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Eigenmessung WP-Stromverbrauch: Welche Methode ist aussagekräftig?

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SilentHeat_87
Beiträge: 32
Themenstarter
(@silentheat_87)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 1 Monat
[#122]

Hallo zusammen,

ich plane gerade eine Luft-Wasser-Wärmepumpe und will von Anfang an den Verbrauch im Griff haben – nicht nur über die Herstellerangaben, sondern durch eigene Messung. Als Ingenieur bin ich es gewohnt, Dinge selbst zu überprüfen, aber ich hab ehrlich gesagt wenig Zeit für ausufernde Recherchen.

Mein konkretes Problem: Wie misst ihr den tatsächlichen Stromverbrauch eurer WP sinnvoll? Ich meine nicht nur die Gesamtentnahme über den Zähler, sondern wirklich gerätespezifisch. Gibt es Energiemessgeräte, die für WP-Anlagen mit 3-Phasenstrom geeignet sind und vernünftige Auswertungsmöglichkeiten bieten?

Zweite Frage: Wie wertet ihr die Daten aus? Reicht eine einfache kWh-Aufzeichnung, oder braucht man wirklich einen Datenlogger mit Zeitstempeln, um erkennen zu können ob die Anlage effizient läuft?

Der Hintergrund ist nicht nur Kostenoptimierung – ich will auch früh merken, wenn irgendwas nicht stimmt. Gerade im Sommer jetzt ist der Verbrauch ja gering, das wäre eigentlich ein guter Zeitpunkt um eine Messbasis zu etablieren bevor der Winter kommt.

Wer hat das bei sich professionell umgesetzt? Gibt es Empfehlungen für konkrete Geräte oder Software, die sich in der Praxis bewährt haben? Keine langen Bastelanleitungen bitte – ich such was, das zuverlässig funktioniert.


5 Antworten
WolfgangB.1947
Beiträge: 44
(@wolfgangb-1947)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 1 Monat

Als pensionierter Ingenieur hab ich mich mit der Messthematik bei meiner eigenen Planung intensiver beschäftigt und möchte eine andere Perspektive einbringen: Es kommt darauf an, was du mit den Daten tun willst.

Für eine simple Verbrauchskontrolle reicht ein günstiger 3-Phasen-Messadapter (z.B. Shelly 3EM wie oben erwähnt, oder ähnliche Geräte). Für eine echte JAZ-Berechnung brauchst du aber zwingend auch die Wärmemengenseite – also einen Wärmemengenzähler im Heizkreis. Nur Strom messen ohne die gelieferte Wärme zu erfassen sagt dir nicht, ob die Anlage effizient ist, nur ob sie viel oder wenig zieht.

Ich hab dazu einiges in diversen Threads recherchiert – z.B. auch zum hydraulischen Abgleich, der die Messwerte erheblich beeinflusst (hab ich hier schon mal angesprochen). Ohne sauberen Abgleich sind Verbrauchsmessungen kaum interpretierbar.

Im Sommer ist ein guter Zeitpunkt um die Messtechnik aufzubauen und zu kalibrieren – volle Zustimmung. Nutze die ruhige Saison.


Antwort
R.Hofmann
Beiträge: 27
(@r-hofmann)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 1 Monat

Kurze Ergänzung aus eigener Erfahrung mit Luft-Wasser seit 8 Jahren: Ich hatte anfangs nur den Haushaltszähler und keine gerätespezifische Messung. Das war ein Fehler. Als mal ein Defekt am Expansionsventil auftrat, hat sich der Mehrverbrauch wochenlang versteckt weil ich nichts zum Vergleichen hatte.

Seit ich einen separaten Zwischenzähler direkt am WP-Stromkreis habe (ganz simpel, kein Schnickschnack), fiel mir eine ähnliche Anomalie sofort auf. Du brauchst keine hochkomplexe Lösung – aber du brauchst eine dedizierte Messung am WP-Anschluss selbst, nicht irgendwo im Verteilerkasten.

Zum Thema Lärm, was ich in deinem Profil sehe: Das und die Messthematik schließt sich übrigens nicht aus. Mit Verbrauchsdaten kannst du auch Nachtabsenkungen und Betriebszeiten so planen, dass die Anlage zu ungünstigen Lärm-Zeiten weniger läuft. Ich hab zu Schallschutzmaßnahmen auch anderswo im Forum schon einiges geschrieben, falls das noch relevant wird.


Antwort
Thomas92
Beiträge: 49
(@thomas92)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 1 Monat

Also nach 8 Jahren mit meiner Luft-Wasser-WP kann ich dazu einiges sagen. Ich hab inzwischen einen Eastron SDM630 Dreiphasenzähler verbaut, der läuft per Modbus an einem kleinen Raspberry Pi mit Home Assistant. Die kWh-Aufzeichnung allein reicht meiner Erfahrung nach nicht – du willst wirklich Leistungskurven sehen, also Watt über Zeit. Nur so erkennst du, ob die Anlage taktet oder sauber durchläuft.

Gerade im Sommer ist der Zeitpunkt tatsächlich gut um eine Baseline zu legen, weil der Verbrauch fast ausschließlich aus Warmwasserbereitung besteht. Da siehst du sehr klar, wie lange ein WW-Zyklus dauert und wieviel er kostet. Im Winter hast du dann einen Vergleichswert.

Zur Software: InfluxDB + Grafana ist für Ingenieure eigentlich ideal, weil du wirklich alles auswerten kannst. Einstiegshürde ist überschaubar. Wenn du gar nicht basteln willst, gibt es auch fertige Logger mit Weboberfläche, aber da sind die Auswertungsmöglichkeiten oft deutlich eingeschränkter.

Ich hab das übrigens auch genutzt, um meine JAZ sauber zu berechnen – war am Ende besser als die Herstellerangabe, was mich positiv überrascht hat.


Antwort
Markus H.
Beiträge: 10
(@markus_h89)
Active Member
Beigetreten: Vor 3 Wochen

Ich komm aus der Hybridheizungs-Ecke und hab das Problem etwas anders gelöst: Bei mir messen separate Zähler Gaskessel und WP getrennt, damit ich sehe was wann läuft. Für reine WP-Verbrauchsmessung würd ich aber thomas92 zustimmen – Phasenmessung ist wichtig.

Was ich noch ergänzen würde: Schau ob deine WP eine eigene Schnittstelle hat (SG-Ready-Status, Modbus, CAN). Viele neueren Geräte liefern intern schon Verbrauchsdaten, teilweise sogar COP-Werte. Das kann die externe Messtechnik ersetzen oder ergänzen. Mein Installateur hatte das bei der Planung komplett ignoriert, hab ich im Nachhinein selbst rausgefunden – ärgerlich.

Im Sommer lohnt sich die Messung übrigens wirklich, weil du sonst gar keine Ahnung hast was die Anlage im Standby und bei WW-Bereitung zieht.


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