Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade damit, unsere Luft-Wasser-Wärmepumpe so effizient wie möglich zu betreiben. Wir haben das Gerät seit knapp zwei Jahren und ich versuche immer wieder, den Stromverbrauch weiter zu drücken.
Jetzt im Sommer läuft die WP bei uns fast nur noch für Warmwasser, heizen müssen wir kaum noch. Trotzdem frag ich mich, ob Nachtabsenkung – also das Heizungssystem nachts auf eine niedrigere Temperatur runterzuregeln – prinzipiell Sinn ergibt oder ob das am Ende mehr Strom kostet als es spart. Ich hab nämlich gelesen, dass WPs es gar nicht mögen, wenn sie viel nachregeln müssen, weil das Aufheizen danach mehr Energie frisst als das kontinuierliche Halten einer moderaten Temperatur.
Gleichzeitig frag ich mich: Im Sommer ist das ja eh fast egal, aber was ist für den Winter 2026/27 die beste Strategie? Sollte ich die Nachtabsenkung komplett deaktivieren oder gibt es eine sinnvolle Kompromisslösung? Unser Haus ist ein Neubau von 2019, Fußbodenheizung, recht gut gedämmt.
Hat jemand konkrete Erfahrungswerte dazu, am besten mit Zahlen? Was macht ihr so?
Danke schonmal,
Markus
Ich hab bei meiner Erdwärmepumpe (Sole-Wasser) das Problem mit Nachtabsenkung weniger, weil die Quellentemperatur ja eh stabiler ist. Aber bei Luft-Wasser ist das wirklich ein Punkt, den man im Blick haben sollte.
Kurz gesagt: Bei Neubau + FBH würd ich keine Nachtabsenkung machen. Die Speichermasse der Betondecke puffert so viel, dass du die Energie, die du nachts sparst, morgens früh locker wieder draufzahlst – und dann noch etwas obendrauf, weil die WP beim Hochheizen weniger effizient taktet.
Ich hab das damals während meiner Planung intensiv recherchiert, als ich den Prozess von der Bohrung bis zum Erststart begleitet hab. Das Thema Betriebsstrategie kam da auch ausführlich zur Sprache. Grundregel vom Heizungsbauer war: je träger das System (FBH = sehr träge), desto weniger Absenkung.
Für den Winter 2026/27 würd ich einfach mal eine Heizperiode ohne Absenkung durchlaufen und mit euren bisherigen Daten vergleichen. Dann habt ihr schwarz auf weiß, was besser ist.
Ehrlich gesagt bin ich bei dem Thema etwas skeptisch gegenüber pauschalen Aussagen. Kommt halt immer drauf an.
Neubau, gute Dämmung, FBH – ja, da macht Absenkung wenig Sinn. Aber ich kenn genug Leute, die auch im relativ neuen Haus mit 3-4 Grad Nachtabsenkung fahren und damit keine schlechteren Verbrauchswerte haben als vorher. Es kommt eben auch auf die konkrete WP, die Regelung und wie gut das System hydraulisch abgeglichen ist an. Pauschal sagen 'Nachtabsenkung ist immer schlecht' wäre mir zu einfach.
Was ich empfehlen würde: einfach ausprobieren, ein paar Wochen mit Absenkung, ein paar ohne – und die Verbräuche notieren. Klingt banal, ist aber die einzige Methode die wirklich belastbar ist für euer spezifisches System.
StillHunter hat recht, pauschalisieren is schwierig. Aber bei FBH in nem gut gedämmten Neubau würd ich trotzdem sagen: lass die Finger von größeren Absenkungen. Das is eigentlich ziemlich eindeutig in der Fachliteratur.
Was ich noch ergänzen würd: Im Sommer jetzt brauchst du dir den Kopf darum eh nicht zerbrechen, wie du selbst sagst. Nutz die Zeit lieber, um die Heizkurve für den Winter sauber einzustellen und zu prüfen ob deine Anlage richtig hydraulisch abgeglichen ist. Das bringt deutlich mehr als jede Absenkungsstrategie. Hab das bei nem Bekannten gesehen – nach ordentlichem Abgleich ging der Verbrauch um fast 15% runter ohne sonst irgendwas zu ändern.
Kann den anderen nur zustimmen, FBH und Nachtabsenkung passt einfach nicht gut zusammen. Bei uns im Altbau mit Heizkörpern sieht das nochmal anders aus, aber das ist eine andere Baustelle.
Was mich bei euch im Neubau aber interessieren würde: Habt ihr PV? Weil das nämlich die ganze Rechnung nochmal umdreht. Wenn ihr tagsüber Überschuss habt, lohnt es sich eher, die WP mittags auf leichtes Überheizen zu programmieren (sofern die Regelung das erlaubt) und nachts dann den Betrieb zu reduzieren – aber nicht wegen Kostenersparnis durch Absenkung, sondern weil ihr den eigenen Strom verbraucht statt einzuspeisen.
Ich hab das im PV-Eigenverbrauch-Thread schon mal angesprochen – PV-Eigenverbrauch mit WP – da kann man schon einiges rausholen, wenn man es clever anstellt. Ohne PV würd ich aber einfach konstant fahren.