Hallo zusammen,
wir planen gerade unsere neue Luft-Wasser-Wärmepumpe und hängen beim Thema Pufferspeicher fest. Unser Haus hat ca. 160qm Wohnfläche, Baujahr 1985, wurde aber 2018 teilsaniert (Dämmung Dach und Kellerdecke, neue Fenster). Heizlast liegt laut Fachbetrieb bei etwa 9kW. Geplant ist eine 10kW Monoblock-WP, Heizkörper im EG, Fußbodenheizung im OG.
Der Installateur empfiehlt uns einen 300L Pufferspeicher, ein anderer Betrieb hat 500L vorgeschlagen. Die Preisdifferenz ist nicht riesig, aber ich frage mich ob ein größerer Speicher wirklich Vorteile bringt oder ob das manchmal sogar kontraproduktiv ist. Hab gelesen dass ein zu großer Puffer die Effizienz senken kann, weil die WP dann seltener aber länger läuft und das Wasser unnötig auskühlt.
Außerdem: Wir denken auch über Kühlung im Sommer nach (passive Kühlung über die FBH). Spielt da die Puffergröße auch eine Rolle? Der Sommer macht einem das ja gerade sehr deutlich wie wichtig das wäre – momentan ist es hier oben im OG nicht auszuhalten.
Hat jemand Erfahrungen mit verschiedenen Speichergrößen? Gibt es eine Faustregel die wirklich taugt?
Danke schon mal!
H.Weber
Kurz und knapp: Bei 9kW Heizlast und Inverter-WP würde ich nicht über 300L gehen. Alles drüber ist bei euren Gegebenheiten Overkill und bringt euch im Alltag nichts außer höhere Bereitschaftsverluste.
Da muss ich ThomasK oben aber ein bisschen widersprechen – pauschal "300L reicht" würde ich so nicht stehen lassen. Es kommt eben sehr stark auf das konkrete Heizsystem an.
Bei euch mit Heizkörpern im EG und FBH im OG habt ihr zwei Kreise mit potenziell sehr unterschiedlichen Anforderungen. Die FBH will vielleicht 35°C Vorlauf, die Heizkörper je nach Typ eher 45-50°C. Das bedeutet ihr braucht zwingend einen Mischer für die FBH oder ihr müsst die Heizkörper entsprechend anpassen. Der Puffer muss in so einem Szenario beide Kreise vernünftig versorgen können – da kann ein etwas größeres Volumen durchaus sinnvoll sein, einfach damit die Pufferkapazität reicht wenn beide Kreise gleichzeitig Wärme abrufen.
Ich hab selbst eine ähnliche Situation gehabt beim Thema Abtauen im Winter (da kühlt das Haus auch kurz aus wenn die WP pausiert), und da merkt man schon dass ein zu kleiner Puffer schnell leer ist. Im Sommer mit passiver Kühlung ist das unkritischer, da sind die Lastspitzen viel geringer.
Meine Empfehlung: 400L als Kompromiss, sofern euer Aufstellort das zulässt. Und auf jeden Fall den Installateur fragen ob ein Kombispeicher (Puffer + Warmwasser) für euch eine Option wäre – das spart Platz und die Dimensionierung wird einfacher.
Die Faustregel die ich immer wieder lese: ca. 20-30 Liter pro kW Heizleistung. Bei eurer 10kW-WP wären das 200-300L. Der 300L Speicher des ersten Installateurs klingt also erstmal plausibel.
Aber – und das ist wichtig – bei gemischten Systemen (Heizkörper + FBH) braucht ihr sowieso eine hydraulische Weiche oder eben einen Puffer, der beide Kreise sinnvoll entkoppelt. Da kann ein etwas größerer Speicher durchaus helfen, weil die Spreizung zwischen den Kreisen ausgeglichener wird.
Zu deiner Frage mit der Effizienz: Ja, ein zu großer Puffer ist tatsächlich nicht ideal. Wenn der Speicher immer wieder komplett auskühlt weil die WP ihn nicht wirtschaftlich warm halten kann, leidet der COP. Das ist kein Mythos.
Für passive Kühlung über FBH spielt die Speichergröße eine untergeordnete Rolle – da wird der Puffer eigentlich als Kältespeicher genutzt und die Logik ist etwas anders. Ich hab mich mit dem Thema Systemintegration schon etwas beschäftigt, z.B. im Kontext von Batteriespeicher-Monitoring und WP-Verbrauch – da merkt man schnell wie viel Einfluss die Systemauslegung auf den tatsächlichen Verbrauch hat.
Kurzes Fazit: 300L ist bei euch realistisch, 500L nur wenn ihr plant künftig z.B. auch Warmwasser drüber zu machen.
Ich hab bei meiner Planung ähnliche Fragen gehabt. Letztlich ist die Speichergröße stark davon abhängig wie oft die WP takten darf ohne dass es zum Problem wird. Moderne Inverter-Wärmepumpen vertragen deutlich mehr Taktung als ältere On/Off-Geräte, deswegen wird der Puffer bei Inverter-WPs manchmal sogar kleiner dimensioniert.
Was mich bei eurem Setup etwas stutzig macht: Heizkörper und FBH gleichzeitig bedeutet zwangsläufig unterschiedliche Vorlauftemperaturen. Habt ihr dafür schon eine Lösung (Mischer, separate Kreise)? Das beeinflusst nämlich auch wie sinnvoll ein Puffer ist und welche Größe Sinn macht. Ich hatte dazu auch schon im Thread über PV-Nachrüstung und Systemplanung diskutiert – da geht es zwar um was anderes aber die hydraulische Auslegung ist immer ein Thema das man nicht unterschätzen sollte.
Für passive Kühlung: Da reicht oft auch ein kleinerer Speicher, weil die Temperaturdifferenzen gering sind und die Kältemengen überschaubar. 300L würde ich da für ausreichend halten.