Guten Tag zusammen,
ich habe seit letztem Herbst eine Luft-Wasser-Wärmepumpe und bin eigentlich ganz zufrieden damit. Der erste Winter lief soweit, aber ich hatte das Gefühl, dass die Anlage nicht optimal eingestellt ist. Jetzt im Sommer möchte ich die Zeit nutzen, um mich endlich richtig mit der Heizkurve zu beschäftigen, bevor der nächste Heizperiode kommt.
Mein Heizungsbauer hat damals einfach irgendwelche Standardwerte eingestellt und meinte, das passe schon. Ich bin da aber nicht so überzeugt, weil die Vorlauftemperatur mir manchmal zu hoch vorkommt und der Stromverbrauch im Januar doch ordentlich war.
Ich habe ein Haus aus den 1980er Jahren, teilweise saniert, Heizkörper im Obergeschoss und Fußbodenheizung im Erdgeschoss. Das macht die Sache glaube ich nicht einfacher.
Meine Fragen:
– Wie gehe ich an die Anpassung systematisch heran, ohne gleich alles durcheinanderzubringen?
– Welche Werte muss ich überhaupt kennen bevor ich anfange?
– Gibt es eine Reihenfolge, was man zuerst anpassen sollte?
Ich bin kein Techniker, aber lese mich gerne ein. Ein bisschen mehr Struktur wäre mir sehr willkommen. Danke schon mal.
Was Sarah schreibt stimmt, aber ich würd noch einen Schritt früher ansetzen: Bevor du irgendwas an der Heizkurve veränderst, schau erstmal ob du überhaupt Messwerte aus dem letzten Winter hast. Viele WP-Steuerungen loggen Vorlauf, Rücklauf und Außentemperatur – wenn du da Zugriff drauf hast, siehst du sofort ob deine Anlage bei +5°C Außentemperatur schon mit 50°C Vorlauf unterwegs war oder ob das im grünen Bereich lag.
Ich hab mich bei meiner eigenen Planung viel mit Heizlastberechnungen beschäftigt (hab da auch im Thread zu Bestandsgebäude 1960er: Erst Kernsanierung oder direkt mit WP starten? kommentiert) – das Prinzip ist ähnlich. Du musst erst verstehen was dein Gebäude wirklich braucht, dann kannst du sinnvoll einstellen.
Konkret für dich: 1980er Haus, teilsaniert, gemischtes System. Ich würde schätzen dass deine FBH mit 35-38°C Vorlauf auskommt, die Heizkörper OG wahrscheinlich mehr brauchen. Falls die WP einen Mischer hat läuft das separat, falls nicht musst du nen Kompromiss finden. Das wäre der erste Punkt den ich klären würde.
Hallo Werner-Kessler,
die Frage kenne ich gut – ich hab mich da auch erstmal durchgewühlt, bevor ich verstanden habe wie das eigentlich zusammenhängt. Ich hab dazu auch schon im Thread Heizkurve und Modulation einstellen – wo fange ich an? einiges geschrieben, vielleicht hilft dir das als Einstieg.
Die wichtigste Grundregel: Fang mit der Steilheit der Heizkurve an, nicht mit irgendwelchen Einzeltemperaturen. Die Steilheit bestimmt, wie stark die Vorlauftemperatur mit sinkender Außentemperatur ansteigt. Wenn du zu steil eingestellt hast, heizt die WP bei mildem Wetter zu viel – das kostet unnötig Strom.
Bevor du anfängst, brauchst du eigentlich drei Dinge:
1. Die Normaußentemperatur für deine Region (steht oft in den Gebäudeunterlagen oder einfach googeln)
2. Die maximale Vorlauftemperatur die dein System braucht – bei Fußbodenheizung typisch 35-40°C, bei alten Heizkörpern kann es mehr sein
3. Ein paar Tage Geduld, weil Änderungen immer Zeit brauchen bis man den Effekt wirklich sieht
Dass du gemischtes System hast (FBH + Heizkörper) ist tatsächlich etwas komplizierter. Hier sollte eigentlich ein hydraulischer Abgleich gemacht worden sein, sonst nützt die schönste Heizkurve nichts. Wurde das bei dir gemacht?
Den Sommer jetzt zu nutzen für die Vorbereitung ist übrigens genau richtig – so bist du im Oktober startbereit.
Kurz und knapp: Fang mit dem Parallelversatz an, nicht mit der Steilheit. Wenn Räume grundsätzlich zu kalt oder zu warm sind (egal bei welcher Außentemperatur), ist das ein Versatz-Problem. Steilheit nur anfassen wenn's bei Kälte nicht reicht aber bei Mild schon überschießt.