Hallo zusammen,
als Ingenieur im Bereich Gebäudesanierung beschäftige ich mich gerade mit der korrekten Dimensionierung von Luft-Luft-Wärmepumpen für verschiedene Bestandsobjekte. Dabei bin ich auf ein grundsätzliches Problem gestoßen, das ich gerne mit euch diskutieren möchte.
Bei der Planung von Luft-Luft-Systemen für Bestandsgebäude stelle ich fest, dass die Heizlastberechnung nach DIN 12831 oft zu Über- oder Unterdimensionierung führt. Viele Planer verwenden hier einfach die Bruttowohnfläche mal 70-100 W/m², was aus meiner Sicht zu pauschal ist – gerade bei sanierungsbedürftigen Altbauten mit heterogenen Dämmstandards und unterschiedlichen Nutzergewohnheiten.
Meine Frage: Wie geht ihr vor, um für ein konkretes Bestandsgebäude (sagen wir 120 m² Wohnfläche, Baujahr 1985, teilweise renoviert) die richtige Leistungsgröße der Luft-Luft-WP zu wählen? Nutzt ihr spezielle Simulationssoftware oder verlasst ihr euch auf standardisierte Berechnungsverfahren?
Über Erfahrungsberichte freue ich mich. Danke!
Moin Marcus,
da sprichst du einen wichtigen Punkt an. Aus meiner jahrzehntelangen Erfahrung im Handwerk kann ich dir sagen: Die pauschalen Formeln funktionieren im Schnitt ganz gut, aber beim individuellen Objekt musst du tatsächlich genauer hinschauen.
Bei meiner letzten Sanierung – Baujahr '78, 140 m² – hat mir ein lokaler Energieberater eine detaillierte U-Wert-Analyse gemacht, räumlich aufgeschlüsselt. Rausgekommen ist: 8 kW Heizlast statt der vorher berechneten 12 kW. Das macht bei der Wahl zwischen 9er und 12er Anlage einen großen Unterschied beim Preis.
Mein Tipp: Besorgt euch die Baupläne, messt nach und arbeitet mit aktuellen Wärmeverlusten pro Raum. Für Altbauten würde ich ehrlich sagen: Lieber eine Nummer kleiner dimensionieren und im extremen Winter ein wenig mit einer Gas-Heizung zuschalten als eine Überanlage, die ständig schaltet. Die JAZ leidet darunter.
Vielleicht kennt ihr auch einen Energieberater vor Ort, der sowas macht?