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Welche JAZ-Werte erreicht ihr mit Hybrid-WP im Jahresverlauf wirklich?

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Stefan W.
Beiträge: 22
Themenstarter
(@s-weber85)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten
[#126]

Hallo zusammen,

ich beschäftige mich jetzt seit gut zwei Jahren intensiv mit dem Thema Wärmepumpen und führe dabei auch immer wieder Gespräche mit Händlern und schaue mir Produktdatenblätter verschiedener Hersteller an. Aktuell überlege ich ernsthaft, ob für mein Einfamilienhaus (Baujahr 1988, teilsaniert, Heizkörper + Fußbodenheizung gemischt) eine Hybrid-Lösung die sinnvollere Alternative wäre gegenüber einer reinen Luft-Wasser-WP.

Was mich dabei am meisten beschäftigt: Die JAZ-Angaben der Hersteller für Hybrid-Systeme variieren extrem – von 2,8 bis über 4,5 je nach Quelle. Mir ist klar, dass im Winter bei tiefen Temperaturen der Gaskessel öfter einspringt und das die Gesamteffizienz drückt. Aber wie sieht das bei euch in der Praxis aus, über das ganze Jahr gerechnet?

Ich frage auch deshalb jetzt im Juli, weil ich denke dass man im Sommer gut Zeit hat für eine fundierte Entscheidung – keine Hektik wegen Heizausfall. Konkret interessiert mich:
- Welche realen JAZ-Werte habt ihr im Jahresschnitt mit Hybrid erreicht?
- Lohnt sich der Hybrid wirklich oder ist die reine WP bei meinem Gebäudetyp besser?
- Gibt es Hersteller, die beim Umschalten zwischen WP und Gas nachweislich besser abschneiden?

Bin für alle Erfahrungswerte dankbar, gerne auch mit konkreten Zahlen.


5 Antworten
Manfred K.
Beiträge: 12
(@manfred68)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Stefan, genau die richtige Frage! Ich habe mich bei meiner eigenen Planung lange mit dem Altbau-Thema beschäftigt, und der Punkt mit den gemischten Heizflächen ist wirklich kritisch – das hatte ich übrigens auch im Altbau-vs-Neubau-Thread angesprochen.

Bei einem Haus Baujahr 1988 mit gemischtem System würde ich realistisch eher mit einer Systemarbeitszahl von 2,8 bis 3,2 rechnen, nicht mit den 4er-Werten die manchmal kursieren. Der Grund: Sobald die Heizkörper Vorlauftemperaturen über 50-55°C brauchen, arbeitet die WP deutlich ineffizienter oder der Gaskessel übernimmt komplett. Das drückt den Jahresschnitt erheblich.

Was ich aus Gesprächen mit einem Heizungsbauer in meiner Nähe mitgenommen habe: Die hydraulische Einbindung kostet bei Hybrid oft mehr als gedacht, weil Pufferspeicher, Weiche und Umschaltventile aufwändig geplant werden müssen. Das Thema Zusatzkosten taucht im Angebot manchmal erst spät auf. Also: Angebote sehr genau vergleichen und nach Gesamtkosten fragen.


Antwort
Klaus_1952
Beiträge: 46
(@klaus_1952)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten

Gute Frage und guter Zeitpunkt – im Sommer hat man tatsächlich Ruhe zum Nachdenken.

Ich kann zwar nur von meiner reinen Luft-Wasser-WP berichten (kein Hybrid), aber ich tracke die Verbrauchsdaten seit der Installation 2021 akribisch in Excel. Was ich dabei gelernt habe: Die herstellerseitig angegebenen JAZ-Werte sind fast immer unter Normbedingungen ermittelt und haben mit der Realität im Altbau oft wenig zu tun.

Für ein Hybrid-System würde ich folgendes beachten: Die JAZ lässt sich nur korrekt berechnen, wenn man den Gasanteil separat erfasst und mit einem Primärenergiefaktor gewichtet – sonst vergleicht man Äpfel mit Birnen. Viele Hersteller geben nur die WP-seitige Arbeitszahl an und lassen den Gaskessel-Anteil im Dunkeln.

Mein Tipp: Besteh beim Händler darauf, dass dir eine Systemarbeitszahl (also WP + Kessel kombiniert) angegeben wird, und zwar auf Basis deiner konkreten Vorlauftemperaturen. Ich habe das damals auch so gemacht, wie ich im Setup-Thread beschrieben habe – ohne eigene Messung glaubt man sonst zu viel vom Datenblatt.


Antwort
Thomas K.
Beiträge: 24
(@kritiker_1978)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten

Ich bin da ehrlich gesagt etwas skeptisch, was die oft genannten JAZ-Werte bei Hybrid angeht. Das Grundproblem: Wenn die Steuerung nicht wirklich intelligent ist, springt der Gaskessel zu früh ein und du hast de facto eine Gasheizung mit teurer WP-Beifügung.

Aus meiner Sicht ist das entscheidende Kriterium bei Hybrid-Systemen nicht der Hersteller der Hardware, sondern die Qualität der Regelstrategie. Und da sehe ich ohne Smart-Home-Integration massive Schwächen – die meisten Standardregelungen optimieren nicht auf Strompreis oder PV-Überschuss, sondern schalten einfach nach Außentemperatur um. Das ist grobschlächtig.

JAZ von 3,5 aufwärts im Jahresschnitt halte ich beim Hybrid für realistisch, aber nur wenn die Übergabetemperatur konsequent niedrig gehalten wird. Bei deinem gemischten System (Heizkörper + FBH) wird das schwierig, weil die Heizkörper höhere Vorlauftemperaturen ziehen und die WP dann ineffizienter läuft. Das solltest du vorher hydraulisch genau anschauen lassen.


Antwort
Thorsten K.
Beiträge: 15
(@thorsten81)
Active Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten

Für mich persönlich ist Hybrid bei so einem Gebäudetyp die pragmatischste Lösung – und ich sage das nicht leichtfertig, wie man in meinem Thread über reine WP vs. Hybrid nachlesen kann.

Zur JAZ-Frage konkret: Bei mir läuft das System seit zwei Heizperioden, ich komme auf eine Systemarbeitszahl von etwa 3,1 über das gesamte Jahr. Klingt nicht spektakulär, aber ich habe dabei 100% Versorgungssicherheit und musste meine Heizkörper nicht tauschen. Eine reine WP hätte bei meinen Vorlauftemperaturen im Altbau entweder massive Nachinvestitionen in die Heizflächen erfordert oder wäre regelmäßig in den ineffizienten Hochtemperaturbereich gerutscht.

Die Frage ist halt: Willst du maximale JAZ auf dem Papier oder ein System das zuverlässig funktioniert ohne dass du gleichzeitig die halbe Heizungsanlage umbaust. Beides zusammen ist teuer.


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