Was ich hier bei den Rechnungen oft vermisse: Die Degradation der Anlage über die Jahre. Eine WP hat nach 10-15 Jahren oft nicht mehr die gleiche Effizienz wie am Anfang – Kältemittelverluste, Wärmetauscher-Verschmutzung, Kompressor-Verschleiß. Das zieht die reale JAZ runter und verschlechtert den Break-even nachträglich.
Bei Gas ist das natürlich auch so, aber Wartungskosten und Effizienverlust sind da besser dokumentiert und kalkulierbarer.
Ich habe für unseren Altbau mal eine Sensitivitätsanalyse gemacht mit verschiedenen Strompreis-, Gaspreis- und JAZ-Szenarien. Ergebnis: Sobald der Gaspreis unter ~8 Cent/kWh Netto fällt und die JAZ unter 3 liegt, rechnet sich Gas im Altbau mit schlechter Dämmung tatsächlich besser – zumindest kurzfristig. Langfristig durch CO₂-Preis wird Gas aber fast immer teurer. Wer also heute baut und 20+ Jahre plant, sollte das einpreisen.
Stefan, du stellst eigentlich die richtige Frage, aber ich glaube der Begriff "Break-even" vernebelt manchmal den Blick. Die eigentliche ingenieurstechnische Frage ist: Welches System deckt den spezifischen Wärmebedarf dieses Gebäudes über die Lebensdauer am kosteneffizientesten? Und da gibt es keine Pauschaalantwort.
Aus meiner Erfahrung mit unserem sanierten Altbau: Wir haben nach der Dämmung eine Luft-WP eingebaut und liegen jetzt bei einer JAZ von knapp 3,8 – ohne PV. Mit PV wäre das nochmal eine andere Hausnummer. Der Break-even gegen unsere alte Gastherme liegt bei etwa 9 Jahren, das ist realistisch.
Für den unsanierten Bestand muss man aber ehrlich sein: Erst sanieren, dann WP. Wer das umkehrt oder weglässt, kauft sich Probleme. Das ist keine Pro-Gas-Aussage, das ist Physik.