Hallo zusammen,
wir bauen gerade unser Traumhaus und stehen vor einer kniffligen Entscheidung. Unser Architekt hat uns eine Sole-Wasser-WP empfohlen, aber der Bodengutachter hat jetzt ziemlich schwierige Verhältnisse festgestellt.
Zur Situation: Wir haben hier sehr fetten Lehmboden ab etwa 1,5m Tiefe, der bei Nässe richtig aufquillt. Zusätzlich läuft da eine alte Drainage vom Nachbarn durch unser Grundstück (ca. 3m tief), die wir nicht verlegen dürfen. Der Bohrfachbetrieb meint, das könnte problematisch werden wegen der Quellung und dem Grundwasserstrom.
Jetzt im Juni hätten wir eigentlich gerne Klarheit, weil der Rohbau bis August steht und wir dann die Haustechnik brauchen. Eine Luft-Wasser-WP wäre die Alternative, aber die ist ja gerade im Sommer nicht so effizient für die Kühlung.
Hat jemand von euch Erfahrung mit ähnlichen Bodenverhältnissen? Lohnt sich der Aufwand mit speziellen Bohrtechniken oder sollten wir doch auf Luftwärme umsteigen? Die Mehrkosten für schwierige Bohrungen sind ja auch nicht ohne...
Danke schonmal für eure Hilfe!
Bei Lehmboden würde ich sehr vorsichtig sein. Das Material neigt nicht nur zur Quellung, sondern kann auch die Wärmeübertragung verschlechtern. Die thermische Leitfähigkeit von quellfähigem Ton liegt oft unter 1,5 W/mK, während man für effiziente Erdwärmenutzung idealerweise über 2,0 W/mK braucht.
Die Drainage ist definitiv ein Knackpunkt. Selbst wenn sie alt ist, kann sie bei Starkregen wieder aktiviert werden und dann Feinsedimente in die Sonde spülen. Das würde die Wärmeübertragung zusätzlich verschlechtern.
Mein Rat: Lass eine Probebohrung mit Thermal Response Test machen. Kostet etwa 3.000€, aber dann weißt du genau, was möglich ist.
Hallo Tobias,
solche Lehm-Probleme kenne ich gut aus der Praxis. Bei mir wars damals ähnlich, allerdings ohne die Drainage-Geschichte. Der Trick ist meist eine andere Bohrtechnik - statt normalem Spülverfahren sollte mit Verrohrung gearbeitet werden. Das kostet zwar 2-3k mehr, aber verhindert das Kollabieren.
Wegen der Drainage: Lass mal prüfen, ob die überhaupt noch funktioniert. Viele alte Drainagen sind nach Jahren dicht und machen gar keine Probleme mehr. Wenn sie noch läuft, müsste man mindestens 5m Abstand halten.
Für den Sommer ist Sole definitiv besser als Luft-Wasser. Hab ich hier schon mal erklärt - die Effizienz ist einfach viel konstanter.
Ehrlich gesagt bin ich bei solchen "schwierigen" Böden immer skeptisch. Die Bohrfirmen reden das oft schön, weil sie an den Mehrkosten verdienen. Am Ende hast du dann ne teure Sonde, die nicht richtig funktioniert.
Würde an deiner Stelle für den Neubau gleich auf Luft-Wasser setzen. Die neuen Geräte arbeiten auch im Sommer sehr effizient, und du sparst dir den ganzen Bohrstress. Außerdem: wenn später mal was ist, kommst du an die Technik ran.
Drainage plus Lehm - das klingt für mich nach Problemen vorprogrammiert.
Wie Werner schreibt, ist die Bohrtechnik entscheidend. Bei uns hatte der Nachbar ähnliche Probleme, und sie haben dann mit Verrohrung und speziellem Hinterfüllmaterial gearbeitet. Hat funktioniert, kostete aber deutlich mehr.
Alternativ könnte auch ein Erdkollektor eine Option sein, falls ihr genug Platz habt? Der braucht nur 1,2-1,5m Tiefe und umgeht die Lehm-Problematik. Allerdings brauchst du dann etwa die doppelte Grundstücksfläche als Kollektorfläche.
Für die Kühlung im Sommer ist das auf jeden Fall besser als Luftwärme - da hast du recht.