Hallo zusammen,
ich bin neu hier im Forum und stecke gerade mitten in der Planung unseres Heizungsumbaus. Wir haben ein Einfamilienhaus aus den frühen 80ern, bisher Gasheizung, und wollen auf Wärmepumpe umsteigen. Die Förderthemen habe ich schon einigermaßen durchgearbeitet (BEG, KfW usw.), aber jetzt mache ich mir zunehmend Gedanken über den laufenden Stromverbrauch.
Ein Freund von mir hat eine Wärmepumpe im ähnlich alten Haus und ist von seinem Stromverbrauch nach dem ersten Winter ziemlich erschrocken. Seitdem frage ich mich: Was kann man überhaupt konkret tun, damit die WP im Altbau nicht zum Stromfresser wird?
Ich habe schon gelesen, dass die Vorlauftemperatur eine große Rolle spielt, und dass man die Anlage möglichst selten takten lassen soll. Aber ich verstehe noch nicht wirklich, an welchen Stellschrauben man als Laie sinnvoll drehen kann – und was davon wirklich was bringt oder eher Kleinigkeiten sind.
Gibt es Dinge, die man schon vor der Installation bedenken sollte, damit der Verbrauch später nicht aus dem Ruder läuft? Oder ist das bei Altbauten grundsätzlich so eine Sache und man muss einfach mit höheren Kosten rechnen?
Für Erfahrungen aus der Praxis wäre ich sehr dankbar – gerne auch ehrliche Einschätzungen, nicht nur das schöne Bild 😊
Viele Grüße,
L.Weber94
Ehrliche Einschätzung? Gerne. Die größte Stromfalle im Altbau ist aus meiner Sicht nicht die Heizung selbst, sondern die Warmwasserbereitung. Viele Anlagen aktivieren dabei automatisch einen elektrischen Zusatzheizer – oft ohne dass der Betreiber es überhaupt merkt. Der reißt die JAZ-Bilanz regelrecht auf, und die Hersteller rechnen das gerne klein oder verschweigen es in den Prospektwerten.
Ich habe das an meiner eigenen Anlage nachgemessen und war erschrocken, wie viel der Heizstab im Jahresverlauf zieht, obwohl ich dachte, ich hätte ihn weitgehend deaktiviert. Dazu habe ich auch was im Thread Jahresstromverbrauch WP 2026 – was sind realistische Erwartungswerte? geschrieben, schau da mal rein.
Mein Rat: Vor der Installation unbedingt klären, wie die Warmwasserbereitung konkret konfiguriert wird und ob sich der Heizstab überhaupt abschalten oder begrenzen lässt. Und den Installateur fragen, ob er eine separate Messung des Heizstabs möglich macht. Die meisten tun das nicht von sich aus.
Was mich bei solchen Fragen immer wieder überrascht: Die meisten Leute optimieren hinterher, statt vorher zu planen. Ich mach das bei allem so – lieber einmal sauber aufsetzen als später ewig nachsteuern.
Konkret für dich: Schau dass die WP eine ordentliche Schnittstelle mitbringt (SG Ready ist Minimum, besser noch eine API oder Modbus-Anbindung). Ohne das bist du blind und kannst nichts automatisieren. Warmwasser tagsüber vorbereiten wenn Tarif günstig ist oder PV läuft – das geht aber nur wenn die Steuerung das mitmacht.
Altbau ist nicht pauschal schlimm, aber du brauchst zwingend eine ordentliche Heizlastberechnung vorher. Sonst wird die Anlage falsch dimensioniert und taktet ständig, was den Verbrauch hochtreibt. Das ist kein Hexenwerk aber viele Installateure machen das leider immer noch per Daumenregel.
Kurz von mir: Schallschutz ist mein Hauptthema, aber zum Verbrauch kann ich sagen – Aufstellungsort der Außeneinheit beeinflusst auch die Effizienz. Schlecht positioniert (z.B. im Windschatten oder zu eng verbaut) kostet messbar mehr Strom. Wird oft unterschätzt.
Hi L.Weber94, ich komm aus der IT und hab mich da auch erstmal durchgewühlt. Mein größter Hebel war tatsächlich eine saubere Zeitsteuerung – also die WP so programmieren, dass sie dann läuft wenn entweder Strom günstig ist oder die PV liefert. Ohne irgendein Smart-Home-System macht man das quasi im Blindflug.
Bei mir hat die Kombination aus günstigem WP-Tarif + Zeitplanung über die Steuerung nochmal spürbar was gebracht. Klingt erstmal nach viel Aufwand, aber wenn man eh schon IT-affin ist geht das ganz gut.
Was den Altbau angeht: Vorlauftemperatur runter ist das A und O, da haben die anderen sicher mehr Erfahrung als ich. Hatte dazu auch was im COP-Thread geschrieben: COP im Januar unter 2 – ist meine Anlage kaputt oder normal? – da gehts zwar um was anderes, aber Zusammenhänge zwischen Vorlauftemp und Effizienz kommen da auch vor.