Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit einigen Monaten intensiv mit der Frage, ob die oft gepriesene Kombination aus PV-Anlage und Wärmepumpe mit Smart Home Steuerung sich am Ende wirklich so rechnet wie einem das überall suggeriert wird.
Konkret geht es mir um folgendes: Viele Anbieter und Berater werfen mit Eigenverbrauchsquoten von 60-70% um sich, wenn man PV und WP clever über ein Smart Home System koppelt. Aber wie realistisch ist das wirklich, wenn man die WP im Sommer kaum braucht und im Winter die PV wenig liefert? Genau dann wenn man Strom bräuchte, scheint mir die Rechnung zu kippen.
Dazu kommt die Förderfrage. BAFA, BEG, KfW – klingt alles toll, aber ich hab von mehreren Leuten gehört, dass die Bedingungen so eng gesteckt sind, dass man schnell durch einen Formalfehler rausfällt oder der Energieberater einen Strich durch die Rechnung macht. Was bleibt also netto wirklich übrig, wenn man alle Kosten für Installation, Gateway, Energieberater, ggf. Batteriespeicher gegenrechnet?
Mich interessiert speziell: Wer hat das wirklich durchgerechnet und kann echte Zahlen teilen, nicht nur Hochglanzprospekte? Bringt die Smart Home Integration messbar etwas beim Eigenverbrauch, oder ist das vor allem schicke Technik die man sich gönnt? Was hat euch bei der Förderung am meisten aufgehalten?
Freue mich auf ehrliche Einschätzungen!
Ralf H.
Als Rentner hab ich Zeit, sowas wirklich durchzurechnen – und ich rate zur Nüchternheit. Bei meiner Planung der Luft-Wasser-WP hab ich alle Zahlen selbst in eine Tabelle gepackt. Ergebnis: Die Smart Home Integration allein amortisiert sich bei mir nie, wenn ich nur die Hardware- und Installationskosten ansetze. Was sich rechnet ist die Kombination: günstigerer WP-Tarif, optimierter Eigenverbrauch, weniger Netzstrom. Zusammen kommt man dann auf 6-10 Jahre Amortisation für das Gesamtpaket. Wer dir weniger verspricht, rechnet wahrscheinlich mit zu optimistischen Strompreisannahmen.
Zum Thema Altbau vs Neubau – das macht übrigens einen riesigen Unterschied bei den erreichbaren Eigenverbrauchsquoten, weil der Wärmebedarf und damit die mögliche Puffermenge ganz anders ist. Hab das hier schon mal ausführlich beschrieben.
IT-seitig kann ich ein paar konkrete Zahlen beisteuern. Ich steuere meine LW-WP über Home Assistant mit Modbus – dazu hab ich hier ausführlich berichtet. Meine gemessene Eigenverbrauchssteigerung durch PV-optimierte WP-Steuerung liegt bei ca. 11% gegenüber dem reinen Zeitprogramm. Bei einem jährlichen WP-Stromverbrauch von ~3.200 kWh und 30 ct/kWh Netzstrompreis vs 8 ct/kWh Eigenverbrauchskosten sind das rund 100€ pro Jahr zusätzliche Ersparnis durch die Automatisierung.
Die Hardwarekosten für ein sauberes Setup mit Gateway, Sensoren und Hardware für Home Assistant lagen bei mir bei ca. 600-800€, plus eigene Arbeitszeit die ich als IT-ler nicht berechne. Amortisation rein durch die Eigenverbrauchsoptimierung: 6-8 Jahre. Lohnt sich nur wenn man den Rest auch nutzt – also Monitoring, Fehlerfrüherkennung, Komfort. Wer nur die Euros zählt: eher knapp.
Ich komm eher vom Thema Fußbodenheizung und Wartung, aber die Wirtschaftlichkeitsfrage kenn ich auch. Mein Rat: Rechne erstmal ohne Smart Home ob PV+WP für dich passt. Wenn ja, dann überleg ob Smart Home on top sinn macht. Das sind eigentlich zwei getrennte Entscheidungen die viele durcheinander werfen.
Ralf, ich hab mich mit dem Thema Batteriespeicher und Zyklen auch schon auseinandergesetzt – dazu hab ich in diesem Thread schon was geschrieben. Mein Fazit aus der Praxis als Ingenieur: Die Eigenverbrauchsquoten, die einem Installateure nennen, sind meistens Jahresdurchschnittswerte unter Idealbedingungen. Im Sommer, wenn die WP fast nur Warmwasser macht, kannst du tatsächlich hohe Eigenverbrauchsquoten erreichen – aber das ist auch die Jahreszeit wo die Anlage ohnehin kaum Heizenergie braucht. Den echten Nutzen siehst du eher in der Übergangszeit. Für die Smart Home Kopplung würde ich realistisch mit 8-15% zusätzlicher Eigenverbrauchssteigerung rechnen, nicht mit den 20-25% die manche versprechen. Das muss sich dann gegen die Kosten für Gateway, Einrichtung und Wartung rechnen – und das ist schon knapp.