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Herstellerangaben zur JAZ: Welche Werte sind im Alltag realistisch?

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Markus H.
Beiträge: 21
Themenstarter
(@markus_h79)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten
[#80]

Ich beschäftige mich seit längerem damit, die Herstellerversprechen bei Wärmepumpen kritisch zu hinterfragen – und langsam reicht mir das reine Lesen von Prospekten nicht mehr. Was mich konkret interessiert: Wie stark weichen eure realen Jahresarbeitszahlen von den im Datenblatt angegebenen Normwerten ab, und zwar differenziert nach Luft-Wasser und Sole-Wasser?

Die Hersteller werben ja gerne mit JAZ-Werten von 4,5 oder sogar 5+ – gemessen natürlich unter Laborbedingungen nach EN 14511 oder ähnlichem. Im echten Betrieb, besonders im Altbestand oder unter realen Witterungsbedingungen, sieht das doch meistens anders aus. Ich habe bislang hauptsächlich Berichte zu einzelnen Geräten gelesen, aber kaum systematische Vergleiche zwischen verschiedenen Marken.

Mich würde konkret interessieren:
- Welchen Hersteller betreibt ihr, und was zeigt euer Wärmemengenzähler nach einer oder mehreren vollständigen Heizperioden?
- Gibt es Marken, die im Langzeiteinsatz besonders positiv oder negativ auffallen?
- Sole-Wasser-Anlagen gelten als stabiler – deckt sich das mit euren Messwerten verglichen mit vergleichbaren Luftwärmepumpen?

Ich will hier keine Diskussion über Einzelfälle, sondern möglichst belastbare Zahlen. Falls jemand sogar mehrere Jahre dokumentiert hat, umso besser. Was habt ihr gemessen?


5 Antworten
R.Hoffmann80
Beiträge: 10
(@r-hoffmann80)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Stimme Peter K. da teilweise zu, aber trotzdem sind Erfahrungswerte mit Herstellerangaben zu vergleichen sinnvoll – solange man die Grenzen kennt. Meine LWP läuft seit fünf Jahren im unsanierten Altbau, Vorlauf oft über 50°C im Winter, da kann man von JAZ 4,x nur träumen. Ich komme auf 2,6 bis 3,1 je nach Jahr. Der Hersteller nennt im Datenblatt natürlich A7/W35 – das hat mit meiner Realität null zu tun. Trotzdem: die Anlage läuft stabil, KNX-Anbindung funktioniert tadellos, und ich sehe durch das Monitoring wenigstens sofort wenn was nicht stimmt. Für mich ist weniger der Herstellervergleich spannend als die Frage wie man aus der eigenen Anlage das Maximum rausholt trotz schlechter Rahmenbedingungen.


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Peter K.
Beiträge: 26
(@technikpeter_74)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten

Ich muss hier mal etwas bremsen: Ein direkter Markenvergleich anhand von Forumsberichten ist methodisch ziemlich wackelig. Zu viele Variablen – Gebäudehülle, Nutzerverhalten, Einregulierung, Standort – die alle massiv auf die JAZ einwirken. Das soll keine Kritik an der Fragestellung sein, aber ich halte es für gefährlich, aus ein paar Erfahrungsberichten Rückschlüsse auf Hersteller X vs. Y zu ziehen.

Meine eigene Hybridanlage (LWWP + Gastherme) macht das noch komplizierter, weil ich die Anteile erst seit ich die Umschaltlogik über die Smart-Home-Steuerung protokolliere wirklich sauber trenne. Ohne das war meine "WP-JAZ" eigentlich eine Mischgröße. Reale Werte also erst aussagekräftig wenn die Messmethodik stimmt – das würde ich als ersten Punkt setzen bevor man Hersteller vergleicht. Meine Erfahrungen dazu hab ich im Thread Vorlauftemperatur senken schon etwas ausgeführt.


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Heinz B.
Beiträge: 5
(@h-brettschneider)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Bei meiner Luft-Wasser-WP (Baujahr 2018) habe ich von Anfang an jeden Fehlercode dokumentiert – aber Verbrauchsdaten hab ich ehrlich gesagt erst ab dem dritten Betriebsjahr systematisch aufgezeichnet, nachdem ich einen externen Wärmemengenzähler nachrüsten ließ. Vorher war ich auf die internen Werte angewiesen, und die waren... nun ja, sagen wir mal optimistisch.

Meine realen JAZ-Werte: 3,1 (2021, strenger Winter), 3,6 (2022), 3,4 (2023). Hersteller hatte 4,2 im Datenblatt stehen. Das ist schon ein erheblicher Unterschied. Ich hab lange gerätselt woran das liegt – am Ende war ein Teil davon ein Kältemittelverlust, den ich erst nach Jahren durch systematische Auswertung der Strombezugsdaten eingrenzen konnte. Ohne die genaue Dokumentation hätte ich das wohl noch länger nicht gemerkt. Also: Messung lohnt sich wirklich, auch wenn man meint, alles läuft normal.


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Tobias-Wenzel
Beiträge: 9
(@tobias-wenzel)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Interessante Frage, auch wenn ich selbst noch keine Heizsaison hinter mir habe – bin ja noch im Neubau. Ich hab mich aber schon intensiv mit genau diesem Thema befasst, weil ich die Entscheidung zwischen LWWP und Erdwärme noch vor mir habe. Was ich dabei festgestellt habe: Die Prospektzahlen sind fast immer nach A2/W35 oder ähnlich günstigen Testbedingungen berechnet, aber kein Hersteller schreibt klar dazu, was bei A-10 oder mit Warmwasserbereitung rauskommt. Das macht den Vergleich für Laien wie mich wirklich schwer. Ich hab dazu auch schon im Thread zur Tiefenbohrung und ersten Heizsaison gelesen – da kamen auch erste Realwerte rein, die deutlich unter den Herstellerangaben lagen. Gespannt auf die Antworten hier von Leuten mit echten Langzeitdaten.


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