Moin zusammen,
ich mache mir seit Wochen Gedanken über die Finanzierung einer Luft-Wasser-Wärmepumpe und stoße dabei auf etwas, das mich ehrlich gesagt zunehmend skeptisch macht: die Frage nach der sinnvollen Kreditlaufzeit.
Die Installateurbetriebe und viele Onlinerechner empfehlen pauschal 15-20 Jahre Laufzeit, weil die monatliche Rate dann 'angenehm niedrig' bleibt. Klingt erstmal gut. Aber wer schon länger in der Materie ist, weiß: Wärmepumpen haben Verschleißteile, Kältemittelwechsel stehen an (R32 wird ja auch irgendwann problematisch), Kompressoren laufen nach 10-15 Jahren oft auf Reserve. Was passiert, wenn nach 12 Jahren die erste große Reparatur kommt und ich noch 8 Jahre Schulden abbezahle?
Andererseits: Bei 10 Jahren Laufzeit ist die monatliche Belastung deutlich höher. Bei einem Gerät, das – wenn man ehrlich ist – oft nicht die versprochene Jahresarbeitszahl erreicht und damit auch die Stromeinsparung geringer ausfällt als erhofft, kann das schnell eng werden.
Mich interessiert, wie ihr das in der Praxis angegangen seid. Habt ihr euch für eine kurze oder lange Laufzeit entschieden und warum? Hat jemand erlebt, dass die laufenden Kosten (Strom, Wartung, unerwartete Reparaturen) die Finanzierungsplanung durcheinandergeworfen haben?
Keine Hochglanzantworten bitte – mich interessiert, was wirklich passiert ist.
Kurz von meiner Seite: 20 Jahre Laufzeit bei einem Gerät, dessen Kerntechnik nach 15 Jahren möglicherweise nicht mehr auf aktuellem Stand ist – das ist für mich schlicht nicht akzeptabel. Ich würde maximal 12 Jahre ansetzen und lieber eine etwas höhere Rate in Kauf nehmen.
Die Frage nach der Laufzeit ist eigentlich die falsche Frage, wenn man die Gesamtkosten nicht kennt. Und die kennt man eben nicht, solange man keine echten Verbrauchsdaten hat.
Ich messe seit Jahren selber am Wärmemengenzähler und kann dir sagen: Die JAZ-Werte, die Hersteller in ihre Prospekte schreiben, erreichen viele Geräte unter realen Bedingungen schlicht nicht. Warmwasserbereitung, Abtauzyklen, Standby – das alles frisst Strom, der in keiner Marketingrechnung auftaucht. Hab das auch mal im BAFA-Thread angesprochen.
Wenn du also eine Finanzierung über 15-20 Jahre planst und deine Einsparungsrechnung auf Herstellerangaben basiert, baust du auf Sand. Mein Tipp: Erst mal ein Jahr mit einem Leihgerät oder ähnlichem messen, dann finanzieren. Ist utopisch, ich weiß – aber ehrlicher als die übliche Kalkulation.
Ich steck selbst gerade mitten in der Installation und hab null Erfahrung mit sowas, aber die Frage beschäftigt mich auch! Hab beim BAFA-Antrag schon gemerkt wie kompliziert das alles wird (hab dazu hier gepostet: BAFA-Förderung beantragen während Installation läuft).
Ich hab mich für 15 Jahre entschieden, weil mir die Rate bei 10 Jahren zu hoch war. Ob das klug war, kann ich noch nicht sagen. Drückt mir die Daumen dass die WP keine bösen Überraschungen bringt 😅
Ehrlich gesagt finde ich die Fragestellung zu isoliert. Die Kreditlaufzeit allein sagt wenig aus – entscheidend ist, was man ihr gegenüberstellt.
Ich hab mich intensiv mit PV+WP-Kombinationen und deren tatsächlichen Eigenverbrauchsquoten beschäftigt. Was dabei immer wieder auffällt: Die Finanzierungsrechnungen gehen von optimistischen Szenarien aus – hohe Eigenverbrauchsquote, stabile Strompreise, keine großen Reparaturen. In der Realität sieht das anders aus. Gerade im Sommer hört man dann: die WP läuft ja kaum, da ist das kein Problem. Stimmt – aber der Winter holt alles rein und dann können Engpässe entstehen.
Meine Empfehlung: Wer finanziert, sollte drei Szenarien durchrechnen – Best Case, Realistic Case und Worst Case mit echten Reparaturkosten. Und dann schauen, bei welcher Laufzeit der Worst Case noch tragbar ist. Klingt aufwändig, ist es auch. Aber besser als nach 7 Jahren festzustellen dass man sich verrechnet hat.