicher mit intelligenter Steuerung) lässt sich das aber sehr effizient lösen.